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Ostprignitz-Ruppin Comedy mit dem Tod
Lokales Ostprignitz-Ruppin Comedy mit dem Tod
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18:26 02.04.2017
Es gibt Schlimmeres als die Sense: die Tinnitus-Flöte. Der Tod testet sie am Saal aus, assistiert von seiner charmanten Exitussi. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Mit Essen spielt man nicht. Und mit dem Tod treibt man keine Scherze. Nun, das sind zweifellos Thesen, die man nicht sklavisch hinnehmen muss. Vor allem, wenn es der Tod selber ist, der seine Scherze treibt. Um das Mäntelchen des Schweigens vom Ende alles Irdischen zu ziehen, das hierzulande immer mehr zum Tabuthema geworden ist. Die Deutschen tun sich schwer mit dem Tod – der Tod selbst nimmt es leicht. Zumindest der, der sich nicht zum ersten Mal im Neuruppiner Stadtgarten für selbigen ausgibt. Der Tod hat keinen Namen. Wer wirklich unter der schwarzen Kutte steckt, bleibt ein Geheimnis. Und das ist auch gut so: Wer will dem Tod schon direkt ins Auge schauen? 200 Zuschauer sind am Freitagabend gekommen, um dem Programm „Happy Endstation“ zu lauschen – Betrachtungen des Todes über den letzten Gang.

„Schön, dass Sie sich für den Tod entschieden haben“

„Schön, dass Sie sich heute für den Tod entschieden haben“, klingt es zu düster grollender Musik aus den Boxen, während die Stewardess in pinkfarbener Kutte die Sicherheitshinweise pantomimisch abspult. Frei nach Georg Kreisler: „Man nehme ein an und für sich grausiges Ereignis und übertreibe es maßlos, dass es seinen Schrecken verliert und grotesk wird.“ Man könnte es als Motto des Abends nehmen – der Saal kichert ein ums andere Mal amüsiert – trotz des düsteren Themas.

Zuerst hat der blinde Fährmann Charon seinen Auftritt – ein hagerer Riese mit Berliner Slang. „Ick bin zwar Grieche“, erläutert er. „Aber wenn de ballinerst, brauchste nich freundlich sein“, ulkt er. Ans Steuer gehe er sowieso nicht mehr: „Griechen und Steuer – das passt nicht.“ Was er mag? Rentner. Die haben immer viel erlebt: Krieg, Hunger, Musikantenstadl. Was er nicht mag? Die Konkurrenz zu seinem Floß. Der Tunnel mit LEDs – nicht sein Ding. Von wegen individuelle Lebensrückschau. „Da wird ne alte Folge GZSZ abgespult und die meisten merken es nicht mal“, höhnt er.

Die Exittussi tanz in Pink Cancan

„Exitussi“ in Pink tanzt derweil den Cancan – mit „knallrosa Gummifloß“. Der Saal ist kurz vorm Schunkeln. Doch dann hat „Er“ seinen Auftritt. „Mein Name ist ...“ nuschel nuschel. „Der ein oder andere kennt mich bereits“, kiekst er mit brüchig-hoher Stimme, die an die Golden Girls erinnert und erntet amüsierte Verblüffung von allen, die ihn noch nicht kennen. „Ich leite ein erfolgreiches Reiseunternehmen – mit einer einzigen Reise im Angebot“, zwitschert er weiter. „Sie haben alle gebucht. Die Abfahrtszeiten variieren – aber keine Sorge, ich vergesse niemanden.“ Dann gerät er ins Plaudern. Wie schwer es sei, einen lebenden Beamten von einem Toten zu unterscheiden. „Ich warte immer bis zur Mittagspause“, sagt er. „Wer dann sitzenbleibt, der isses.“ Ganz anders bei Ärzten: „Was fehlt Ihnen denn?“ „Sie“ – so die Antwort des Todes. Für den Fall, dass er überhaupt einen Termin bekommen habe. Oft genug müsse er erst stundenlang im Wartezimmer sitzen. „Die Blicke“, stöhnt er. „Ich sage dann immer fröhlich: Der nächste bitte.“ Gelächter im Saal. Früher hätte er immer „Sterb!“ gedröhnt – pardon, gezirpt. „Mein Imageberater hat gesagt, das ist grammatikalisch falsch.“ Und würde mit ’i’ geschrieben. „Aber ich bitte Sie: Wer hat denn noch Angst vorm Tod, wenn ich ’Sterbi!’ rufe?“

„Wer von Ihnen war denn schon mal bei mir“, fragt er und freut sich über die „Wiedergänger“. Für alle anderen preist er den Abend als „allererste Nahtod-Erfahrung“ an, mischt sich – grusel – unters Volk und verteilt Fähnchen und Buttons. „Sie haben jetzt das Erstgespräch bereits absolviert.“

Dann wird der Tod politisch

Dann wirds politisch. Warum er deutsch spreche? Die meisten Menschen würden das voraussetzen, dass der Tod deutsch klingt. Immerhin sei er pünktlich, oft sogar zu früh. Er liebe Waffentransporte und hohe Abgaswerte. Außerdem habe er eine 1-A-Willkommenskultur: „Ich nehme jeden, ohne Obergrenze.“ Und mimt eine Art Kanzlerraute. Sogar Sachsen, die montags demonstrieren. Das sei echte Toleranz. Die aber auch Grenzen habe:„Ich bin entschieden gegen ein Burka-Verbot“, sagt er. AfD-Wähler begrüße er gern auf arabisch – die würden dann immer so schön irritiert gucken. Die Zuschauer lachen.

Der Tod plaudert weiter, wie er einst Jesus holte. „Ausgerechnet am Feiertag“, schimpft er. Der habe sich vielleicht angestellt. „Ich fahr nicht mit’m Floß, lieber lauf ich über den Jordan“, äfft der Tod den Heiland nach. „Total vernagelt“, zickt er. Ein Anruf beim Vater hätte vieles erklärt: Ja, Sohni sei grad schwer angeschlagen. Die Fans kichern und verzeihen die Gotteslästerung.

„Ich bin schon zum dritten Mal hier“, sagt die Neuruppinerin Sabine Schlorf. „Er ist einfach toll. Die Überraschungsmomente. Die Stimme, die so gar nicht passt. Und wie er mit dem Tabuthema umgeht.“

Von Regine Buddeke

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