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Ostprignitz-Ruppin Allein in der Wildnis
Lokales Ostprignitz-Ruppin Allein in der Wildnis
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17:16 24.10.2014
Quelle: MAZ
Schönhagen

Manchmal passen die Klischees einfach nicht. Gefragt, ob der Grund für die Reise, über die Helge Lemke am 31. Oktober im Pritzwalker Ortsteil Schönhagen berichten will, für ihn die Erfüllung eines Traumes war, sagt er: "Nein, das ist es nicht." Es war anders: Helge Lemke war Ende 2009 so schwer krebskrank, dass keiner mehr mit seiner Genesung rechnete. "Für viele war ich schon nicht mehr da", beschreibt er die Situation. Nach der letzten Chemotherapie fasste er den Entschluss, die Reise anzutreten, um wirklich eine Weile "nicht mehr da" zu sein. Und - was niemand vorhersehen konnte - gesund zurückzukommen. Natürlich hatte er mit genau dieser Reise schon vorher geliebäugelt. Angesichts der Umstände konnte er sie jedoch nicht wirklich vorbereiten. Sein Wohnmobil schickte er im Februar 2010 vorab auf Reisen. Er selbst musste sich wegen E15 noch eine Weile gedulden. E15 ist die US-Bezeichnung für den isländischen Vulkan Eyjafjalla jökull, der nach einem Ausbruch den Flugverkehr zusammenbrechen ließ - E plus 15 weitere Buchstaben. Es sprudelt aus Helge Lemke heraus, wenn er über die dann folgenden sechs Monate redet. Von Baltimore aus, wo er sein Wohnmobil wieder in Empfang nahm, fuhr er 38.000 Kilometer quer durch die USA und Kanada bis nach Alaska, machte dabei Entdeckungen wie den 1800 Kilometer langen Parkway auf den Appalachen und erlebte allerlei Kurioses.

Er hatte noch ein zweites starkes Motiv für seine Reise. Ihn interessierte, wie heute Amerikaner empfinden, deren Vorfahren aus Deutschland eingewandert waren. Dabei hatte er spannende Begegnungen, und die Deutschlandflagge auf dem Wohnmobil hat Helge Lemke immer wieder weitergeholfen, um mit Menschen in Kontakt zu treten, wie auch das für US-Augen ungewohnte Mercedes-Wohnmobil selbst. "Die Deutschen haben oft einen besseren Ruf als die Engländer oder Spanier", hat er erfahren. Bei Indianern zum Beispiel, weil Deutsche die Einzigen gewesen seien, die sich an Verträge gehalten hätten. Aber nicht überall: In Texas zum Beispiel betonen Deutschstämmige, dass sie Texaner und keine Deutschen seien - eine Haltung, die sich wohl wegen des Zweiten Weltkriegs ausgeprägt hat.

Dann die berühmten Landschaften Arizonas: Monument Valley zum Beispiel, das nicht als Nationalpark auf den Karten verzeichnet ist - es ist Gebiet der Navajo-Indianer. Auch hier half ihm die Deutschlandflagge. Ein Einheimischer, Ray mit Namen, gab ihm eine Privatführung zu den Plätzen John Waynes und der Marlboro-Werbung. Ray hat nämlich einen deutschen Freund, wie er sagte. Als Basketballer trifft er häufig auf Dirk Nowitzki. Die Welt ist manchmal doch klein, die Geschichte aber typisch für Helge Lemke.

Dann die Stille Alaskas: Helge Lemke machte sich auf die Spuren der Goldgräber in Dawson City, fuhr auf 740 Kilometern Schotterpiste bis Inuvik, die Stadt der Inuit. Er machte Bekanntschaft mit Bären und Grauwölfen. Ein bewährter Tipp der Einheimischen zum Umgang mit Wildtieren: Was sich bewegt, ist Futter. Helge Lemke bewegte sich nicht, fotografierte Grizzlys und Büffel aus dem Auto heraus, den Fuß immer am Gaspedal, falls er doch angegriffen wird.

Zur Person

Seine Familie floh am 15. März 1953 gen Westen ‒ gerade rechtzeitig, damit sein Vater einer Verhaftung entgehen konnte. Der selbstständige Bauer war den DDR-Oberen ein Dorn im Auge.

Selbstständigkeit war fortan auch Helge Lemkes Lebensmotto. Ob im Wurst-Großwarenhandel oder in der Segelschule ‒ überall war er sein eigener Herr.

Gelebt hat Lemke dann mehr oder weniger im Großraum Hamburg. Zwischendurch verschlug es ihn auch einmal für ein Jahr nach Portugal, das er während der Nelkenrevolution 1974 wieder verließ.

Nach der Wende ließ sich die Familie Lemke ihr Grundstück in Schönhagen zurückübertragen. Doch konnte Lemkes Bruder nicht, wie ursprünglich gedacht, das Gebäude nutzen ‒ der Denkmalschutz bestand auf dem Erhalt der für heutige Verhältnisse zu niedrigen Geschosshöhen.

Die ersten Windräder in Schönhagen gehen auch auf Helge Lemkes Initiative zurück. Danach hat er fünf weitere Windparks bauen lassen ‒ eine andere Facette seiner bunten beruflichen Laufbahn.

In Schönhagen hat er seit 2006 keine Wohnung mehr, aber dennoch ist die Verbindung nie abgerissen. Für den Kulturverein des Ortes war er jetzt auch gerne bereit, einen Vortrag über seine Amerikareise vorzubereiten, den er am Freitag, 31. Oktober, ab 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus halten wird. atz

In Kanada begleitete ihn eine Weile sein Bruder. Bis zur Rückkehr in die Heimat begegnete er immer wieder Spuren deutscher Einwanderer. So in Lunenburg in der Provinz Nova Scotia, wo Auswanderer aus Lüneburg schon 1753 eine evangelisch-lutherische Kirche errichtet haben. Halifax war die letzte Station der Reise. Einen Grund, warum er seine Krankheit überwand, sieht er in der Ernährung während dieser fünf Monate. Die meiste Zeit lebte er von Lachs und Kohlgemüse. Eine andere Erklärung hat er nicht.

In den USA war Helge Lemke seither nicht mehr. Sein Reisemobil jedoch hat er noch. Und freut sich, damit auch die Weite der Prignitz immer wieder zu erkunden. Am Freitag, 31. Oktober, ist er mit vielen Bildern und Anekdoten wieder in seinem Heimatort Schönhagen und erzählt von der Reise, die eben letztlich doch traumhaft war.

Von Bernd Atzenroth

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