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Amt Temnitz Fisch und Öl bei der 3. MAZ-Genießertour
Lokales Ostprignitz-Ruppin Amt Temnitz Fisch und Öl bei der 3. MAZ-Genießertour
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00:26 21.06.2019
Bei der 3. Mini-Genießertour von MAZ und der Regionalinitiative Prignitz-Ruppin ging es für elf MAZ-Leser zuerst in die Fischerei Daniels in Kunsterspring. Quelle: Regine Buddeke
Netzeband

Eigentlich lassen wir hier sonst keinen rein, sagt Klaus Daniels, Herr über tausende Fische in der Forellen- und Saiblingszucht in Kunsterspring, die er mit seinem Sohn betreibt. Aber für die Teilnehmer der Mini-Genießertour öffnet er schon einmal sein Allerheiligstes. Elf MAZ-Leser sind am Montag dabei – begleitet von Andrea Schneider von der Regionalinitiative Prignitz-Ruppin, die die Tour gemeinsam mit der MAZ initiiert hat.

Informativ und lecker: elf MAZ-Leser waren bei der 3. Mini-Genießertour der Regionalinitiative Prignitz-Ruppin und der MAZ dabei – mit Dinner im Restaurant „Clavis“ in Netzeband und Besichtigungen bei regionalen Erzeugern in Katerbow und Kunsterspring.

Es ist mittlerweile die dritte – nach Touren im Wittstocker und im Kyritzer Gebiet. Vier insgesamt pro Jahr sollen es werden. „Und weil der Zuspruch so gut ist, wollen wir es im nächsten Jahr auch weiterführen“, verspricht es Andrea Schneider.

Vorangegangen war zwei Wochen zuvor ein kuratiertes Vier-Gänge-Menü der beteiligten regionalen Erzeuger und Kommunalpolitiker im Netzebander Restaurant „Clavis“ auf den „Märkischen Höfen“, wo das regionale Menü schon einmal „vorgekostet“ wurde. Und wo am Montag die Tour auch begann. Zuerst – wie gesagt – nach Kunsterspring: dort bezieht Clavis-Chef Marco Gloede den Fisch für seine Kreationen.

Störe im Becken. Quelle: Regine Buddeke

Klaus Daniels erklärt den MAZ-Lesern kurz sein Unternehmen: Dass er nach der Wende von reiner Zucht mehr auf Verkauf und Räucherei umgestellt habe. Die Fische bezieht er von anderswo und lässt sie in seinen Becken wachsen. Die aus der Kunster gespeist werden und durch den Kreislauf bestes Wasser für die Fische bieten. „Keine Massentierhaltung und im Einklang mit der Natur“, erklärt er.

Den Beweis zieht er umgehend aus dem Ärmel. Oder eher aus dem Kescher: Da wo das Wasser aus den Becken wieder in den Kreislauf strömt, zieht er einen halben Kescher winzige Muscheln aus dem Nass. „Die haben sich da angesiedelt und filtern das Wasser. Wir haben es durch Zufall entdeckt.“ Ein glücklicher Zufall, der das Wasser um Klassen besser macht.

Mini-Muscheln in den Rohren filtern das Wasser.. Quelle: Regine Buddeke

Die Gäste drängen sich zwischen den Becken, in denen sich Saiblinge und Forellen tummeln, auch ein paar Störe. „Oh, ein weißer“, staunt eine Frau. Nein, Kaviar produziere er nicht, erklärt Daniels. Es widerstrebe ihm, die Tiere nur um des Rogens willen zu töten: „Zehn Jahre alte Tiere – für ein bisschen Kaviar.“ Aber das Fleisch sei lecker – er verkaufe gerne Stör. Auch die Maränen fänden viele Liebhaber. „Aus dem Stechlin?“, fragt eine Frau, die weiß, dass Maränen tief stehen. „Nein, Wummsee“, erfährt sie.

Seine Saiblinge liebt Daniels ebenfalls und erklärt den Unterschied zwischen See-, Bach- und Elsääser Saibling: letzterer eine Kreuzung aus ersteren. „Die Elsässer Mönche wollten winters feineren Fisch von noch ungelaichten Tieren“, geht er ins Detail. Er beantwortet die viel Fragen der Besucher: Pro Becken schwimmen rund 400 Kilo Fisch, geräuchert wird nicht mit Buche, sondern Erle. „Das beste Holz zum Räuchern“, sagt er. Auch beim Futter setzt er auf das Beste – es kommt aus Dänemark. Und gefüttert wird nur einmal pro Tag, derzeit wegen der Hitze nur aller zwei Tage.

Eine Fischverkostung gab es auch. Quelle: Regine Buddeke

Er zeigt die Automatenanlage mir Bürsten und Wasserstrahl zum Reinigen und Schuppen der Fische. „Mein Sohn schafft 100 Kilo in ner halben Stunde“, verrät er und alles staunt. Auch darüber, dass man sterile Saiblinge bekommt, wenn man den Laich kurz schockkühlt. „Man merkt, dass Sie mit dem Herzen dabei sind“, lobt ein Besucher, als es später eine Fischverkostung mit leckerem Geräuchertem gibt.

