32-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Neuruppin.
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Ostprignitz-Ruppin 32-Jähriger schlug Zimmernachbarn fast tot
Lokales Ostprignitz-Ruppin 32-Jähriger schlug Zimmernachbarn fast tot
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14:19 25.03.2020
Vor dem Landgericht Neuruppin muss sich derzeit ein 32-Jähriger wegen versuchten Totschlags verantworten. Quelle: Henry Mundt
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Neuruppin

„So etwas habe ich in meinem 30-jährigen Berufsleben als Polizist noch nie gesehen“, sagte ein Beamter. Damit meinte er den Anblick, den Peter R. bot, als er ihn im Bad fand – blutüberströmt, das Gesicht verschoben.

Angeklagter rief selbst die Polizei

Der Beamte und sein Kollege waren am 16. August vergangenen Jahres zu einem Einsatz in die Obdachlosenunterkunft in Groß Pankow gerufen worden. Von Marcel E., der ihnen bei ihrem Eintreffen mitteilte, dass er seinen Zimmernachbarn Peter R. zusammengeschlagen habe. Marcel E. wirkte nicht betroffen, so ein Beamter. Er äußerte sich unbeteiligt, war kooperativ und zeigte keine Gegenwehr. „Er war die Ruhe in Person.“

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Unter anderem wegen versuchten Totschlags muss sich Marcel E. seit Mittwoch vor der ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Neuruppin verantworten. Zurzeit ist der gebürtige Rathenower in einem psychiatrischen Krankenhaus einstweilig untergebracht.

Angeklagter zeigte sich geständig

Der 32-Jährige gab, wie zuvor bei der Polizei, zu, seinen Mitbewohner in jener Nacht krankenhausreif geschlagen zu haben. Was ihn dazu getrieben hat, konnte er nicht so richtig sagen. Offenbar hatte sich seit Tagen Wut in ihm angestaut, über nächtliche Partys mit viel Alkohol, die sein Zimmernachbar mit anderen Heimbewohnern in ihrem gemeinsamen Zimmer veranstaltete.

Bei der Polizei hatte Marcel E. einen anderen Grund für seinen Gewaltausbruch genannt. Demnach sei es im Heim vermehrt zu Diebstählen gekommen. Und die anderen Bewohner würden über ihn, der erst kurz zuvor eingezogen war, herziehen, wenn sie getrunken hätten.

Mit Fäusten und Gegenständen auf den im Bett liegenden Mitbewohner eingeschlagen

In der Tatnacht eskalierte es: Peter R. lag bereits im Bett, als Marcel E. auf ihn einschlug. Mindestens zehn Mal mit Fäusten, so lange, bis ihm nach eigenen Angaben die Hände weh taten. Dann soll er einen Holzstuhl genommen und mindestens zwei Mal gegen den Kopf seines Opfers geschlagen, einen hölzernen Kerzenständer und eine Tasse in seine Richtung geworfen haben.

Das schilderte der Angeklagte anders. Ihm zufolge hatte sich Peter R. den Stuhl gegriffen, um sich damit zu verteidigen. Dazu sei er gar nicht in der Lage gewesen, hatte Peter R. gegenüber der Polizei ausgesagt. Der verletzte Mann schaffte es, aus dem Bett zu kommen, fiel dann zu Boden, wo der Angeklagte ihn noch trat. Es gelang Peter R., ins Bad zu flüchten – schwer verletzt.

„Dass es so doll eskaliert ist, dazu kann ich nichts sagen“, so der Angeklagte. Im Nachhinein sehe er ein, dass es so nicht hätte laufen dürfen. „Ich hätte mich zusammenreißen müssen.“

Eigentlich sollte Peter R. am Mittwoch als Zeuge gehört werden. Doch er war weder transport- noch vernehmungsfähig, wie dem Gericht mitgeteilt wurde.

Aus Angst vor dem Angeklagten, dem er im Gerichtssaal hätte gegenübertreten müssen, hatte er sich wohl mehr als ein bisschen Mut angetrunken. Nun soll er am Montag aussagen.

Unkontrollierte Gewaltausbrüche

Marcel E. werden noch weitere Straftaten zur Last gelegt. So soll er im August 2018 in Pritzwalk morgens eine sehbehinderte Frau mit Anlauf und beiden Händen in den Rücken geschubst haben, einen anderen Passanten getreten und nach einem anderen Unbeteiligten einen Ziegelstein geworfen haben, der diesen nur knapp verfehlte. „Ich weiß nicht, was da mit mir los war. Ich hatte einen schlechten Tag“, sagte der Angeklagte.

Den hatte er wohl auch einen Monat zuvor, als er einen Geldautomaten einer Sparkassenfiliale in Pritz­walk demolierte. Auch dafür hatte er keine Erklärung.

Die Verhandlung wird am Montag, 30. März, fortgesetzt.

Von Dagmar Simons