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Ostprignitz-Ruppin Das Geld reicht kaum für alle Sportvereine
Lokales Ostprignitz-Ruppin Das Geld reicht kaum für alle Sportvereine
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00:18 21.01.2017
Von der Förderung würden auch Fußballer profitieren.
Von der Förderung würden auch Fußballer profitieren. Quelle: Wolfgang Hörmann
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Wusterhausen

Schwerstarbeit – so lässt sich die erste Ausschusssitzung 2017 im Wusterhausener Rathaus beschreiben. Schon im November versuchte sich das Quintett, das den Kultur- und Sozialausschuss bildet, an einem Vorhaben, das der Quadratur des Kreises gleicht. Es geht darum, mit sehr bescheidenen Finanzen aus dem Gemeindeetat möglichst alle Sportvereine in der Großgemeinde so zu bedenken, dass jeder etwas abbekommt.

Die Rede ist von rund 5200 Euro für zehn bis zwölf Vereine. Dabei hatte die Verwaltung in ihrer Vorlage zwei Pflöcke schon unverrückbar eingeschlagen. Auf Antrag bekommen Kinder und Jugendliche pro Kopf 10 Euro, Erwachsene 1,50 Euro, gedeckelt bei maximal 150 Euro. Für Letztere gilt das aber nur, wenn der eigene Mitgliedsbeitrag pro Jahr wenigstens 30 Euro bemisst. So gehändelt, bleiben knapp noch 2000 Euro übrig. Die sollen nicht aus der „Gießkanne“ herab rieseln, sondern nach einem Punktsystem von 1 bis 4 vergeben werden.

Vergabe nach einem Punktesystem

Jene Sportgruppen, die sich zum Beispiel in Umzügen öffentlich darstellen, Wettkämpfe organisieren, kulturelle Veranstaltungen in der Großgemeinde (zum Beispiel das Sommerfest) bereichern oder gar eigenverantwortlich „breite Öffentlichkeit“ einbeziehen, könnten sich als Punktejäger finanziell belohnen.

„Zu kompliziert, mit zu viel Bürokratie“, hieß ein Einwand dagegen. Der klang Ende 2016 zwar kaum an - da erregte die inzwischen verschlankte Punktetabelle eher die Gemüter – bei der Sitzung am Dienstagabend nun aber schon. „Manche Vereine werden überfordert mit dem Punktsammeln“, sagte der sachkundige Einwohner Dietmar Lembcke. Selbst Vertreter von Vereinen, wie Ralf Kuska von Blau-Weiß Wusterhausen, einem Verein mit reichlich Nachwuchs, konnten dem Modell nichts abgewinnen. Andere, wie Bärbel Hartwig, tendierten dazu, das bisschen Geld gleich ganz der Jugend zugutekommen zu lassen. Vereine, wie die Angler aus Lögow oder die Fußballer aus Nackel und Schönberg, die ganz ohne Jugendabteilungen auskommen müssen, würden sich aber unweigerlich benachteiligt fühlen. Mehr als eine Stunde lang rang die Runde um eine Lösung.

Gebühren für die Nutzung von Hallen

Mit klaren Fragen war Daniel Brandt aus Bantikow in die Sitzung gekommen. Gemeinsam mit seiner Frau Janine trainiert er die kleinsten Fußballer von Blau-Weiß Wusterhausen. Und das mehrfach in der Woche. „Wie kann die Satzung zur Hallennutzung geändert werden?“ Das wollte der Übungsleiter wissen. Er benötigt für sein Training ein Drittel der Spielfläche, manchmal sogar noch ein Abteil dazu. Jedes kostet laut Satzung sieben Euro pro Abend. Die Mannschaftskasse ist längst leer. Die Eltern greifen ins Portmonee.

„Und dabei müsste die Gemeinde mehr als Dreifache kassieren“, um kostendeckend zu sein“, so Julia Tscharntke vom zuständigen Fachamt im Rathaus. Daniel Brandt hatte mit seinem Vorstoß am Beginn der Bürgerfragestunde unbewusst die passende Einleitung für die spätere Diskussion geliefert: Es gibt zu wenig Geld für die sogenannten „freiwilligen Leistungen“. „Wenn sich da etwas ändern würde, ginge das nur in der Diskussion des Haushaltsentwurfs, der Ende Februar beschlossen werden soll“, sagte der Stellvertreter des Bürgermeisters Jürgen Gottschalk. „Und das müssten die Gemeindevertretung wollen.“

Gottschalk schwenkte dann wieder auf die neue Richtlinie zur Förderung der Sportvereine ein. Von fünf Frauen und Männern, die abstimmen durften, waren drei für eine Beschlussempfehlung an die Gemeindevertreter, zwei dagegen. Als nächstes kommt die Vorlage am 14. Februar in den Hauptausschuss.

Von Wolfgang Hörmann