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Amt Temnitz Wegen der Schweinepest: Aus für Temnitzer Freilandschweine
Lokales Ostprignitz-Ruppin Amt Temnitz Wegen der Schweinepest: Aus für Temnitzer Freilandschweine
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11:04 09.12.2019
Im Mai waren die ersten Temnitzer Freilandschweine auf einem Feld bei Rohrlack präsentiert worden. Nun mussten die rund 350 Tiere in den Stall. Quelle: Andreas Vogel
Rohrlack

Landwirt Elmar im Brahm (50) war gerade dabei, mit seinen Temnitzer Freilandschweinen den Markt zu erobern. Mehrere Metzgereien hatten sich bereits auf das frische Fleisch der frei lebenden Tiere eingestellt, Transporte zu Märkten in Berlin waren organisiert, auch im Neuruppiner Seehotel standen Gerichte mit dem Temnitzer Freilandschwein schon auf der Karte.

Doch das alles ist jetzt vorbei: Elmar im Brahm hat die rund 350 Tiere, die bisher in sogenannten Auslaufzelten auf einem Feld bei Rohrlack lebten und den ganzen Tag an der frischen Luft waren, in der vergangenen Woche wieder in normalen Ställen untergebracht. „Ich muss nachts noch ruhig schlafen können.“

Die Notbremse gezogen

Das war seit dem Näherrücken der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Polen kaum noch möglich. „Das Ansteckungsrisiko ist einfach zu groß, die Tiere weiter unter freiem Himmel zu halten“, so im Brahm. Deshalb habe er nach reiflicher Überlegung die Notbremse gezogen. „Es reicht, wenn eine Krähe von einem infizierten Schwein den Virus mitbringt und dann Kot über den Freilandschweinen ausscheidet.“ Einen so elenden Tod will im Brahm seinen Tieren ersparen. Denn ASP, für die es bislang kein Gegenmittel gibt, ist für Schweine tödlich, während sie für den Menschen ungefährlich ist.

Landwirt Elmar im Brahm (r.) und Amtsdirektor Thomas Kresse bei der Präsentation der Schweine in einem der Auslaufzelte. Quelle: Andreas Vogel

Dennoch fiel dem Landwirt die Entscheidung schwer. „Die Vermarktung lief gerade an.“ Für Temnitzer Freilandschweine sollte auch groß bei der Internationalen Grünen Woche am Mitte Januar in Berlin geworben. Das geht nun auch nicht mehr, bedauter Thomas Kresse, Direktor des Amtes Temnitz.

Die Schweine werden in der Prignitz geboren

Kresse hatte gemeinsam mit im Brahm Anfang Mai die ersten 300 Temnitzer Freilandschweine, die in einem Stall in Lübzow bei Perleberg (Prignitz) geboren und dann mit zwölf Wochen und einem Gewicht von etwa 25 Kilogramm nach Rohrlack gebracht werden, der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Amt Temnitz und die kreisliche Wirtschaftsfördergesellschaft REG erhofften sich durch die Tiere einen weiteren Imagegewinn für die Region, da die Freilandschweine für vier, fünf Monate in Rohrlack „gentechnikfrei“ mit Fertigfutter aufgepäppelt wurden, bevor sie zum Schlachter nach Neuruppin kamen. „Die tägliche Bewegung an der frischen Luft sorgt für den Muskelaufbau und das Sonnenlicht gibt dem Fleisch einen guten Geschmack.“

Deshalb seien auch Kunden bereit gewesen, etwas mehr Geld für Fleisch von Temnitzer Freilandschweinen zu bezahlen, so im Brahm. Deshalb wollten zwei Metzgereien in der Region sogar gänzlich auf Freilandschweine umstellen. Auch diese Pläne sind jetzt wieder vom Tisch.

Zelte, Hütten und Zaun noch nicht entsorgt

Die Idee für das Halten der Schweine ohne Stall stammt laut Elmar im Brahm, der seit 1996 in Wildberg lebt, aus England. Die Tiere behalten dabei auch ihre Ringelschwänze, weil die Schweine beim täglichen Buddeln, Suhlen und Balgen gar nicht dazu kommen, an ihren Nachbarn herumzuknabbern.

Der ältere Bruder von im Brahm hält übrigens weiter Freilandschweine. Er lebt im Ruhrgebiet bei Essen. „Dort gibt es keine Wildschweine“, sagt im Brahm. Er befürchtet zwar, dass, wenn die Schweinepest nach Deutschland kommt, es lange dauern wird, um sie wieder los zu werden.

Gleichwohl will er die Zelte, Hütten und den Zaun, die er für die Temnitzer Freilandschweine angeschafft hat, nicht sofort entsorgen, sondern erst mal nur säubern und den Winter abwarten. „Mal schauen, wie sich die Lage entwickelt.“

Bislang lebten die Tiere in solchen Auslaufzelten an der frischen Luft. Quelle: Andreas Vogel

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