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Ostprignitz-Ruppin Brexit: Firmen bangen und profitieren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Brexit: Firmen bangen und profitieren
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01:15 02.02.2019
Für Swiss Krono aus Heiligengrabe ist England ein wichtiger Exportpartner. Die Firma wartet auf klare Brexit-Regeln. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Angst vor dem Brexit? Stefanie Bullinger winkt ab. „Wenn er kommt, dann ist es nicht schön“, sagt die Geschäftsführerin der Holzwerke Bullinger. „Er ist aber auch kein existenzielles Problem für uns.“ Zwar liefere das Unternehmen vor den Toren Neuruppins in Werder viele Bretter nach Großbritannien. „Aber selbst, wenn der Export dorthin völlig zum Erliegen kommen sollte: Das würde uns nicht komplett aus der Bahn werfen.“ Dazu sei die Größenordnung der Ausfuhren dorthin zu gering, das Unternehmen auf dem internationalen Markt viel zu breit aufgestellt. „Und die deutsche Baubranche boomt sowieso.“

Brexit könnte großen Einfluss auf die Wirtschaft haben

Trotzdem: Dieser Tage verfolgt Stefanie Bullinger das, was in der britischen Politik los ist, angespannter als sonst. Auch wegen ihrer Geschäftszahlen. Und genauso wie wohl viele ihrer Kollegen in Ostprignitz-Ruppin. Denn ob der mögliche Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union geordnet oder ohne jedwede Regel am 29. März über die Bühne gehen wird, könnte aber großen Einfluss auch auf die Wirtschaft haben – auch in der Region.

Chaos an den Grenzen, Einbruch der Exporte

Experten befürchten bei einem Brexit ohne Vertrag mit der Europäischen Union horrende Zölle, Chaos an den Grenzen, dramatische Entwicklungen beim Pfund, Einbruch der Exporte. Die Chefin der Holzwerke bleibt dennoch ruhig. „Ich kann mir schlecht vorstellen, dass das englische Parlament das alles in Kauf nimmt. Und wenn doch, dann wird die dortige Regierung die Probleme ganz schnell lösen.“

Swiss Krono bereitet sich auf alle Eventualitäten vor

Von einer pragmatischen Entscheidung der britischen Politiker am Ende geht auch Hendrik Hecht aus, trotz der derzeit äußerst hitzigen Debatten im Unterhaus. Dennoch bereitet sich auch sein Unternehmen, der Laminat- und Holzwerkstoffproduzent Swiss Krono aus Heiligengrabe, der seit Jahren gute Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien unterhält, auf alle Eventualitäten vor – so gut es geht.

Expertenteam für den Tag X

Für den Tag X habe die Firma ein ganzes Expertenteam zusammengestellt, das auf die Entwicklungen reagieren soll. Auch die verschiedenen Szenarien des Brexit sei die Chefetage durchgegangen. Da aber bislang unklar ist, welche Regeln nach dem Bruch mit der EU für den Export nach England gelten werden, sind alle Detailfragen noch offen. So zum Beispiel, ob die Waren von Krono dann dort immer noch als Baustoffe zugelassen sind oder welche Bedingungen sie in Bezug auf die Brandsicherheit auf der Insel erfüllen müssen.

Hendrik Hecht rechnet mit schwierigen Übergangszeit

Große Sorgen mache er sich wegen des Brexits dennoch nicht, so der Geschäftsführer. „Dass Währungen schwanken, ist für einen Exporteur völlig normal“, sagt Hecht. Auch Zölle zu zahlen, die in der EU entfallen, sei das Unternehmen mit seinen 750 Mitarbeitern gewohnt, beispielsweise durch Lieferungen nach Asien. Und Swiss Krono habe immerhin weder Standorte noch Personal in Großbritannien.„Schwierig wird für uns vor allem die Übergangszeit“, schätzt Hecht.

