Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Das Erntefest der Dörfer steht auf der Kippe
Lokales Ostprignitz-Ruppin Das Erntefest der Dörfer steht auf der Kippe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:38 18.01.2017
Beim gemeinsamen Erntefest 2016 in Radensleben war das ganze Dorf unterwegs. Quelle: Regine Buddeke
Anzeige
Neuruppin

Eigentlich müssten die Vorbereitungen längst auf Hochtouren laufen. Jeder, der schon einmal das gemeinsame Erntefest der Neuruppiner Ortsteile organisiert hat, weiß, wie viel Arbeit das bedeutet und wie lange es dauert. Trotzdem ist es in diesem Jahr noch ungewöhnlich still: Bis heute ist unklar, ob es 2017 überhaupt noch ein gemeinsames Erntefest aller Ortsteile geben wird. Keines der Dörfer hat sich bisher bereit erklärt, das Fest zu organisieren.

Regelmäßig treffen sich die Ortsvorsteher mit der Neuruppiner Stadtverwaltung, um verschiedene Themen zu besprechen. Auch die Organisation des Erntefestes gehört dazu. Bei der jüngsten Beratung stand es auch auf der Tagesordnung, räumte Neuruppins Sozialdezernent Thomas Fengler auf Nachfrage am Dienstag im Sozialausschuss der Stadt ein. Doch keiner der Ortschefs sei bereit gewesen, das Fest auszurichten. Beim nächsten Treffen soll deshalb noch einmal darüber beraten werden. Fengler: „Ob sich dann jemand findet, werden wir sehen.“

Anzeige

Die Stadt könnte einen höheren Zuschuss zahlen

Mehrere Abgeordnete reagierten enttäuscht. „Wir sollten diese Tradition nicht einfach abreißen lassen“, fand etwa die Vorsitzende des Ausschusses, Hannelore Gußman (SPD). Ihr Fraktionskollege Nico Ruhle weiß allerdings aus eigener Erfahrung vor zwei Jahren in Bech­lin, wie viel Arbeit es ist, solch ein Fest auf die Beine zu stellen.

Ein Problem ist immer wieder das Geld. Die Stadt stellt 5000 Euro zur Verfügung – ein Betrag, der bei Weitem nicht ausreicht, um alle Kosten zu decken. Nico Ruhle bot am Dienstag mehr Hilfe aus der Stadtkasse an: Vielleicht würde ein Grundstock von 10 000 Euro den einen oder anderen Ortsteil doch noch überzeugen: „Damit sollte sich ein feines Erntefest organisieren lassen.“

Radenslebens Ortsvorsteher Hardy Richter stimmte zu: Mehr Geld von der Stadt könnte helfen. Radensleben hatte das Fest 2016 organisiert und weiß, wie schwer es mitunter ist, Sponsoren zu finden. Doch das Geld ist offenbar nicht das einzige Problem. Auch zwischen den Ortsteilen rumort es. Schon längst beteiligen sich nicht mehr alle an dem Fest, das doch vor einigen Jahren noch als gemeinsamer Auftritt geplant war. Während einige Dörfer das Erntefest schon zweimal auf die Beine gestellt haben, halten sich andere auffallend zurück.

Einige Organisatoren vermissen auch Anerkennung für ihre Mühen

Die Radenslebener ärgerte im vergangenen Jahr aber noch mehr. Sie hatten das Gefühl, dass ihre Bemühungen nicht von allen ernst genommen werden. So hatte die Stadt extra zum Erntefest Landfrauen aus dem polnischen Babimost zu Besuch. Sie wohnten an dem Wochenende in Karwe und trafen sich am Sonntag nach dem Fest mit Neuruppiner Landfrauen in Lichtenberg. Ausgerechnet, als Radensleben das gemeinsame Erntefest gefeiert hat, ist die Stadtverwaltung mit den Landfrauen aus Polen aber zum Gestüt nach Neustadt (Dosse) gefahren.

Vom Erntefest haben die Gäste gar nichts gesehen. Ortsvorsteher Hardy Richter reagierte irritiert, als ihm Hauptamtsleiterin Jutta Mießner am Dienstag erklärte, warum die Gäste nicht nach Radensleben gekommen sind. Dass so viele Ortsteile keine Lust mehr auf das aufwändige Fest haben, „ist vielleicht auch eine Frage der Anerkennung“, befand er.

Von Reyk Grunow