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Ostprignitz-Ruppin 12-Stunden-Schicht für 2 Fahrgäste
Lokales Ostprignitz-Ruppin 12-Stunden-Schicht für 2 Fahrgäste
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13:50 27.12.2014
Seit 1887 am Netz: Der Bahnhof in Bölzke bietet eine gute Verkehrsanbindung, sofern Züge fahren. Quelle: Christamaria Ruch
Bölzke

Wie in einem Dornröschenschlaf scheint der Bahnhof in Bölzke (Stadt Pritzwalk) vor sich hin zu dämmern. Weit und breit bestimmt die Prignitzer Landschaft das Umfeld. Gut 15 Minuten Fußmarsch trennen die Verkehrsader vom Dorf Bölzke. Im Stellwerk als Herzstück vom Bahnhof pulsiert jedoch nach wie vor Leben. Auch wenn das seit Jahren auf Sparflamme läuft. Denn täglich legen dort nur noch jeweils zwei Zugpaare im Personennahverkehr einen Zwischenstopp ein. Der Bahnhof befindet sich an der Bahnstrecke zwischen Neustadt, Pritzwalk und Meyenburg.

Sabine Schönhardt ist seit 1976 Betriebs- und Verkehrseisenbahnerin und schiebt dort im Wechsel mit zwei Kollegen Tagdienst über zwölf Stunden. Das Stellwerk und der angeschlossene Dienstraum kennt sie wie ihre Westentasche – vor 20 Jahren begann sie dort ihren Dienst. Damals nutzten täglich 15 bis 20 Fahrgäste die Bahn – heute sind es nur noch zwei bis drei. "Aber am Wochenende kommen Berliner oft mit der Bahn, um zu ihren Zweitwohnsitzen zu gelangen." Nebenbei pendelt Sabine Schönhardt je nach Dienstplan auch zu anderen Bahnhöfen. Von Bölzke aus ist sie auch für die Reinigung des Bahnhaltepunktes in Sarnow zuständig. "Bölzke ist mein Lieblingsbahnhof, auch wegen der guten Anbindung nach Berlin", bekennt die 56-Jährige. Der Charme des alten Gebäudes nahm sie von Beginn an gefangen: "Der Bahnhof hat einfach etwas." Auch viele Eisenbahnfans wissen um die besondere Ausstrahlung. "Oft stellen Fotografen hier eine Leiter auf und warten auf ein gutes Fotomotiv, wenn der Zug einfährt."

Sabine Schönhardt steuert seit 20 Jahren den Bahnverkehr. Quelle: Christamaria Ruch

Zum Bahnhof gehören das Empfangsgebäude mit Stellwerk, Büro und Wohnung in der oberen Etage, das Toilettenhäuschen sowie der gepflasterte Zufahrtsweg und Vorplatz. Im August 2009 wurde das Ensemble in die Denkmalliste des Landes aufgenommen. Der Zugang zum Obergeschoss des Empfangsgebäudes erfolgt über eine gewendete Holztreppe. Holzdielenböden sind erhalten. Das Gebäude ist vollständig unterkellert und die Kellerdecke als preußisches Kappengewölbe ausgeführt. Der in gelber Farbe gehaltene Sichtziegelbau verfügt über einen Feldsteinsockel. Die dunkel abgesetzte Ziegelbänderung im Erdgeschoss sowie die regelmäßig gereihten, dunklen Ziegelbinder im Obergeschoss fallen sofort ins Auge. Sie sind Beweis für eine einprägsame Ziegelarchitektur.

Wirtschaftliche Lebensader

  • Der Bahnhof in Bölzke ist Bestandteil der Eisenbahnstrecke, die seit 1887 von Neustadt über Pritzwalk nach Meyenburg führt. Zugleich entstand sie im Zusammenhang mit der 1885 eröffneten Strecke von Wittstock nach Wittenberge.
  • Bauherr war die Preußische Staatsbahn unter Aufsicht der Königlichen Eisenbahndirektion Hamburg-Altona.
  • Die Bahnstrecke von Meyenburg nach Neustadt entstand auch aus strategischen Gründen, da die Tuchfabriken in Pritzwalk mit ihren Produkten das Militär belieferten.
  • 1887 erfolgte der weitere Anschluss an die Strecke Güstrow über Plau nach Meyenburg. Dadurch stand auch Bölzke mit allen Wirtschafts- und Handelszentren bis zur Ostsee in Verbindung.
  • Der Bahnhof in Bölzke ist bis heute geschichtlicher Zeuge für den wirtschaftlichen Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts in der Prignitz.

Trotz der Abgeschiedenheit kennt Sabine Schönhardt keine Angst. Besonders im Frühjahr und Sommer erlebt sie morgens bei Dienstbeginn gegen halb sechs, wie die Natur erwacht. Auch das Wild scheint zu akzeptieren, dass sie dort auftaucht. "Hirsche und Rehe sehe ich öfters." Erst vor gut zwei Monaten empfing sie morgens ein buchstäblicher Platzhirsch mitten auf dem Bahnsteig. Auch Fuchs und Hase sagen sich in Bölzke gute Nacht.

Das Stellwerk ist bis auf geringfügige Änderungen bauzeitlich erhalten. Zu den technischen Anlagen gehört etwa eine Signalanlage der Vereinigten Eisenbahn-Signalwerke, Werk Braunschweig, aus dem Jahre 1938. "Das ist alles eher robust, während auf anderen Bahnhöfen alles elektronisch auf Knopfdruck erfolgt", so Sabine Schönhardt. Über blaue und rote Hebel bringt sie Weichen und Signale in eine neue Position. "Das ist eine körperlich schwere Arbeit, wenn ich die Weichen lege und Signale ziehe." Zum Beweis legt sie den Hebel um und stemmt dabei mit beiden Armen die Technik. "Ich brauche kein Fitnessstudio, aber Massagen für die Schulter."

Das Stellwerk arbeitet mit sogenannter Abhängigkeit. Erst wenn die Schranke geschlossen ist, werden die Weichen gelegt und dann darf der Zug einfahren. Im Büro bestimmt noch DDR-Standard das Bild. Das Streckentelefon im XXL-Format scheint wie aus der Zeit gefallen. Über eine Kurbel setzt Sabine Schönhardt die Verbindung nach Blumenthal in Gang. Hinter einem braunen Vorhang mit dem Aufdruck DR für Deutsche Reichsbahn befindet sich noch immer das Fenster zur Schalterhalle. "Bis 1995 oder 1996 haben wir hier Fahrkarten verkauft, damals war die Deutsche Bahn noch mein Arbeitgeber", so Sabine Schönhardt. Mittlerweile ist sie bei der Regio Infra Nordost GmbH mit Sitz in Putlitz angestellt. "Das Bahnhofsgebäude ist alt, aber strahlt einfach Atmosphäre aus", sagt sie.

Von Christamaria Ruch

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