Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin CDU-Mann: Reformpläne sind grober Unfug
Lokales Ostprignitz-Ruppin CDU-Mann: Reformpläne sind grober Unfug
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 19.03.2017
Deutliche Worte fand Sebastian Steineke (CDU) für die Pläne des Landes zur Kreisgebietsreform. Quelle: Andreas Vogel
Anzeige
Neuruppin

Deutliche Kritik am Entwurf des Landes für die Kreisgebietsreform haben am Mittwochabend die drei Bundestagsabgeordneten der Region beim Kaminbargespräch der Wirtschaftsjunioren in Neuruppin geübt – allerdings monierten die Politiker verschiedene Punkte. So bezeichnete es Kirsten Tackmann (Linke) aus Tornow bei Kyritz als „bedauerlich“, dass die Regionen bei der Frage zum künftigen Sitz der Kreisverwaltung gegenein­ander ausgespielt werden. Dabei sei ein gemeinsames Konzept der Region gefragt. Zudem vermisst Kirsten Tackmann eine klare Aussage dazu, dass in einem größeren Landkreis der öffentliche Bus- und Schienenverkehr gestärkt werden müssten. „Wir brauchen in einer alternden Gesellschaft mehr öffentliche Verkehrsangebote“, betonte die Politikerin.

Steineke: Perleberg und Neuruppin bleiben Kreisstadt

Dagmar Ziegler (SPD) aus Wittenberge schlug in eine ähnliche Kerbe, als sie davor warnte, dass bei der Reform „keine Ecke des künftigen Großkreises beschädigt“ werden dürfe. Die Politik müsse „sehr behutsam umgehen“, wenn die Kreisstadt künftig für einige Menschen bis zu 150 Kilometer entfernt sein könnte. Das gilt unabhängig davon, ob der Landtag nun Neuruppin oder Perleberg zur Kreisstadt des geplanten Großkreises Prignitz-Ruppin küren wird. Zur Kreisstadt-Frage selbst äußerten sich weder Tackmann noch Ziegler. Das ist wenig verwunderlich. Ihr Wahlkreis umfasst sowohl die Prignitz als auch Ostprignitz-Ruppin – und darüber hinaus mit den Ämtern Friesack, Rhinow und Nennhausen sowie der Stadt Nauen auch noch Teile des Havellandes. Ein Bekenntnis für die eine Stadt würde potenzielle Wähler aus der anderen verprellen.

Anzeige

Vor diesem Problem steht der Neuruppiner Sebastian Steineke (CDU) nicht: Der Rechtsanwalt lehnt wie seine Partei die Reform ab und bezeichnete sie als „groben Unfug“. Steineke zeigte sich überzeugt davon, dass das von SPD und Linken vorangetriebene Projekt angesichts der Proteste abgeblasen wird – und sowohl Neuruppin als auch Perleberg Kreisstadt bleiben werden.

Ein Termin für den Prignitz-Express fehlt

Zudem registrierte Steineke, dass sich Tackmann für mehr Kooperationen von Kommunen aussprach. Das hatte die oppositionelle CDU vor Monaten als eine mögliche Alternative zu der vom Land geplanten Reform vorgeschlagen. Die Christdemokraten waren mit ihrem Vorstoß aber gescheitert.

Einig waren sich die Abgeordneten darüber, dass mehr Geld in die In­frastruktur von Prignitz und Ostprignitz-Ruppin fließen müsse. „In­frastruktur ist die Grundvoraussetzung für jegliche Entwicklung“, sagte die SPD-Frau Dagmar Ziegler. Als die größten Projekte wurden der Ausbau der Autobahnen A 10 und A 24, der Neubau der A 14, die Schiffbarkeit der Elbe sowie die direkte Anbindung des Prignitz-Expresses  RE 6 ins Berliner Stadtzentrum bezeichnet.

„Alle sind für eine direkte Zuganbindung in die Hauptstadt“, stellte der Wirtschaftsjunior Ivo Haase fest. Er moderierte die Runde im Resort Mark Brandenburg. Deshalb wäre es gut, wenn endlich mal ein Datum genannt werden würde, ab wann die Züge ohne Umweg direkt ins Berliner Stadtzentrum rollen.

Bei Schülern brechen Traumata auf

Beifall von den mehr als 50 Gästen der Talkrunde erhielt Heidrun Hecht. Die Leiterin der Neuruppiner Karl-Liebknecht-Schule berichtete von den Schwierigkeiten bei der Integration von Flüchtlingskindern, das sind knapp 70 der 460 Mädchen und Jungen an der Schule. Einige Kinder saugten das Wissen wie ein Schwamm auf, anderen falle das unheimlich schwer, weil sie kaum ein Wort Deutsch beherrschten, so Hecht. Hinzu kommen ganz andere Probleme. So seien mehrere Mädchen in der Schule einfach zusammengesackt. Der Notarzt hat jedoch keine Leiden feststellen können. Die Schulleiterin vermutet, dass bei den Mädchen Traumata aufbrechen, die durch Geschehnisse in ihrer Heimat oder bei der Flucht entstanden sind.

Von Andreas Vogel