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Amt Temnitz Neuer Gemeindepädagoge für Temnitz-Region
Lokales Ostprignitz-Ruppin Amt Temnitz Neuer Gemeindepädagoge für Temnitz-Region
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14:24 20.02.2019
Brachte auch ein paar Hühner aus Prenzlau mit: Gemeindepädagoge Steve Neumann.
Brachte auch ein paar Hühner aus Prenzlau mit: Gemeindepädagoge Steve Neumann. Quelle: Frauke Herweg
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Manker

Ehrenamtlichen-Treffen. Frauenkreis. Sitzung des Gemeindekirchenrats. Eine Beerdigung. Ein Gottesdienst. Gleich in seiner ersten Arbeitswoche jagten sich die Termine. „Ich war jeden Abend unterwegs“, sagt Steve Neumann lachend. Dabei sind noch gar nicht alle Umzugskartons ausgepackt.

Seit Monatsanfang ist der 38-Jährige der neue Gemeindepädagoge in der Gesamtkirchengemeinde Temnitz. Er folgt Pfarrerin Ann-Katrin Hamsch, die derzeit nach einer neuen Aufgabe sucht. Gemeinsam mit einem Kollegen wird Neumann die Gottesdienste in den 19 Dörfern und Kirchen der Gesamtkirchengemeinde übernehmen. Zugleich wird er Konfirmanden betreuen. Eine Aufgabe, die er sich gewünscht hat.

Freude an den großen Fragen

„Konfirmanden sind in so einer besonderen Lebensphase“, sagt Neumann. „Ich komme mit Kindern zusammen und verabschiede sie als Jugendliche.“ Neumann schätzt ihre grundsätzlichen Fragen – ihre „Werte­radikalität“, wie er es nennt. Und er weiß, dass der Abschied von den Konfirmanden nach einer Zeit intensiver Begleitung schwer fällt. „Die emotionalste Arbeit ist die Konfirmandenarbeit.“

Vor seinem Umzug nach Manker hatte Neumann neun Jahre als Gemeindepädagoge in Prenzlau gearbeitet. Auch dort engagierte er sich in der Arbeit mit jungen Leuten. Neumann reaktivierte gemeinsam mit anderen einen Keller für die Jugendarbeit. Als nach 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, verwandelte sich dieser Jugendkeller jeden Freitagnachmittag in eine Fahrradwerkstatt, in der alte und neue Prenzlauer gemeinsam schraubten. „Der ganze Hof war voll mit Gerümpel“, sagt Neumann und lacht. „Das war sehr lebendig.“

Pflicht zur Einmischung

Kirche hat für Neumann keine politischen Aufgaben. „Wenn es allerdings um Menschenfreundlichkeit und Toleranz geht, ist es unsere Pflicht, uns einzumischen.“ Gemeinsam mit anderen gründete Neumann das „Bunte Bündnis Couragiertes Prenzlau“. Das Bündnis rief nicht nur zu Gegendemos auf, wenn die Nazis in Prenzlau aufmarschierten. Es engagierte sich auch für eine Kultur des Erinnerns – im nur wenige Kilometer entfernten Potzlow, wo 2002 ein 16-Jähriger von rechtsextremen Jugendlichen ermordet worden war.

In die Gesamtkirchengemeinde Temnitz kommt Neumann, auch weil Ann-Katrin Hamsch für eine Arbeit in der Region geworben hatte. Beide kennen sich aus ihrer Vikariatszeit. Im Reform-Kirchenkreis Wittstock-Ruppin hofft Neumann auf Strukturen, die das Arbeiten in ländlichen Regionen erleichtern. „Man ist hier nicht allein, man arbeitet im Team“, sag Neumann. Anders als anderswo können Pfarrer gezielt Aufgaben übernehmen, die ihren Neigungen entsprechen. „Vorher musste ich alles machen.“

Großfamilie mit Hühnerschar

Mit Neumann kommen seine Frau und ihre gemeinsamen fünf Kinder – ein, vier, sieben, zehn und zwölf Jahre alt. Hinter dem Haus in Manker empfängt den Besucher bereits eine Bullerbü-Idylle. Aus Prenzlau hat die Familie eine Schar Hühner mitgebracht. Seit Sonntag grasen auch zwei Gotlandschafe auf der Wiese. Graue, zottige Vertreter einer alten Haustierrasse.

Als Heranwachsender hätte sich Neumann niemals vorstellen können, einmal von der Kanzel zu predigen. Als junger Mann absolvierte er zunächst eine Lehre als Frisör. Der Zivildienst in einem Evangelischen Kindergarten bestimmte schließlich seinen späteren Weg – Neumann studierte an der Evangelischen Fachhochschule in Berlin Gemeindepädagogik. Das Vikariat, die praktische Vorbereitung auf den Pfarrdienst, legten ihm andere nahe. „Plötzlich fand ich mich in Bernau auf der Kanzel wieder“, sagt Neumann. „Und es war gut und richtig.“

Von Frauke Herweg