Kartzfehn steht derzeit im engen Kontakt mit den Briten

Um diese so gut wie möglich vorzubereiten, steht die Firma Kartzfehn derzeit im besonders engen Kontakt zu ihrem Lieferanten. Der Putenkonzern aus Niedersachsen, der in Ostprignitz-Ruppin mehrere hundert Mitarbeiter an einigen Standorten beschäftigt, bezieht Zuchtküken für seine Elterntiere aus England. Ein Engpass an dieser Stelle – zum Beispiel wegen Staus an den Grenze nach dem Brexit – wäre schwierig für den Betrieb.

Thorsten Mahlstedt hofft auf klare Regeln beim Brexit

„Wir sind aber optimistisch, dass es keinen ungeregelten Austritt geben wird“, sagt Unternehmenssprecher Thorsten Mahlstedt. „Noch.“ Doch auch beim Abgang ohne Abkommen geht er davon aus, dass alles glatt laufen wird. Schließlich haben die britischen Partner auch Standorte außerhalb des Königreichs, die im Fall der Fälle die Lieferung übernehmen könnten. Trotzdem: „Wir schauen jeden Tag, ob es endlich konkrete Informationen gibt, wie alles ablaufen soll.“

Opitz ist kaum vom EU-Austritt betroffen

Den Geschäftsführer von Opitz Holzbau bewegen die Vorboten der Brexit-Verwerfungen nur bedingt. Es sei schon Jahre her, dass das Unternehmen Bauteile nach Großbritannien in Größenordnung geliefert habe, sagt Bodo Mierisch. „Und ein wichtiger Holzexporteur ist England auch nicht.“ Betroffen von dem Problem könnte aber der Mutterkonzern, die Knauf-Gruppe, sein.

Bodo Mierisch erwartet Brexit-Bauboom

Für die Neuruppiner Firma sieht Mierisch hingegen sogar die Chance, von dem EU-Ausstieg der Briten zu profitieren. Denn dieser hat jetzt schon zur Flucht vieler Unternehmen auf den Kontinent geführt – und damit zu einem gesteigerten Bauboom in gewissen Gegenden. In Hessen mit seiner Banken-Metropole Frankfurt sei das beispielsweise der Fall, einer Gegend in der auch die Neuruppiner Bauzulieferer Kunden haben. „Die Nachfrage greift bei uns aber noch nicht direkt durch.“

Bullinger profitiert jetzt schon von dem Politikum

Bei Bullinger sieht es anders aus. „Die Engländer fahren ihre Lager jetzt schon mit unserem Holz voll, um nach dem Brexit vier bis acht Wochen durchzukommen“, berichtet die Geschäftsführerin. Diese Hamsterkäufe seien für das Unternehmen besonders in den sogenannten Hungermonaten gut. Denn am Jahresanfang werden sonst meistens Waren fürs eigene Lager und nicht für den sofortigen Absatz produziert.

Keine vorgezogenen Käufe bei Swiss Krono

Lager? Diese gebe es für Laminate nicht, klärt Hendrik Hecht auf. Kaum ein Baumarkt verfüge heutzutage noch über ein Extra-Depot, das gelte auch für England. Deshalb gebe es derzeit bei Krono auch keine vorgezogenen Käufe der Briten – trotz der trüben Brexit-Aussichten.

Dreistern rechnet mit Britannien-flüchtigen Beschäftigte

Die Hoffnung, dass der Ausstieg am Ende für viele Unternehmen in der Ruppin-Region etwas Positives in petto hat, hegt der Geschäftsführer von Dreistern. Claudius Arenthold geht davon aus, dass das Nein zu Europa auf der Insel zur Abwanderung von Arbeitskräften aufs Festland führen wird.

Claudius Arenthold hofft auf Fachkräftezuzug

„Menschen, die in England nach dem Brexit keine Arbeitserlaubnis mehr kriegen, werden zu uns kommen“, so der Chef der Firma, die vor allem für ihre Fleischkonserven bekannt ist, die sie in alle Welt, aber kaum nach Großbritannien verkauft. Ein Glücksfall in Zeiten des Fachkräftemangels, meint er. Experten schätzen tatsächlich, dass sich die Zahl von Beschäftigen aus EU-Ländern wegen des Brexits in England bald halbieren wird.

Von Celina Aniol

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