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Ostprignitz-Ruppin Flüchtling wünscht sich mehr Planungssicherheit
Lokales Ostprignitz-Ruppin Flüchtling wünscht sich mehr Planungssicherheit
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16:55 24.08.2018
Dizuar Haso lebt seit 2015 in Jabel. Richtig heimisch kann er sich nicht fühlen, weil er in Deutschland nur geduldet ist. Quelle: Christian Bark
Jabel

Dass Dizuar Haso erst 31 Jahre alt ist, mag man ihm im ersten Moment nicht glauben. Die grauen Haare an den Schläfen sind Relikte seines bisher bewegten Lebens, wie er sagt.

Als er 2011 in seiner Heimat Syrien zum Militär eingezogen werden sollte, traf er einen folgenschweren Entschluss. „Ich wollte nicht in den Krieg ziehen“, sagt der Kurde. Also sei er in die benachbarte Türkei geflohen. Dort hielt sich der studierte Lehrer zunächst mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Unter anderem arbeitete er „schwarz auf dem Bau“.

In der Türkei verhaftet

„Als Kurde hat man es in der Türkei aber nicht leicht“, erklärt Dizuar Haso. Bei einer Demonstration gegen die türkische Politik gegenüber den Kurden sei er verhaftet worden. „Weil ich mich auf dem Polizeirevier dumm gestellt hatte, ließen sie mich wieder frei“, berichtet er.

Dizuar Haso mag Tiere. Quelle: Christian Bark

Seine Erfahrungen in der Türkei ließen den Kurden nach Bulgarien fliehen. Dort wurde er zwar als Flüchtling anerkannt, von den Behörden aber malträtiert, wie er sagt. Nachdem er einmal aus dem dortigen Flüchtlingsheim wegen ihm nicht bekannter Gründe geschmissen worden war, habe er nicht in das Heim zurückkehren können. „Der Chef dort gab mir den Hinweis: Geh nach Germany“, sagt Dizuar Haso.

Von Bulgarien im Auto geflüchtet

Mit anderen Flüchtlingen machte er sich in einem Auto nach Deutschland auf. Dort wollte er zunächst bei einem Bekannten in Halle/Saale unterkommen. Bei der Kontrolle durch die Dresdener Polizei war Dizuar Haso der einzige, der noch seinen bulgarischen Flüchtlingspass vorzeigen konnte. „Alle anderen hatten ihre Pässe schon versteckt“, berichtet er. Über Dresden, Eisenhüttenstadt und Schönefeld sei er dann 2015 nach Wittstock gekommen.

„Ich wollte vom ersten Tag an arbeiten“, versichert der 31-Jährige. Aber ohne anerkannten Flüchtlingsstatus sei das in Deutschland nicht so einfach gewesen. Einen Deutschkurs hatte der Lehrer für Arabische, Persische und Hebräische Sprachen folglich auch nicht erhalten, weshalb er sich Deutsch mehr oder weniger selbst beibrachte. „Die B1-Prüfung habe ich aus eigener Tasche bezahlt“, sagt Dizuar Haso. Hilfe habe er über den Wohnverbund Wittstock für geflüchtete Menschen erhalten. Weil er mit seinen Wittstocker Nachbarn Probleme wegen Fremdenfeindlichkeit gehabt hätte, habe er in Jabel eine Wohnung gesucht.

Das hatte nicht geklappt, dafür lernte Dizuar Haso aber bei einer Pause nach der Wohnungssuche im Jabeler Ausflugslokal „Grüne Oase“ Gastwirtin Petra Puls kennen. „Es gab Tapas und ich fragte, warum keine kurdischen Speisen dabei waren“, erinnert sich der 31-Jährige. Damit hatte er die Gastwirtin neugierig gemacht. Über Gespräche einigten sie sich, dass Dizuar Haso ein freiwilliges soziales Jahr bei Petra Puls absolvieren und ein Zimmer im Gasthof beziehen könnte.

Den Neuen in Jabel vorsichtig beäugt

In dem kleinen Dorf habe man ihn wie jeden Dazugezogenen zunächst mal vorsichtig beäugt. Doch Dizuar freundete sich relativ schnell mit den Jabelern an. „Ich fühle mich als Jabeler und bringe mich gern ins Dorfleben ein“, so der 31-Jährige.

Gastwirtin Petra Puls bietet Dizuar Haso einen Platz innerhalb des freiwilligen sozialen Jahres. . Quelle: Christian Bark

Zuletzt hatte er bei der 600-Jahr-Feier für die Besucher gegrillt. Seit 2017 spielt er zudem im Prignitzer „Adebar-Theater“ mit. „Das ist eine Möglichkeit für mich, mein Deutsch zu verbessern“, sagt der Kurde. Im neuesten Stück der Gruppe werde er übrigens einen kurdischen Flüchtling spielen und damit ein Stück weit auf sein eigenes Schicksal hinweisen.

Bis heute hat Petra Puls es nicht bereut, den jungen Mann eingestellt zu haben. Auf dem Erlebnishof hat er so manches mit angestoßen und umgesetzt. Beispielsweise den Bau von Vogelvolieren. Außerdem kümmert sich Dizuar Haso aufopferungsvoll um die Hoftiere. „Meine Leidenschaft ist der Garten, seine die Tiere“, sagt Petra Puls. Sie lobt den Kurden als fleißig, kollegial und begabt im Umgang mit Kindern.

Dass er gut mit Menschen arbeiten kann, hat Dizuar Haso schon öfter als Dolmetscher und zuletzt als Hilfslehrer bewiesen. Ob bei einem Volkshochschulkurs in Wittstock oder an einer Kyritzer Grundschule, der Kurde möchte auf jeden Fall pädagogisch in Deutschland tätig sein.

Das ist auch eine der wenigen Perspektiven, die er in der Region hat, denn sein FSJ läuft maximal noch bis Oktober. Als Mitarbeiter kann Petra Puls ihn nicht anstellen, dafür sei das Lokal nicht gut genug besucht.

Als Lehrer nach Kyritz

Als Lehrer für Deutsch als Zweitsprache (DAZ) will Dizuar Haso nun an einer Kyritzer Grundschule anfangen. Die Zusage hat er schon, der Vertrag ist jedoch auf wenige Monate befristet.

Dizuar Haso (l.) grillte beim Dorffest in Jabel. Quelle: Christian Bark

„Eine unbefristete Anstellung ist bei seiner Qualifikation nicht möglich“, erklärt Harald Schmidt vom Staatlichen Schulamt in Neuruppin. Die kurze Vertragszeiträume seien oft auch dem zur Verfügung stehenden Budget geschuldet. „Wir haben aber ein besonderes Augenmerk auf Leute wie Herrn Haso gelegt“, betont der Oberschulrat. Das schließe auch Fortbildungen ein.

Sorgen macht den Kurden nicht nur die berufliche Perspektive, einher damit geht auch der nur „geduldete“ Flüchtlingsstatus. „Dizuar kann sich aufgrund seines unsicheren Status in Deutschland hier nicht finden“, sagt Petra Puls. Und auch der Kurde selbst wünscht sich mehr Zeit „zum Planen“, wie er sagt.

Von Christian Bark

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