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Amt Temnitz Neue Chancen für Leguminosen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Amt Temnitz Neue Chancen für Leguminosen
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08:48 26.10.2019
In der Nähe von Wittstock blüht ein weißes Lupinenfeld. Quelle: Foto: andreas bergmann
Vichel

Bohnen, Erbsen und Lupinen sind rar auf Brandenburgs Feldern, obwohl gerade die Lupine hier zu Hause ist. 1928 wurde in Müncheberg (Märkisch-Oderland) am damaligen Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung eine Lupine gezüchtet – eine Süßlupine, die sich als Tierfutter besonders gut eignet. Landwirte aus ganz Deutschland versorgten sich damals mit Saatgut.

Doch mittlerweile ist die Süßlupine selten auf den Äckern zu entdecken. Immer mehr Kulturarten blieben auf der Strecke, während der Mais das Geschehen in der Landwirtschaft bestimmte. Doch pflanzliches Eiweiß gewinnt in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung – Körnerleguminosen erleben gerade auf deutschen Äckern eine Renaissance. Ackerbohnen, Futtererbsen und Süßlupinen können dazu beitragen, den Sojaimport zu reduzieren und sind vielfältig verwendbar.

Leguminosenanbau ist eines der großen Projekte des Landschaftspflegeverbandes

Für den Landschaftspflegeverband Prignitz-Ruppiner Land war dies ein guter Grund, zu einer Informationsveranstaltung unter dem Titel „Chance Leguminosen“ in das Schloss nach Vichel einzuladen. Als Mitglied im Lupinennetzwerk Brandenburg ist der Verband bestrebt, Forschungsergebnisse und neue Möglichkeiten der Vermarktung weiter zu tragen.

Zum Verbandsgebiet des Landschaftspflegeverbandes gehören rund 100 000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Leguminosen sind zurzeit nur auf drei Prozent vertreten. „Wir müssen darüber nachdenken, was regional machbar ist“, sagt Andreas Bergmann, Vorsitzender des Verbands. „Der Leguminosenanbau ist eines unserer großen Projekte, das wir in Angriff genommen haben.“

Mehrere Referenten stellten auf dem Symposium Zuchtergebnisse vor, informierten über Sorten sowie deren Anbaubedingungen und gaben Vermarktungsempfehlungen.

Hülsenfrüchte sind hervorragende Protein- und Energiequellen

Heimische Hülsenfrüchte sind hervorragende Protein- und Energiequellen. Sie sind nicht nur als Tierfutter attraktiv, sondern auch für den menschlichen Speiseplan, sowie als Industrierohstoff. Jens Bojahr vom Saatzuchtbetrieb Steinach stellte die unterschiedlichen Lupinen vor. Von den weißen, gelben und blauen Lupinen hat sich vor allem die blaue Variante durchgesetzt. Die Hauptanbaugebiete der blauen Lupine sind hauptsächlich auf leichten Standorten im Osten Deutschlands zu finden.

Heidi Lehmann vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) informierte die Teilnehmer der Tagung über Anbaumöglichkeiten. Die Aussaat der Lupinen erfolgt von Mitte März bis Anfang April. Lupinen tragen zur Auflockerung der Fruchtfolge bei. Allerdings sollten wegen der Selbstunverträglichkeit Anbaupausen von mindestens vier bis fünf Jahren eingehalten werden, da es sonst zu Ertragsverlusten durch verschiedene Pilzkrankheiten kommen kann.

43 Landwirtschaftsbetriebe im Lupinen-Projekt

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war die Vermarktung, mit der sich Annett Gefrom vom Lupinen-Netzwerk seit fünf Jahren beschäftigt. Das Netzwerk ist ein Bundesländer übergreifendes Demonstrationsprojekt zum Anbau und zur Verwertung von Lupinen. Dort arbeiten zurzeit 43 Landwirtschaftsbetriebe mit, die schon länger den Wert der Lupine zu schätzen wissen und sich das Knowhow für diese anspruchsvolle Kultur angeeignet haben.

Wie viele der Teilnehmer betonte sie die Notwendigkeit, den Anbau von Leguminosen zu intensivieren. „Drei Prozent Leguminosenanteil in der Region – da ist noch deutlich Luft nach oben“, sagte sie. „Vielleicht müssen wir mit der Lupine noch ein wenig lauter werden.“ Doch sie ist sich sicher, steter Tropfen höhlt den Stein.

Luft nach oben gibt es auch beim Einsatz der Lupinen für die menschliche Ernährung. Als Proteinquelle und zur Ölgewinnung können Körnerleguminosen weltweit eingesetzt werden. Allerdings ist allen Teilnehmern an diesem Tag klar, dass die Netzwerkarbeit intensiviert werden muss.

Stammtische und Arbeitsgemeinschaften erwünscht

„Stammtische, Arbeitsgemeinschaften oder weiterführende Workshops zum Wissensaustausch wären geeignete Möglichkeiten, um dieses Thema weiter in das Bewusstsein der Menschen zu rücken“, sagt Jacob Richter vom Landschaftspflegeverband im Anschluss an die abschließende Diskussionsrunde des Symposiums.

„Wir wollen weiter Ideen sammeln, uns um Fördermöglichkeiten bemühen und Landwirtschaftsbetriebe mit ins Boot holen, um auf regionaler Ebene das Thema weiter zu verfolgen. Wir hoffen, dass es uns gelingt, viele Landwirte und weiterverarbeitende Betriebe mit ins Boot zu holen.“

Regionales Netzwerk von Landwirten, die Eiweißpflanzen anbauen

Der Wissensaustausch zum Einsatz regionaler Eiweißpflanzen ist eines von drei Projektmodulen, denen sich der Landschaftspflegeverband bei der weiteren Entwicklung von Natur- und Kulturlandschaft widmet. Beabsichtigt ist, ein regionales Netzwerk von Landwirten aufzubauen, die an Anbau und regionaler Verarbeitung der Eiweißpflanzen mitwirken und Erfahrungen weitergeben. Interessenten können sich beim Landschaftspflegeverband melden. Dort gibt es auch Informationsmaterial zum Thema.

Der Landschaftspflegeverband Prignitz-Ruppiner Land in 16909 Wittstock, Eisenbahnstraße 6, ist unter der Nummer 03394/4 19 97 47 oder per Mail unter kontakt@lpv-prignitz-ruppin.de zu erreichen.

Von Cornelia Felsch

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