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Ostprignitz-Ruppin Béla Réthy: EM-Erfolg auf dem Pizzakarton
Lokales Ostprignitz-Ruppin Béla Réthy: EM-Erfolg auf dem Pizzakarton
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00:58 26.09.2014
Béla Réthy stellt in Rheinsberg sein Buch "Live" vor.
Béla Réthy stellt in Rheinsberg sein Buch "Live" vor. Quelle: Marcus Brandt
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Herr Réthy, Sie berichten normalerweise aus den größten Fußballstadien der Welt, aus Dortmund, London, Barcelona oder Rio. Nun kommen Sie nach Rheinsberg. Der hiesige Club Blau-Weiß Rheinsberg spielt in der 1. Kreisklasse. Hatten Sie vor der Einladung in das kleine Städtchen schon mal was von Rheinsberg gehört? Und wenn ja, was?

Béla Réthy: Rheinsberg war mir bis dato nur im Zusammenhang mit der Erzählung von Kurt Tucholsky ein Begriff. Ich befürchte, dass ich aufgrund meines fortgeschrittenen Lebensalters die Bundesliga-Zugehörigkeit von Blau-Weiß Rheinsberg nicht mehr erleben werde.

Sie haben Publizistikwissenschaft, Soziologie und Ethnologie studiert. Was gab den Ausschlag dafür, Sportreporter zu werden? War das ein Kindheitstraum?

Réthy: Der Traum ging eher in die Richtung, selbst auf höherem Niveau zu spielen. Da weder Talent noch Fleiß ausgereicht haben, wollte ich eben auf der journalistischen Ebene am großen Fußball partizipieren. Die Studienfächer dienten eher der Weiterbildung und der Erweiterung des Horizonts.

Sie haben unzählige Fußball-WM-Spiele kommentiert und viele berühmte Fußballer getroffen, wie Pelé, Maradona und Ronaldo. Welcher Sportler hat Sie bisher am meisten beeindruckt? Und womit?

Réthy: Das waren vor allem Sportler, die ihren Lebensunterhalt nicht mit ihrem Sport finanzieren konnten. Zuletzt konnte ich die deutsche Hockeynationalmannschaft näher kennenlernen, die bei den Olympischen Spielen in London Gold gewonnen hat. Beeindruckende, intelligente und dennoch extrem lockere Typen. Dazu kam ein Gespräch mit dem brasilianischen Formel-1-Piloten Ayrton Senna, den ich zwei Jahre vor seinem Unfalltod in London treffen konnte.

Wen wollten Sie schon immer mal interviewen und haben ihn oder sie noch nicht getroffen?

Réthy: Ich habe Maradona zwar flüchtig getroffen, aber ein ausführliches Gespräch war mit ihm leider nicht möglich. Ich hätte gerne diesen Grenzgänger zwischen Genie und Wahnsinn kennengelernt.

Als Sportreporter erleben Sie sicher viele ungewöhnliche Situationen. Welche war für Sie bisher die Kurioseste?

Réthy: In der Zeit als Filmemacher sicherlich die in meinem Buch beschriebene Razzia der kolumbianischen Miliz auf der Suche nach Mitgliedern des Drogenkartells von Medellin. Beruflich war es 1996, als am Tag des EM-Endspiels zwischen Deutschland und Tschechien mein Laptop sämtliche Daten der Vorbereitung geschluckt hat. Da keine Zeit mehr war, alles neu zu schreiben, habe ich auf der Rückseite eines Pizzakartons, die ich auf dem Weg nach Wembley erworben hatte, alles notiert, was mir gerade einfiel - und von dem Pizzakarton den deutschen EM-Sieg kommentiert!

Gab es während einer Live-Übertragung schon mal einen Moment, bei dem Ihnen die Worte fehlten?

Réthy: Zuletzt beim 7:1 Deutschlands gegen Brasilien. Als noch keine halbe Stunde vorbei war und es schon 5:0 stand. Auf so ein Szenario war niemand eingestellt.

Sie sprechen sechs Sprachen. Fällt es Ihnen dennoch manchmal schwer, den Namen einiger Sportler richtig auszusprechen?

Réthy: Das ist reine Übungssache. Bei besonders schwierigen Fällen kontaktiere ich Kollegen aus dem entsprechenden Land, die dann weiterhelfen.

Glauben Sie, dass im Jahr 2022 die Fußball-WM wirklich in Katar stattfinden wird? Oder wird die Fifa die WM noch mal neu vergeben?

Réthy: Ich glaube, dass in Katar gespielt wird. Die Mächte und Konstellationen,die bereits für die Vergabe der WM nach Katar am Werk waren, werden sich auch bei der Ausführung durchsetzen.

Welches war für Sie der bisher peinlichste Moment während einer Live-Übertragung?

Réthy: Da sind mir keine Momente gegenwärtig.

Gibt es jemanden, den Sie gern mal als Live-Kommentator eines Fußball-Spieles erleben würden? Wenn ja, wer ist das?

Réthy: Man sollte versuchen, Fernseh-Kritiker diesen Job für einige Minuten probieren zu lassen.

Zum Abschluss noch eine Frage zur Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Welches Team ist für Sie der Favorit und wird den Titel holen?

Réthy: Deutschland und Frankreich werden den Titel unter sich ausmachen.

Interview: Andreas Vogel

Info: Am Donnerstag kommt Béla Réthy nach Rheinsberg. Er liest ab 19.30 Uhr im Haus Rheinsberg aus seinem Buch "Live", in dem er über den "großartigsten Arbeitsplatz der Welt" schreibt. Karten für die Lesung gibt es zum Preis von 15 Euro bei der Stadtbibliothek Rheinsberg, 033931/41138 sowie an der Abendkasse.

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