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Ostprignitz-Ruppin Becherbacher Brückenchor gab Konzert
Lokales Ostprignitz-Ruppin Becherbacher Brückenchor gab Konzert
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00:18 26.07.2017
Mechthild Mayer (v.) leitet den Chor seit Anbeginn. Ihre Sänger folgen ihr auf jede Geste.
Mechthild Mayer (v.) leitet den Chor seit Anbeginn. Ihre Sänger folgen ihr auf jede Geste. Quelle: Regine Buddeke
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Musik schlägt Brücken – so könnte man angesichts des Namens vermuten. Jedoch der „Becherbacher Brückenchor“ hat sich einst nach dem Gebäude namens „Brücke“ benannt, in dem er seine Proben abhält – das Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Becherbach im Hunsrück. Vor 35 Jahren wurde er von Mechthild Mayer gegründet – als Jugendchor für alle Sangeswilligen im Umkreis von Becherbach, wie sie erzählt. Und irgendwie sei es immer weitergegangen, freut sie sich. Auch wenn die jungen Menschen nun erwachsen sind und inzwischen auch deren Kinder im Chor sind.

Der Name wurde Programm. Mit seinen Konzerten schlägt der Chor durchaus Brücken: zu anderen Gemeinden, Konfessionen, Völkern und Ländern. Gerade ist das Ensemble zu Gast im Ruppiner Land. 80 Zuhörer sind am Sonnabend in die Lindower Stadtkirche gekommen, um dem Chor zu lauschen, der gerade auf Konzertreise ist und sein Quartier im nahen Menz aufgeschlagen hat. Das anspruchsvolle Programm der mehr als 40 Sänger schlägt ebenfalls eine Brücke zwischen dem „Morgen“, dem „Tag“ und dem „Abend“ – gegliedert in drei Programmteile.

Der Chor singt sechs-, sogar achtstimmig

Mit einem Choralsatz von Praetorius – die Sänger ziehen singend in die Kirche ein – und einer sechsstimmigen Motette von Rheinberger beginnt das Konzert. Das „Singt mit“ ist wörtlich zu verstehen – auch das Publikum ist hier angesprochen. Ein sechsstimmiger Satz von Schütz beeindruckt. Niels Wilhelm Gades Morgengesang aus „Erlkönigs Tochter“ setzt noch eines drauf: ein achtstimmiger Chorsatz, den die Sänger da vom Blatt singen. Überhaupt werden einige der überwiegend geistlichen Werke als Doppelchor gesungen. Last but not least: der Sonnenhymnus von Max Drischner – ein atemberaubendes Werk für Orgel, in dem Finn Rickenbach alle Register zieht. Ganz still ist es im Saal, alle lauschen dem Organisten. „Finn ist phänomenal. Und gerade erst 14 Jahre alt“, verrät Mechthild Mayer über ihren Orgelschüler.

Der Organist des Chores ist gerade mal 14 Jahre alt

Dann folgt „Der Tag“: ein Psalm, eine doppelchörige Motette, dann Henry Purcells „Hear my Prayer, o Lord“. „Ich ruf zu dir“ von Bach – einmal als Orgelchoral, danach als Choralsatz. Und dann – jetzt wird alles anders – noch einmal der Purcell in einer Bearbeitung von Sven-David Sandström. Das klingt modern und nicht wirklich klassisch melodisch. Ganz dicht liegen die Töne oft beieinander; das ist dissonant. Die Soprane quietschen und schreien in höchster Höhe. Oder höchster Not? Es sind Bilder aus Syrien und anderen Kriegsgebieten, die den Komponisten dazu inspiriert haben, das „Hear my Prayer, o Lord“ ganz anders zu interpretieren. „Das ist ein Klageschrei. Da müsst ihr nicht schön singen. Die Welt ist nicht nur schön“, hat Mechthild Mayer ihren Sängern auf den Weg gegeben. „Wir sind von diesem Stück immer sehr betroffen“, erzählt sie.

Dann wird es wieder ruhig: Max Regers „Sternlein“ leitet in den „Abend“ über. „Der Mond ist aufgegangen“, ein sechsstimmiges Abendlied. Es ist wieder Frieden in der Kirche. Es gibt ein Bach’sches Abendlied als Zugabe. Und ein gemeinsam gesungenes „Dona nobis pacem.“

Von Regine Buddeke