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Ostprignitz-Ruppin Briefe vom Elektro-Flitzer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Briefe vom Elektro-Flitzer
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18:27 27.02.2018
Steven Wolter (32) führte am Freitag den Paxster in Neuruppin vor. Er hat eine Reichweite von 100 Kilometern. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Der private Postdienstleister Turbopost aus Neuruppin will im Februar die Testphase für sein Elektromobil auf Kyritz ausdehnen. „Wir sind mit den Tests in Neuruppin sehr zufrieden“, sagte am Freitag Dirk Bode (46), Bereichsleiter für die Zustellung.

Das rote Mobil sieht auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich aus. Es hat zwar nur einen Sitz, ist aber kein Fahrrad. Vielmehr hat das „Kleinkraftfahrzeug“ eine beheizbare Frontscheibe und ein Dach – aber keine Türen für den Einstieg. Denn der Paxster wurde in Norwegen eigens als elektrisch betriebenes Lieferfahrzeug für Zusteller entwickelt.

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Der Postbote muss nicht mal mehr aussteigen

Diese sollen nicht unbedingt aussteigen müssen, wenn sie einen Brief oder ein kleines Päckchen in den Briefkasten stecken. Die zu verteilende Post liegt vorsortiert in drei speziellen Kästen. Ist diese verteilt, muss der Zusteller nicht etwa zurück zum Verteilzentrum. Vielmehr hat das kleine Mobil im hinteren, verschlossenen Bereich Platz für neun weitere Postkästen, sodass mit einer Fuhre leicht bis zu 1000 Sendungen verteilt werden können.

„Wir können nicht auf ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge warten, sondern müssen Alternativen haben“, sagte Bode. Immerhin besteht der Fuhrpark der Turbopost, der 50 Fahrzeuge umfasst, zu 98 Prozent aus Autos mit Dieselantrieb. Deshalb schauen die privaten Briefdienstleister regelmäßig, welche Neuerungen der Markt bei Elektrofahrzeugen bereit hält. Die meisten sind jedoch einfach noch zu teuer. So bietet Renault ein Modell für rund 30 000 Euro an, der Paxster, der von der norwegischen Post entwickelt wurde, kostet nur etwa die Hälfte. Bei mehreren Briefdiensten ist das Gefährt, das eine Reichweite von 100 Kilometern und eine Aufladungszeit von sechs bis acht Stunden hat, bereits im Einsatz, etwa in Berlin, Dresden, Magdeburg und Baden-Württemberg.

Das Auto wird vor allem in Eigenheimgebieten eingesetzt

Die Turbopost wurde auf das Gefährt bei einem der Treffen der privaten Briefdienste aufmerksam und schaffte sich im Sommer eines an. Dieses wurde vor allem in den Eigenheimgebieten im Neuruppiner Vorstadtbereich, aber auch in Langen und Buskow eingesetzt. In Kyritz soll es sowohl im Innenstadtbereich als auch am Stadtrand getestet werden.

Mehrere Zusteller wurden für den Paxster geschult. Zwar ist die Geschwindigkeit auf Tempo 45 gedrosselt, dennoch sei das Fahren zunächst gewöhnungsbedürftig, sagte Steven Wolter (32). Der Neuruppiner ist seit sechs Monaten bei der Turbopost, zuvor hat er bei einem Ingenieurbüro gearbeitet. Da er jedoch eine kleine Tochter hat, die Frau im Schichtdienst tätig ist und er ständig für mehrere Tage unterwegs war, hatte er sich nach einem Job umgesehen, um das Familienleben besser unter den Hut zu bekommen. Nun arbeitet er in der Zustellerlogistik und ist zufrieden.

Die Turbopost will ihre Autos nach und nach auf Elektrofahrzeuge umrüsten. Einziges Manko beim Paxster sind der Preis und die eingeschränkte Reichweite.

Von Andreas Vogel