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Oder-Spree Die DDR lebt weiter – in einer Sammlung in Brandenburg
Lokales Oder-Spree Die DDR lebt weiter – in einer Sammlung in Brandenburg
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09:47 07.10.2019
Günter Wehr, Vorsitzender der IFA-Freunde Trebus, steht in einer Halle voller Fahrzeuge aus DDR-Zeiten. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Eisenhüttenstadt

Der DDR-Alltag ist 30 Jahre nach dem Mauerfall längst nicht vergessen. Nicht nur Sammler und Museen erinnern mit allerlei Gebrauchsgegenständen daran. „Es ist erstaunlich, dass Dinge wie Haushaltsgeräte oder Geschirr aus der DDR noch immer bei den Leuten in Gebrauch sind“, erzählt Axel Drieschner, Kurator im Dokumentationszentrum für DDR-Alltagskultur in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree). Die würden als Besucher des Zentrums staunen, bestimmte Objekte, die sie aus dem eigenen Küchenschrank kennen, in einer Ausstellung wiederzufinden.

Mit viel Liebe zum Detail hat der Verein IFA-Freunde Trebus die DDR auf 14.000 Quadratmetern museal aufbereitet

Wer als Ortsunkundiger durch den Ort Trebus (Oder-Spree) kommt, traut seinen Augen kaum. „HO Kaufhalle“ steht an einem großen mehrstöckigen Gebäude in der typischen DDR-Leuchtreklame von vor über 30 Jahren. Wer neugierig wird und nähertritt, entdeckt einen Zeitungskiosk. In dem altmodisch wirkenden Holzhäuschen sind vergilbte Publikationen aus DDR-Zeiten zu entdecken: die SED-Zeitung „Neues Deutschland“ oder die Rätselzeitung „Troll“. Hohen Wiedererkennungswert hat auch eine originale gelb-rote „Minol“-Tankstelle.

Auch ein Kiosk und eine Telefonzelle aus DDR-Zeiten gehören zur Ausstellung der IFA-Freunde Trebus. Quelle: Patrick Pleul/dpa

Mit viel Liebe zum Detail hat der Verein IFA-Freunde Trebus auf 14.000 Quadratmetern hunderte Fahrzeuge, ein Lehrkabinett mit Trabant-Fahrtrainer, eine Gemeindeschwester-Krankenstation, Raritäten wie den letzten Zigarettenautomaten, einen voll ausgestatteten Rundfunk-Übertragungswagen oder die Originalbestuhlung des Plenarsaals aus dem abgerissenen Palast der Republik in Berlin ausgestellt.

Es gibt sie noch, die „Kaufhalle“ (Ost)

„Es gibt Besucher, die wissen exakt noch die Benzin-Preise von damals“, erzählt Vereinsvorsitzender Günter Wehr, während er die Tore der „Kaufhalle“ aufschließt. Dass es im Innern einen Konsum mit Original-Inventar und klassischer Produktpalette aus DDR-Zeiten gibt, überrascht kaum. Doch er ist nur ein Detail in einer schier unerschöpflichen Sammlung an DDR-Alltagsgegenständen, die die 30 Vereinsmitglieder über die Jahre zusammengetragen haben. „Wir machen hier mindestens 30 Führungen pro Jahr und die dauern schon zwei, drei Stunden“, sagt der hauptberufliche Fahrlehrer. Begonnen hat das Sammeln bei Wehr mit einem IFA-Laster W 50.

Auch alte DDR-Fernseher sind in Trebus zu sehen. Quelle: Patrick Pleul/dpa

Selbst diejenigen, die in der DDR aufgewachsen sind, entdeckten Stücke, die sie so gar nicht kannten, sagt Wehr und zeigt auf eine Schrankbadewanne zum Hochklappen, gedacht für beengte Badezimmer. Ihm ist bei der Begeisterung für die Sammlung aber auch eine gewisse Verbitterung anzumerken: Der 30. Jahrestag des Mauerfalls sei im Verein kein Thema, sagt Wehr. Errungenschaften wie kostenlose Kitas oder Schul-Unterricht in der Produktion seien nach dem Ende der DDR zunächst verdammt worden und würden jetzt quasi „neu erfunden“, meint der Trebuser.

An Besucher, die den untergegangenen deutschen Staat aus eigenem Erleben kennen, richtet sich die Trebuser Sammlung vornehmlich. Nostalgie sei aber nicht das Motiv für das Engagement des Vereins, sagt der 64 Jahre alte Vereinsvorsitzende und spricht eher von Geschichtsbewusstsein. „Jede geschichtliche Epoche hat ein Museum, warum dann nicht auch die 40 Jahre DDR?“

Schwerpunkt liegt auf dem Alltagsleben

Das bestätigt Historiker Stefan Wolle. Der wissenschaftliche Leiter des Berliner DDR-Museums sieht die Sache aber differenzierter. „Wir zeigen unsere Objekte nicht unkommentiert, sondern bauen sie in ihre Umgebung ein. Unser Schwerpunkt liegt auf dem Alltagsleben, aber wir stellen es in das politische und ökonomische Umfeld“, macht er deutlich. Zu den Erinnerungen gehöre auch, dass man auf ein Auto habe bis zu 16 Jahre warten müssen, dass die Ersatzteilbeschaffung schwer war, ganz zu schweigen von einem Werkstatttermin, sagt Wolle.

Wohnwagen „Friedel“ und weitere Camping-Utensilien aus DDR-Zeiten Quelle: Patrick Pleul/dpa

Bei aller Erinnerung ist nach Ansicht von Drieschner wichtig, die Geschichte möglichst objektiv aufzuarbeiten und die DDR-Vergangenheit kritisch zu beleuchten. „Reine Sammler machen das nicht“, sagt der Kurator. Dem Verein IFA-Freunde Trebus bescheinigt der Wissenschaftler allerdings einen „bewundernswerten Sachverstand“. Schon mehrfach habe sich das Dokumentationszentrum für Ausstellungsprojekte dort Exponate geliehen.

Von Jeanette Bederke

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