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Ostprignitz-Ruppin Autor stellt Deutschland-Roman vor
Lokales Ostprignitz-Ruppin Autor stellt Deutschland-Roman vor
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12:18 03.11.2017
Peter Prange signierte für Besucher der Lesung sein Buch. Quelle: Renate Zunke
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Neustadt

Peter Prange, vor allem bekannt wegen seiner historischen Romane, war am Donnerstagabend Gast des Literarischen Bilderbogens der Bibliotheken des Landkreises. Im Neustädter Hotel Sankt Georg las der Schriftsteller, der in Tübingen lebt, aus seinem 2016 erschienen Roman „Unsere wunderbaren Jahre“.

Um es gleich vorweg zu sagen: Um das Buch zu lesen, braucht es Zeit, Ausdauer und eine Lesebrille, denn es hat fast 1000 eng bedruckte Seiten. Die Handlung umfasst die Jahre von 1948 bis 2002. „Es ist der Roman der Bundesrepublik. Es ist unsere Geschichte. Der große Deutschland-Roman aus der Zeit, als die D-Mark unsere Währung war“, heißt es in der Ankündigung des Fischer-Verlages, wo das Buch erschienen ist. Es beleuchtet den Weg von sechs Freunden und ihren Familien über drei Generationen hinweg – von der Einführung der D-Mark 1948 bis zur Euro-Einführung im Jahr 2002. Die Schicksale sind dramatische Familiengeschichten und gleichzeitig ein Zeitporträt.

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Auch 1948 gab es neues Geld

„Die Idee, diesen Roman zu schreiben, ist mir am 2. Januar 2002 bei Edeka gekommen. Da habe ich das erste Mal mit Euro bezahlt“, erzählte Peter Prange seinen Zuhörern in Neustadt. Plötzlich sei ihm eingefallen, dass es auch 1948 neues Geld gab. 40 D-Mark erhielt jeder Westdeutsche als Startkapital. Und ihm sei ein Bibeltext in den Sinn gekommen. Darin erzählt Jesus eine Geschichte über drei Männer, die für einen reichen Mann arbeiten. Als der verreist, gibt er ihnen Geld, mit der Forderung, verantwortlich damit umzugehen und etwas daraus zu machen. Später will er wissen, was jeder mit dem Geld getan hat.

„Auch in Deutschlands Geschichte ist das Geld immer voraus gegangen“ meinte Peter Prange. So hätte die Währungsreform 1948 die Spaltung Deutschlands besiegelt. In der Wendezeit riefen Leute in der DDR: „Kommt die D-Mark bleiben wir, kommt sie nicht gehen wir zu ihr“. Er hätte jedoch damals noch nicht gewusst, wo die Geschichte spielen könnte und deshalb landete das Roman-Vorhaben erst einmal im Zettelkasten, so der Schriftsteller.

Der Roman spielt in seiner Geburtsstadt Altena

Hier ruhte es zehn Jahre bis zum Tod seiner Mutter. In deren Nachlass fanden sich Liebesbriefe seiner Eltern, die er nach einigem Zögern mit Scheu las. Da wären dann die Jahre Anfang 1950 wieder lebendig geworden und die Briefe lösten bei ihm „Kaskaden von Erinnerungen“ aus, erklärte der 1955 geborene Peter Prange in Neustadt. Und plötzlich war ihm auch klar: Der geplante Roman konnte nur in seiner Geburtsstadt Altena spielen, einer kleinen Industriestadt am Rande des Ruhrgebietes.

Beim Schreiben „wie im Rausch“ erlebte er dann „etwas Wunderbares“. Es seien Dinge aus dem Unterbewussten aufgetaucht, von denen er gar nicht mehr wusste. Viele Erinnerungen speisten sich aus dem familieneigenen Bettenhaus in Altena. Kaum einer in der kleinen Stadt, der seine Matratzen, Kissen und Bezüge nicht in dem Laden der Eltern einkaufte. Peter Prange: „Das Wichtigste, was man als Autor kennen muss, sind Menschen. Die lernte ich im Bettenhaus meiner Eltern kennen.“ Sein ­Roman ist durchtränkt vom wirklichen Leben aber durchaus fiktiv. „Es ist das Buch meines Lebens geworden, das sich aus meinem Leben speist. Es beschreibt die Ursuppe, aus der ich komme“, so der Autor. Und er hätte es mit viel Spaß geschrieben.

Eine Zuhörerin schwärmte von dem wunderbaren Roman

Spricht das Buch nun auch Ostdeutsche an, die ja nach 1948 in einer ganz anderen Welt lebten als Pranges Romanfiguren? Diese Frage beantwortete ein Zuhörerin in Neustadt: „Es ist ein wunderbarer Roman. Man kann ihn nur empfehlen.“

Peter Prange blieb auch nach der Lesung beim Thema Geld. Mit Hinweis auf den Umfang seines Werkes sagte er: „Kaufen sie das Buch. Sie bekommen viel Prange für so wenig Geld.“

Von Renate Zunke