Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Brief an die Kanzlerin zurück an Absender
Lokales Ostprignitz-Ruppin Brief an die Kanzlerin zurück an Absender
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:58 26.09.2014
Beim Besuch der Kanzlerin in Wittstock waren Einzelgespräche nicht möglich. Die Veranstaltung war straff durchorganisiert.
Beim Besuch der Kanzlerin in Wittstock waren Einzelgespräche nicht möglich. Die Veranstaltung war straff durchorganisiert. Quelle: Uta Köhn
Anzeige
Wittstock

Kerstin Zillmann hatte sich öffentlich gegen die Kürzung ihres Hartz-4-Geldes gewehrt. Der Grund für die Kürzung: Neben dem Geld für einen Minijob hatte sie auch Aufwandsentschädigungen für ihre diversen Ehrenämter erhalten. "Um dieses Problem sollte sich Frau Merkel mal kümmern." Am liebsten hätte Kerstin Zillmann die Regierungschefin bei deren Besuch in Wittstock persönlich gesprochen. "Wenigstens zwei Minuten." Aber das sei von Anfang an aussichtslos gewesen. "Viele haben zu mir gesagt, dass ich ein Gespräch mit der Kanzlerin vergessen kann." Deshalb habe sie sich an Jan Redmann (CDU) gewandt, der sich zu der Zeit gerade im Wahlkampf um ein Landtagsmandat befand und dabei von der Kanzlerin unterstützt wurde. Dessen Tipp war, einfach einen Brief zu schreiben.

Das tat Kerstin Zillmann dann auch und bat Redmann, den Brief zu übergeben. "Der Brief war offen, damit die Sicherheitsleute reinschauen konnten. Er war unfrankiert und ich hatte auch keine Adresse drauf geschrieben", sagt die Wittstockerin.

Als sie den Brief jetzt wieder in Händen hielt, befanden sich auf dem nunmehr an einer Stelle zugeklebten Umschlag ein weißer Aufkleber und eine Briefmarke und jemand hatte "Berlin" drauf geschrieben. Der Brief war so gefaltet, dass Kerstin Zillmanns Anschrift vom Briefkopf im Fenster des Umschlages zu lesen war. Auf diese Art gelangte er wieder nach Wittstock. "Jan Redmann hat mir versprochen, den Brief zu übergeben, und er hat es nicht getan", ärgert sie sich.

"Nein, persönlich habe ich den Brief nicht übergeben", bestätigt Jan Redmann. "Dazu war gar keine Gelegenheit." Als die Kanzlerin aus dem Auto stieg, habe es eine kurze Einweisung durch ihr Sicherheitspersonal gegeben, dann sei man über den Markt gegangen, die Kanzlerin schüttelte einige Hände, es folgten eine moderierte Gesprächsrunde auf der Bühne sowie die Reden und nach der Veranstaltung verließ sie den Markt. "Alles war durchgeplant, ich hatte ja nicht einmal selbst die Zeit, einige Worte mit Frau Merkel zu wechseln", so Redmann. Deswegen habe er den Brief in seinem Büro frankieren, beschriften und abschicken lassen. Dass der Brief nicht im Kanzleramt angekommen sei, tue ihm sehr leid. Er kann es sich nur so erklären, dass der Beschriftungsfehler in seinem Büro nicht erkannt wurde, denn der Brief war so gefaltet, dass der Absender im Fenster des Umschlages zu sehen war, sagt Redmann.

Jedenfalls dürfte der Brief im Bürgerreferat des Bundeskanzleramtes in Berlin nie angekommen, sondern von der Post zurückgeschickt worden sein. "Wir erhalten pro Jahr zwischen 50.000 und 60.000 Briefe von Bürgern", so ein Mitarbeiter. Ein Teil der Schreiben wird nicht beantwortet. "Das sind Briefe, in denen es um politische Meinungsäußerungen geht. Die Leute schreiben zum Beispiel, dass sie mit der Politik der Regierung einverstanden sind und erwarten auch gar keine Antwort." In den meisten Schreiben gehe es aber um ganz konkrete Angelegenheiten. Die Absender erhielten selbstverständlich eine Antwort, aus der hervor gehe, welchem Ministerium das Schreiben zur weiteren Bearbeitung zugestellt wurde. Auf jeden Fall werde jeder Brief gelesen. Allerdings dauere es eine ganze Weile, bis der Absender eine Nachricht aus dem Bundeskanzleramt bekomme. Im konkreten Falle bat der Mitarbeiter, dass Kerstin Zillmann doch den Brief erneut ans Bundeskanzleramt schicke. Sie könne sicher sein, dass er dann auch bearbeitet werde.

Am liebsten würde die Wittstockerin ja nach Berlin fahren und persönlich mit der Regierungschefin reden. "Ich könnte ihr eine ganze Stunde lang von den Problemen der Hartz-4-Bedürftigen und deren Ehrenämtern und von den Aufwandsentschädigungen erzählen. Aber ich habe natürlich auch Verständnis dafür, dass sie sich nun wirklich nicht jedes einzelne Problem anhören kann." Jetzt will Kerstin Zillmann den Brief noch einmal losschicken. Sie hofft, dass er dann ans Arbeitsministerium weitergeleitet wird.

Von Uta Köhn

Ostprignitz-Ruppin Unbekannte dringen in Nagerzuchtanlage in Radensleben ein - 10.000 Mäuse aus Tiefkühltruhe gestohlen
26.09.2014
Ostprignitz-Ruppin Sportjournalist stellt in Rheinsberg sein Buch "Live" vor - Béla Réthy: EM-Erfolg auf dem Pizzakarton
26.09.2014
26.09.2014