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Ostprignitz-Ruppin Auf Spurensuche kurz vorm Fontanejahr
Lokales Ostprignitz-Ruppin Auf Spurensuche kurz vorm Fontanejahr
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17:51 21.03.2019
Der Burkhard Giesa beteiligt sich an der Aktion der Innenstadthändler zum Fontanejahr. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Überall in der Stadt sind die Vorbereitungen zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane im vollen Gange und teilweise auch schon sichtbar. Am 30. März startet das Jubiläumsjahr in Neuruppin, dem Hauptaustragungsort der festlichen Aktivitäten, mit großem Auftakt. Selbst der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird zur Eröffnung kommen.

Bis Jahresende finden immer wieder Feierlichkeiten, Veranstaltungen, Ausstellungen statt. Doch wie nehmen die Neuruppiner selbst das Fontanejahr wahr und daran teil? MAZ ist auf Spurensuche gegangen.

Fontane-Zeugnisse werden schick gemacht

Der Schriftzug am Fontanehaus ist seit ein paar Tagen wieder komplett, kein Buchstabe fehlt mehr, am Fontanedenkmal wird noch geackert. Die Wege werden aufgerissen, Kabel verlegt, neue Lampen installiert, damit alles noch heller und besser beleuchtet ist. Einen, der auch viel reißt und umsetzt, treffen wir ein paar Meter weiter die Karl-Marx-Straße entlang Richtung Schulplatz: Klosterhof-Inhaber Marco Leppin.

Maximilian Kowol, Elftklässler am Karl-Friedrich-Schinkel-Gymnasium in Neuruppin, kommt eigentlich aus Bayern und ist erst seit April 2018 in der Fontanestadt. Hier hat er gemeinsam mit Mitschülern die erste „Fridays For Future“-Kundgebung der Stadt organisiert, weil es ihm ein Anliegen ist, die Klimapolitik zu verändern. Er selbst ist darum so gut wie immer mit dem Fahrrad unterwegs, achtet auf saisonales Obst und Gemüse im Supermarkt und kauft sich seine Kleidung in Secondhandläden. Neben der Schule ist Kowol auch politisch aktiv. Er ist Mitglied der Grünen Jugend sowie der Partei Die Grünen und möchte nächstes Jahr sein Abitur in Neuruppin machen.  Quelle: Peter Geisler

Er sei schon seit anderthalb Jahren mit der eigenen Ausstellung zum märkischen Dichter beschäftigt, wie er betont: „Wir bauen Fontanes Arbeitszimmer nach. Es gibt ja keine Möbel mehr.“ Leppin fertigt sie an, wird dabei von Manfred Neumann vom Kornspeicher Neumühle und dem Tischler Harald Wilke unterstützt.

„Den Schreibtisch fertigen wir aus Mahagoniholz“, sagt der Klosterhof-Chef. Es sei unheimlich schwer gewesen, Abbildungen von dem Möbelstück zu bekommen. „Meist ist er nur von vorne zu sehen. Letztendlich wissen wir nun, dass der ursprüngliche Schreibtisch hinten wie ein Apothekerschrank gemacht war mit ganz vielen Schubladen.“

Ab 1. Mai eigene Fontane-Ausstellung

Warum? „Fontane war ständig auf Wanderungen, und sein Schreibtisch war das Register, wo er seine Aufzeichnungen geordnet ablegte“, erklärt Marco Leppin, der sich selber als kleinen Nostalgiker bezeichnet. „Auch eine Apotheke von 1850 stellen wir aus.“

Ab 1. Mai wird die kleine Fontanewelt im Klosterhof zu sehen sein. „Wir möchten damit alle Menschen ansprechen, die den normalen Fontane treffen wollen, um zu sehen, wie er gelebt, wo er gearbeitet hat.“

Eine Frau spaziert mit ihrem Fahrrad die Einkaufsstraße entlang, stutzt kurz und schiebt den Drahtesel ein paar Meter zurück. Es ist Ingrid Hilpert aus Alt Ruppin, die verrät: „Ich bin auf der Suche nach den gelben Kordeln.“ Quer durch die Innenstadt schlängeln sich die Aufkleber an den Schaufenstern von vielen Geschäften. Sie allem machen bei der Kampagne „Fontane200. Wir sind dabei“ mit.

Zum Auftakt des Fontanejahres am 30. März ist zudem ein langer Einkaufssamstag geplant. „An dem Tag werde ich auch durch Neuruppin schlendern“, hat sich Ingrid Hilpert vorgenommen.

