Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberspreewald-Lausitz Wegen Windkraft-Flaute: Vestas streicht 500 Jobs in Lauchhammer
Lokales Oberspreewald-Lausitz Wegen Windkraft-Flaute: Vestas streicht 500 Jobs in Lauchhammer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:39 27.09.2019
Windräder drehen sich hinter Hochspannungsleitungen bei Teutschenthal in Sachsen-Anhalt Quelle: Jan Woitas/dpa
Aarhus/Lauchhammer

Der weltweit größte Windkraftanlagenhersteller Vestas streicht in seinem Brandenburger Werk in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) 500 Stellen – und damit fast jeden zweiten Arbeitsplatz dort. Betroffen seien vor allem Zeitarbeiter, hieß es.

Deutschland bleibe aber mit mehr als 2300 Mitarbeitern nach dem beabsichtigten Personalabbau ein Schlüsselmarkt für Vestas, teilte der dänische Konzern am Freitag in Aarhus weiter mit. Die Kürzungen seien eine Reaktion auf eine Veränderung der Nachfrage am Markt. Die Produktion der V136-Windanlagen werde heruntergefahren. Auch in der Vestas-Fabrik im westdänischen Lem sollen 90 Stellen wegfallen.

Vestas stellt in Lauchhammer Rotorblätter her. Windräder mit einer Höhe von bis zu 200 Metern drehen sich in einem Windpark östlich von Parchim Quelle: Jens Büttner/dpa

In Lauchhammer produziert Vestas Rotorblätter für die Windanlagen V112, V117 und V136. Nach Angaben des Unternehmens werden künftig nur der V117-Blätter in nennenswertem Umfang hergestellt. Ein weiteren Produktionsstandort gibt es in Travemünde bei Lübeck. In Deutschland hat Vestas nach eigenen Angaben bisher mehr als 8000 Windenergieanlagen installiert.

Vestas erklärte, man wolle neue Produkte auf den Markt bringen, um so die Kosten für erneuerbare Energien zu verringern und die Energiewende voranzubringen. Der Konzern hatte Ende Juni weltweit mehr als 24.500 Angestellte. Unter den Produzenten von Windrädern gibt es einen harten Preiskampf. Erst am Donnerstag hatte der Vestas-Konkurrent Siemens Gamesa die Entlassung von 600 Beschäftigten in Dänemark angekündigt.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) erklärte, die Krise der Windbranche in Brandenburg werde immer dramatischer. Die Entscheidung von Vestas könne „niemanden überraschen, der die Energiepolitik im Land Brandenburg verfolgt hat“, sagte der Landesvorsitzende Jan Hinrich Glahr. „Es ging in den letzten Jahren immer nur darum, wie man den Ausbau der Windenergie bremsen kann. Dieser politische Verhinderungswettlauf muss dringend beendet werden, wenn Brandenburg Energieland bleiben will.“

Glahr appelliere an SPD, CDU und Grünen, in ihren Koalitionsverhandlungen „klare Rahmenbedingungen für den Ausbau der Windenergie in Brandenburg zu schaffen“. Andernfalls seien noch mehr Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft in Gefahr. Eine Sprecherin von Landeswirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) äußerte „großes Bedauern“ über die Entscheidung von Vestas. „Wo immer wir können, werden wir das Unternehmen unterstützen.“

Linken-Fraktionschef Sebastian Walter sprach von „einem schweren Schlag für den notwendigen Strukturwandel in der Lausitz“. Er forderte, die Rahmenbedingungen für den Ausbau der regenerativen Energien auf Bundesebene schnell zu verbessern. So müssten Kommunen mit Windrädern „in die Lage versetzt werden, sich mit preiswertem regenerativen Strom vor Ort zu versorgen“.

Der Ausbau der Windkraft an Land war im ersten Halbjahr in Deutschland fast zum Erliegen gekommen, auch in Brandenburg. Dort wurden in diesem Jahr bislang nur acht neue Windräder aufgestellt. 2016, im Jahr des größten Zubaus, gingen in Brandenburg 204 Windräder neu ans Netz, 2018 waren es noch 88 Anlagen gewesen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte deswegen bereits Ende August Alarm geschlagen: „Mit diesem Tempo kann die Bundesregierung ihre selbstgesteckten Ziele beim Klimaschutz und bei erneuerbaren Energien nicht erreichen“, kritisierte DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Er forderte die Bundesregierung auf, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.

 

Von Thorsten Keller

Wem gehört ein ausgebüxtes Känguru in der Lausitz? Das fragt die sächsische Polizei. Mit Blasrohr, Narkosepfeil und Kescher wurde das Tier eingefangen.

30.07.2019

In Calau ist ein 66 Jahre alter Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Er war zuvor auf seinem Traktor ohnmächtig geworden.

14.07.2019

Brandenburger Landwirte stemmen sich mit neuen Ideen gegen den Klimawandel. Der Bauer Thomas Domin aus Peickwitz geht dabei einen ungewöhnlichen Weg.

05.07.2019