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Ostprignitz-Ruppin Aktive Biber im Naturpark
Lokales Ostprignitz-Ruppin Aktive Biber im Naturpark
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02:16 29.03.2018
Am 5. Mai 2017 fand in Menz die 8. Tomatenpflanzenbörse statt. Hier konnten Hobbygärtner historische Tomatenpflanzen erwerben. Quelle: Cornelia Felsch
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Menz

Die Kyritz-Ruppiner Heide mausert sich immer mehr zum Besuchermagnet. Kremserfahrten, Nordic-Walking-Touren und Wolfswanderungen haben in der vergangenen Saison rund 1500 Besucher angelockt. „Durch den geplanten Naturbeobachtungsturm, der, wenn alles glatt geht, noch in diesem Jahr fertig gestellt werden soll, kann die 12 000 Hektar große Fläche noch erlebbarer für die Gäste gemacht werden“, sagt der Leiter des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land, Mario Schrumpf. „Die Großräumigkeit wird dann noch viel besser wahrnehmbar sein.“

Die Teamleiter – Anke Rudnik, Gebietsleiterin der Naturwacht, Wolfgang Henkel, Vorsitzender des Fördervereins Naturlandschaft Stechlin und Jeanette Lehmann vom Naturparkhaus – zogen zu Beginn des Jahres Bilanz und stellten fest, dass das Jahr 2017 für den Naturpark Stechlin-Ruppiner Land und seine Partner durchaus erfolgreich war. So betreuten die Natur- und Landschaftsführer im vergangenen Jahr 12 200 Gäste, 700 Besucher mehr als im Jahr 2016. Allerdings bremsten die Naturgewalten auch das Geschehen im Naturpark. Durch die Sturmschäden mussten Waldwege und auch der Rhin teilweise gesperrt werden. Ein Brand, der Ende April in der Jugendherberge Prebelow ausbrach, sorgte dafür, dass weniger Besucher betreut werden konnten.

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Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (r.) besuchte auf der Grünen Woche in diesem Jahr den Stand des Naturparks. Quelle: Heiko Strobel

Das Naturparkhaus begrüßte im Jahr 2017 rund 7800 Gäste. Etwa 600 Gäste mehr als im Jahr zuvor. Betrieben wird es ganzjährig vom Förderverein „Naturlandschaft Stechlin und Menzer Heide“. Er sorgt nicht nur dafür, dass kompetente Mitarbeiter vor Ort sind, sondern organisiert auch die Tomatenbörse und verschiedene thematische Veranstaltungen zur Umweltbildung. Derzeit sind es drei Mitarbeiterinnen sowie ein junger Mann, der dort bis zum kommenden August sein Freiwilliges Ökologisches Jahr ableistet. Seit über 20 Jahren sorgt der Verein damit für mehrere Arbeitsplätze in der Gemeinde. Allerdings bringt das auch Probleme mit sich. „Unsere Beschäftigten werden über die verschiedensten Projekte bezahlt, für die wir auch einen Eigenanteil erbringen müssen“, sagt Wolfgang Henkel. Um Löhne und Krankenversicherung für die Beschäftigten zu bezahlen, muss der Verein in Vorkasse gehen und kann dann erst die verauslagten Gelder beantragen. Das säumige Bearbeiten der Anträge durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg führte im vergangenen Jahr dazu, dass der Verein die Löhne nicht ordnungsgemäß auszahlen konnte und bei den Kassen und dem Finanzamt Stundung beantragen musste. „So ein kleiner Verein kommt dann schnell an seine Grenzen“, sagt der Vorsitzende. „Es ist schon ein unhaltbarer Zustand, dass wir uns immer am Strohhalm entlang hangeln müssen. Wir können froh sein, dass uns die Gemeinde immer noch sehr gut unterstützt.“

2017 war ein erfolgreiches Jahr für den Naturpark Stechlin-Ruppin

Die Probleme der Naturwacht sind eher tierischer Art. Die Zahl der Amphibien-Bestände sind rückläufig. Dafür breitet sich der Biber im Naturpark rasant aus. „Nicht einmal vor der Kultur macht er halt“, sagt Anke Rudnik. „Auch im Rheinsberger Schlosspark ist er aktiv und hat die Wiesen unter Wasser gesetzt. “ Der Einbau von Drainagerohren mit einem Verstopfungsschutz hat sich allerdings bewährt, auch im Schlosspark.

Die Untersuchung der Fischartengemeinschaften war für die Mitarbeiter der Naturwacht im vergangenen Jahr ebenfalls ein großes Thema. Gemeinsam mit der Unteren Fischereibehörde untersuchten sie die Bestände in drei Seen. „Ein Problem sind die Weißfischbestände. Sie in die Tierkörperbeseitigungsanlage zu bringen, damit haben wir ein Problem.“ Immerhin sind die Tierparks und auch private Tierhalter noch emsige Abnehmer.

Die Arbeit mit Kindern ist ein Beitrag zur Umweltbildung

Neben den Rangertouren steht die Arbeit mit Kindergruppen bei den Rangern besonders hoch im Kurs. So wurde die Lindower Kita Kinderland zur ersten Naturpark-Kita Brandenburgs ernannt. Alle 14 Tage findet in der Kindertagesstätte ein Naturtag für die ältesten Kindergruppen statt. Dann kommen die Ranger von der Banzendorfer Naturwacht-Station am Vormittag nach Lindow. Ein Kooperationsvertrag zwischen dem Amt Lindow und dem Naturpark Stechlin-Ruppiner Land macht dies möglich. Der Naturpark unterstützt dieses Projekt auch finanziell mit jährlich 500 Euro. „Umweltbildung ist uns ganz wichtig“, sagt Mario Schrumpf. Für ihn wird die Vergabe des Titels an die Menzer Kita Schneckenhäuschen in diesem Jahr ein Höhepunkt sein.

Der Vertragsnaturschutz wird auch in diesem Jahr wieder eine große Rolle spielen. Derzeit hat der Naturpark 37 Vereinbarungen mit Betrieben, Einzelpersonen und Vereinen abgeschlossen. Sie kümmern sich unter anderem um die Beweidung mit Schafen, um die Handmahd auf Orchideenflächen und in sensiblen Biotopen um Kopfweidenpflege und Extensivbeweidung.

Von Cornelia Felsch