„Jetzt hat es sich ausgezahlt, dass ich die MAZ seit 1972 lese“, sagt Wolfgang Kaps aus Pritzwalk zwischen zwei Bissen. Klaus Daniels gibt noch einen kurzen Tipp, wie man den Fisch am besten essfertig filetiert.

Dann geht es weiter nach Katerbow, wo Anke Stamer auf ihrem „Luisenhof“, einem idyllischen Vierseitgehöft, wo sie mit Mann und Töchtern seit vier Jahren lebt, einen Verkaufswagen mit mobiler Ölpresse betreibt.

„Wir wollten Bauernhof: mit Kaninchen, Schafen, Hühnern, Gänsen, Hund und Katz.“ Das habe man. Und sie habe – durch Zufall – das Ölpressen für sich entdeckt. Im Angebot sind derzeit Leinöl – Braun- und Goldsaat – Walnussöl und Hanföl. „Ohne THC“, sagt sie und schwärmt über die vielseitige Verwendbarkeit und Kraft des Hanfes.

Anke Stahmer vor ihrer Ölmühle. Quelle: Regine Buddeke

Auch wenn man bei Öl nicht wie bei Medizin sagen darf, wofür es gut ist. „Aber viele Kunden haben uns heilende Wirkung bestätigt“, sagt Anke Stamer, die derzeit gerade mit Schwarzkümmelöl experimentiert.

Ob man auch aus den Kastanien und Bucheckern, die auf dem Hof wachsen, Öl pressen könne, fragt jemand. „Mein Ölmühlenhersteller hat mir verrückte Sachen erzählt“, erklärt sie. „Aus China kam bei ihm die Anfrage, ob man Heuschrecken pressen kann.“ Die Mühlenpresse sei recht vielseitig.

Die MAZ-Leser verkosten indes lieber die gereichten Öle aus Stamers Repertoire. Die muss flugs einen Zettel mit Bestellungen aufnehmen. „Verschicken tue ich nur auf Anfrage“, erklärt sie. Verpacken und weit weg versenden decke sich nicht mit ihrem Nachhaltigkeits-Anspruch der Frische und kurzen Wege. Ihre Zutaten bezieht sie aus der Nähe, verkauft wird hauptsächlich auf Märkten, Festen und an Bioläden.

Die Stangen sind der Hanf-Presskuchen.. Quelle: Regine Buddeke

Auch rösten will sie die Kerne vorm Pressen nicht, damit so wenig wie möglich Inhaltsstoffe verloren gehen. Außer die Kürbiskerne, die müssen kurz in den Backofen. „Sonst fließt das Öl nicht raus“, sagt sie – sie hat schon viel gelernt in der kurzen Zeit.

Auch bei den Resten, die sich gerade wie braune Lakritzstangen aus der Presse scheiben, ist sie nachhaltig. „Das wird gerieben und kommt übers Müsli. Auch die Schafe seien nahezu süchtig nach dem Hanf-Presskuchen, sagt sie und lacht. Auch ohne THC. „Ist halt eine Protein-Bombe.“

Aus 5 Kilo Walnüssen – rare Ware nennt sie sie – erhält sie 1,5 Liter Öl, erklärt sie, zeigt ihre Tonflaschen, in die sie zunehmend abfüllt. Frisches Öl sei dort gut aufgehoben – nachhaltiger als in Glas.

Gemeinsam am Tisch im Restaurant "Clavis" – hinten steht Marco Gloede neben Andrea Schneider. Quelle: Regine Buddeke

Wenig später geht es wieder ins „Clavis“, wo Marco Gloede bereits mit dem Menü wartet. „Oh, da sind ja echte Tomaten in der Suppe“, lobt jemand. „Und sie kommen nicht aus Holland, sondern aus Fretzdorf“, erklärt der Chef, der „von Anfang an auf regionale Zutaten gesetzt hat“, seit er das „Clavis“ vor ein paar Jahren übernahm.

Zum regionalen Menü gehört ein Salat – schon rätseln die Teilnehmer über die Zutaten. „Vogelmiere habe ich erkannt“, sagt ein Frau. Obenauf leuchtet eine Fuchsienblüte – das grüne Dressing ist Anke Stamers Hanföl.

Später gibt es Saibling aus Kunsterspring und als Dessert ein Schoko-Walnuss-Küchlein: natürlich mit Walnusspresskuchen aus der Ölmühle. „Wir achten auf Nachhaltigkeit“, sagt Marco Gloede.

„Tolle Idee – und schmackhaft dazu“, lobt Anita Casimir aus Pritzwalk das Projekt. „Ich bewerbe mich auf jeden Fall für die nächste Tour.“ Die führt im August in das Neuruppiner Vegan-Restaurant „Wildwuchs“.

Von Regine Buddeke

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