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Amt Temnitz Ölmühle Katerbow eröffnet Hofladen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Amt Temnitz Ölmühle Katerbow eröffnet Hofladen
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15:47 28.04.2020
Mit ihrer mobilen Ölmühle fährt Anke Stamer zu Märkten und Festen. Auch auf ihrem Hof will sie künftig zeigen, wie frisches Leinöl entsteht. Quelle: Frauke Herweg
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Katerbow

Leinöl läuft in einem feinen Strahl, Hanföl fällt in Tropfen. Jedes Öl hat beim Pressen seinen eigenen Charakter. Anke Stamer hat viel experimentiert, um die richtigen Saaten für ihre Öle zu finden.

Seit fast zwei Jahren bereist die Katerbowerin mit ihrer mobilen Ölpresse Märkte und Feste und verkauft dort ihre Öle. Künftig will Stamer Lein-, Hanf- oder Walnussöl auch in einem Hofladen anbieten. Auf dem Vierseithof unweit der Katerbower Kirche, auf dem sie mit ihrer Familie lebt, öffnen sich die Ladentüren voraussichtlich im Juni.

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In einem ehemaligen Stallgebäude entstehen Räume, in denen das Öl gepresst und abgefüllt wird – sowie eine Küche. Quelle: Frauke Herweg

„Die Leute wollen erleben, woher etwas kommt“, sagt Stamer. Öle der 44-Jährigen sind auch im – derzeit allerdings geschlossenen – Resort Mark Brandenburg zu haben. Immer wieder hatten sich Gäste vor ihrer Abreise noch ein wenig Öl bei Stamer kaufen wollen. Das Interesse für handwerklich hergestellte Produkte sei groß, sagt Stamer. Beim Schaupressen auf ihrem Hof will sie künftig zeigen, wie aus goldgelber Saat frisches Leinöl wird.

Neben ihren Ölen will Stamer auch regionale Köstlichkeiten anbieten –Fleisch, Wurst und Käse. Ein kleines Café soll sich an den Hofladen anschließen. Unter einer Kastanie will Stamer Tische und Stühle aufbauen.

Frisches Öl aus Katerbow

Im November hatten die Arbeiten für den Hofladen begonnen. Inzwischen steht der Rohbau. Das angrenzende Stallgebäude ist bereits umgebaut. Dort sollen ein Abfüll-, ein Press- und ein Lagerraum sowie eine Küche entstehen. Vier Pressen werden dort künftig Öle produzieren.

Stamer hat viel ausprobiert, bis sie mit ihren Ölen zufrieden war. „Es ist ein richtiges Handwerk“, sagt die ehemalige Berufsschullehrerin. Saaten müssen sich fürs Pressen eignen, die Presse darf nicht zu heiß laufen – die Maschine muss richtig eingestellt sein. „Es ist eine Arbeit, die viel Sorgfalt verlangt.“

Mit dem Katzenlogo: Ölflaschen aus Katerbow. Quelle: Frauke Herweg

Besonders aufwändig ist das Kürbisöl. Stamer röstet die Kürbiskerne vier Stunden bei niedriger Hitze. Erst dann kann sie die in eine Salzlake getauchten und zerkleinerten Kerne in die Presse geben. Fünf Stunden Arbeit für einige Fläschchen Öl.

„Es ist mühsam“, sagt Stamer. Mitunter muss sie erklären, warum die aufwändig produzierten Öle teurer sind als im Supermarkt. Fans der Öle schreckt das nicht. „Wir haben unseren Absatz.“

Zwölf Jahre in der Schweiz

Die Stamers hatten zwölf Jahre in der Schweiz gelebt, bevor sie 2015 – die jüngste Tochter damals erst Wochen alt – nach Katerbow kamen. Die Schweizer Jahre seien schön gewesen, sagt Stamer. Doch die Sehnsucht nach Brandenburg sei immer geblieben. Als sich die Möglichkeit bot, in Katerbow einen Vierseithof zu kaufen, wagten die gebürtige Potsdamerin und ihr Mann den Neuanfang. „Wir haben immer einen Bauernhof gewollt.“

Eine verklärte Vorstellung vom Landleben hatten die Stamers allerdings nicht. Von Anfang an sei klar gewesen, dass die Schafe, Kaninchen und Gänse des Hofes auch Nutztiere sind, sagt Stamer. Die Gänseküken, die später eine Weihnachtsgans sein sollten, bekamen deshalb entsprechende Namen – Rotkohl und Klößchen.

Mit breiter Fensterfront: Der Rohbau für den Hofladen steht. Quelle: Frauke Herweg

„Irgendwas schönes Gastronomisches“ – mit dieser Idee waren die Stamers zunächst nach Katerbow gezogen. „Mein Mann kocht gerne, ich backe gerne“, sagt Stamer. Zum Ölpressen kam die ehemalige Berufsschullehrerin eher zufällig bei einem Familienurlaub im Spreewald.

Stamer hatte bei einer Ölmühle eigentlich nur ein Öl kaufen wollen. Doch der Besuch der Mühle begeisterte sie. Im April 2018 kaufte sie ihre erste Ölpresse. Wenige Monate später bot sie auf dem Pfalzheimer Heidefest erstmals ihre Öle an.

Katerbower Katzenlogo

Stamer war anfangs überrascht, dass ihre grünen Flaschen mit dem Katzenlogo so viel Anklang fanden. Mitunter konnte sie gar nicht so viel produzieren wie sie hätte verkaufen können. Jede Woche presste sie neues Öl – es soll so frisch wie möglich sein.

„Es ist eine Arbeit, die einen erdet“, sagt Stamer übers Ölpressen. Wer gutes Öl pressen will, muss neben Sorgfalt auch Geduld aufbringen. Bis zu eineinhalb Stunden dauert es, bis ein Liter Walnussöl entstanden ist. „Man muss die ganze Zeit dabei stehen bleiben und rühren“, sagt Stamer. Die Wirtschaftswissenschaftlerin hat sich davon nicht abschrecken lassen. „Natürlich ist es schön etwas zu machen, was andere total toll finden.“

Für frisches Öl: goldgelbe Leinsaat. Quelle: Frauke Herweg

Stamer versucht möglichst viele Rohstoffe bei Produzenten aus der Region zu kaufen. Die Hanfsaat kommt von der Müritz, die Kürbiskerne aus Beelitz. Die Herzberger Walnussmeisterei lieferte zuletzt die Früchte für das Walnussöl.

Auch nach der Eröffnung des Hofladens will Stamer weiter auf Märkte fahren. „Die Märkte sind ganz wichtig“, sagt sie. Im persönlichen Gespräch kann Stamer für ihre Öle werben. Längst hat sie ihre Stammkunden, die auch nach Katerbow kommen. „Die bringen ihre Flaschen mit zum Abfüllen.“

Weiter als bis zum nächsten Supermarkt

Für ein gutes Öl – davon geht Stamer inzwischen aus – fahren Kunden auch einen weiteren Weg als bis zum nächsten Supermarkt. „Es gibt Leute, die wollen hierher kommen“, sagt Stamer. „Wir können hier auch ein touristisches Ziel werden.“

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Von Frauke Herweg