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Ostprignitz-Ruppin 20 Jahre Großgemeinde
Lokales Ostprignitz-Ruppin 20 Jahre Großgemeinde
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00:19 07.08.2017
6. August 1997: Die Großgemeinde Wusterhausen ist gegründet. Die Akteure formierten sich im Standesamt zum Erinnerungsfoto. Quelle: Wolfgang Hörmann
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Wusterhausen

Feierlich wie bei einer Trauung“. So titelte die „Märkische Allgemeine“ am 8. August 1997 ihren Beitrag über ein Ereignis zwei Tage zuvor im Standesamt von Wusterhausen. Wo sich sonst Paare vermählen lassen, gaben sich Vertreter von 14 Kommunen und Ortsteilen des Amtes mit ihren Unterschriften symbolisch das Ja-Wort zur Gründung der Großgemeinde Wusterhausen. Fortan existierten Bantikow, Blankenberg, Brunn, Emilienhof, Ganzer, Gartow, Kantow, Lögow, Schönberg Sechzehneichen, Tornow, Tramnitz, Wulkow und Wusterhausen als gleichberechtigte Ortsteile, wobei die Stadt dem neuen kommunalen Gebilde den Namen gab. Das Rathaus am Markt wurde für alle der Verwaltungssitz. Im Vertrag über den Zusammenschluss ist festgeschrieben: „Die öffentlichen Einrichtungen der neuen Gemeinde stehen den Einwohnern aller ehemaligen Gemeinden im Rahmen der geltenden Bestimmungen in gleicher Weise zur Verfügung.“

14 Kommunen schlossen sich zusammen

Die Großgemeinde folgte auf das Amtsmodell, das seit 1993 mit eigenständigen Kommunen existiert hatte – die allerdings mit gänzlich unterschiedlichen Voraussetzungen. „Allerorten war man auch in unserer Region nach der politischen Wende mit großen Erwartungshaltungen in eine neue Zeit gestartet. Jedes Dorf wollte für seine Bewohner viel erreichen. Allerdings waren alle finanziell unterschiedlich aufgestellt“, erinnert sich der eigentliche Macher der damaligen Reform. Amtsdirektor Peter Wollert hatte vehement für das neue Verwaltungsmodell geworben, das vom Innenministerium des Landes deutlich favorisiert wurde. Und nicht nur mit Appellen. Potsdam unterstützte freiwillige Zusammenschlüsse mit Prämien. Das Wort „Kopfgeld“ machte schnell die Runde. Dessen Höhe richtete sich nach der jeweiligen Einwohnerzahl. „Es gab damals aus meiner Sicht zwei wichtige Vorzüge, die für das Miteinander unter einem Dach sprachen. Das war zum einen natürlich das Geld, das den neuen Ortsteilen zugute kam, hier für Investitionen, da, um Verbindlichkeiten zu tilgen. Die Zuwendungen vom Land ließen uns zudem besser an Fördermittel gelangen. ‚Gebündelt’ aufzutreten bedeutete, dass auf die Bürger bei Investitionen die Eigenanteile kleiner wurden.

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Das Rathaus Wusterhausen wurde für alle der Verwaltungssitz

Für die weitere Arbeit erwies es sich auch verwaltungstechnisch als vorteilhaft, nur noch nach einem Haushaltsplan arbeiten zu können“, so Wollert. Er, der seinen Posten als Amtsdirektor quasi aus freien Stücken aufgab, um sich später als Kandidat für die Stelle des Bürgermeisters zu bewerben, wurde in den Monaten vor Bürgerentscheiden über den Beitritt zur Großgemeinde nicht müde, dafür die Werbetrommel zu rühren. Er versuchte, manchmal Abend für Abend, die Vorzüge des neuen Modells zu erläutern, Nachteile zu entkräften. Denn die gab es natürlich auch. Größte Befürchtung: Wir geben unsere Eigenständigkeit auf, haben keinen eigenen Bürgermeister, keine Gemeindevertreter mehr. Es kann über unseren Kopf hinweg entschieden werden. Gegenargumente waren: Was könnt Ihr bewegen ohne Geld in der Kasse? Und: Die Beitrittsbedingungen sind attraktiv. Was ist, wenn Zusammenschlüsse ohne finanziellen Anreiz irgendwann per Gesetz „verordnet“ werden? Der Überzeugungsmarathon war letztlich vielfach erfolgreich, auch, weil der Vertrag, der dann am 6. August 1997 unterzeichnet wurde, klare Aussagen enthielt. So sollten die Hebesätze der Realsteuer für die Dauer von fünf Jahren unverändert auf der 97er Höhe bleiben. Und: im Haushaltplan der Großgemeinde würde über 10 Jahre die Verwendung des „Kopfgeldes“ im jeweiligen Ortsteil mit dem „Kopfgeld“ ausgewiesen.

Peter Wollert trieb die Großgemeinde voran. Quelle: Wolfgang Hörmann

Peter Wollert wurde 1998 einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Er blieb es bis 2006. Bei der Verabschiedung wurde ihm mit der Auszeichnung als „Ehrenbürgermeister“ eine bisher einmalige Ehrung zuteil. Gewürdigt wurde damit sein hartnäckiges, mit Verhandlungsgeschick gepaartes Wirken an der Spitze einer „hervorragenden Mannschaft“, so der 75-Jährige heute. Die Gründung der Großgemeinde hält der Bantikower für einen wichtigen und „damals notwendigen“ Schritt.

Von Wolfgang Hörmann