Vorsatz: Fontanes Bücher lesen

Weitere Pläne im Jubiläumsjahr hat die Rentnerin noch nicht, außer ein paar von Fontanes Büchern zu lesen. „Das Programm für die Veranstaltungen habe ich mir aber schon mitgenommen. Ich weiß nur noch nicht, welche Veranstaltungen ich besuchen werde.“

Lange im Voraus geplant hatte Jörg Schäfer, den wir vor dem Modegeschäft Bruns treffen, nicht. Kurzentschlossen hatte er vergangenen Montag die Lesung in der Fontane-Buchhandlung besucht. „Meine Frau und ich wohnen eigentlich in Bielefeld, haben aber ein Haus in Neuruppin und sind regelmäßig hier. Daher wissen wir natürlich, dass ab 30. März das Jubiläumsjahr beginnt. Es steht ja auch auf den Kordeln.“

Jörg Schäfer wohnt in Bielefeld, ist aber regelmäßig in Neuruppin und folgt gelber Kordel und Veranstaltungshinweisen. Vergangenen Montag war er spontan zur Lesung von Theaterkritiken des Dichters in der Fontane-Buchhandlung. Quelle: Peter Geisler

Der Ostwestfale zeigt auf die Fensterscheibe bei Bruns und seine Frau meint: „Da muss man schon die Augen schließen, wenn man das nicht wahrnimmt.“

Per Zufall in der Lesung gewesen

Die Lesung zu Fontanes besten Theaterkritiken „Da sitzt das Scheusal wieder“ wäre reiner Zufall gewesen, gesteht ihr Mann Jörg: „Wir waren in der Buchhaltung, haben davon erfahren und uns spontan entschieden hinzugehen.“

Wissenschaftlerin Gabriele Radecke und Schauspieler Alexander Bandilla hätten es schön und witzig vorgetragen. „Fontane selber hat aber auch als Kritiker ziemlich zugeschlagen mit seinen Worten“, findet Jörg Schäfer, der viele seiner Bücher kennt und gelesen hat, unter anderem „alle Wanderungen, den Stechlin und Effi Briest“.

Neuruppin ist im Fontanefieber und viele Menschen, mit denen wir sprechen, lassen sich davon anstecken. Auch Burkhard Giesa. Der Optiker beteiligt sich mit seinem Geschäft an der Kampagne der Neuruppiner Innenstadthändler. Fürs Bild nimmt er kurzerhand den gelben Fontane auf den Arm. An den Schaufenster prangt dazu der Kordelzug.

Die gelbe Kordel in den Schaufenstern der Innenstadthändler zieht sich als gelbes Band durch die Innenstadt. Quelle: Peter Geisler

„Dieser sollte sich vom Fontanedenkmal bis zum Rheinsberger Tor ziehen. Damit Besucher es wahrnehmen“, erklärt Burkhard Giesa. So ganz ist die Rechnung nicht aufgegangen, aber immerhin mehr als 40 Händler beteiligen sich und machen die Kampagne und somit den 200. Geburtstag des großen Schreibmeisters in Neuruppin sichtbar.

Beteiligt sich am langen Shopping-Samstag

Giesa Optik beteiligt sich zudem am langen Shopping-Samstag am 30. März. Spezielle Fontane-Aktionen seien aber nicht geplant, meint der Inhaber: „Wir werden dennoch etwas an dem Tag machen – zu unserem eigenen Jubiläum. Ein Gewinnspiel ist geplant.“ Giesa feiert sein 45-jähriges Firmenbestehen.

Auf dem Weg zur Pfarrkirche läuft uns Eve Neugaertner über den Weg. Der Neuruppinerin ist der 30. März natürlich auch ein Begriff. „Für die Fontane-Festspiele habe ich Uta Bartsch meine Hilfe angeboten, entweder für die Betreuung der Kasse oder den Einlass.“ Das habe die Rechtsanwältin schon öfter gemacht, auch habe sie bereits eine Person beim Fontane-Umzug gespielt.

Eve Neugaertner aus Neuruppin plant, bei Fontane-Veranstaltungen mitzuhelfen. Quelle: Peter Geisler

Neugaertner ist fontanisiert. „An dem Schriftsteller kommt man in Neuruppin ja gar nicht vorbei“, findet sie. Sie selber ist ein großer Fan von Effi Briest, hat den Roman schon vier bis fünf Mal gelesen. „Meinem Sohn habe ich ein Kinderbuch gekauft, `John Maynard`. Den Birnbaum kennt er natürlich auch, und die Fontanefigur von Playmobil steht in seinem Zimmer.“

An den Neuruppinern geht das Fontanejahr nicht spurlos vorbei. Hinweise darauf gibt es zur Genüge. Einer davon steht vor Pfarrkirche. Neuerdings wirft dort ein Namensschriftzug des Dichters einen überdimensional großen Schatten an die hell erleuchtete, gelbe Fassade. Unsere Stadt rüstet sich fürs Jubiläumsjahr und ihre Bewohner auch.

Von Anja Reinbothe

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