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Ostprignitz-Ruppin Das Geschäft mit der Maut in Brandenburg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Das Geschäft mit der Maut in Brandenburg
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02:21 27.04.2018
Eine Maut-Säule an der B 5 in Kyritz wurde gerade errichtet, in Bechlin an der B 167 soll auch noch eine hin.
Eine Maut-Säule an der B 5 in Kyritz wurde gerade errichtet, in Bechlin an der B 167 soll auch noch eine hin. Quelle: Sandra Bels
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Neuruppin

Ganz genau weiß Olaf Dau noch nicht, welche Kosten ab Juli auf ihn zukommen werden. Mit 13 Fahrzeugen sind seine Mitarbeiter von Dau-Transporte aus Neuruppin deutschlandweit unterwegs, um Tierfutter dorthin zu bringen, wo es bestellt wurde.

Dau: Die Mautkosten verdoppeln sich

„Wir fahren jeden Bauernhof an“, sagt Dau. Bislang waren für den Spediteur die Kosten recht gut kalkulierbar. Das wird sich ab Juli ändern. Dann wird für Lkw und Fahrzeugkombinationen ab 7,5 Tonnen Gewicht nicht allein auf Autobahnen, sondern auch auf Bundesstraßen eine Maut fällig. Dau befürchtet, dass sich die Mautkosten für seine Spedition damit verdoppeln werden. Das heißt, statt der derzeit monatlich rund 10 000 Euro, würden ab Juli wohl 20 000 Euro fällig werden. An der Technik in seinen Autos muss Dau nichts ändern. „Es gab von Toll Collect schon ein sogenanntes stilles Update“, sagt Dau.

60 Säulen in Brandenburg

Toll Collect übernimmt für den Bund nach dem Aufbau und Betrieb des Maut-Systems auf den Autobahnen nun auch das Maut-System an den Bundesstraßen. Dafür werden derzeit deutschlandweit rund 600 Kontrollsäulen gebaut, knapp 60 davon in Brandenburg.

Bei Verstoß droht saftiges Bußgeld

Die blauen Säulen, die auf öffentlichem Grund errichtet werden und einen Stromanschluss sowie ein Mobilfunknetz brauchen, erinnern zwar an überdimensionierte Blitzer, doch sie dienen allein der Mautkontrolle, sagt Toll-Collect-Sprecherin Claudia Steen. Soll heißen, teure Briefe müssen lediglich Brummifahrer und Speditionen fürchten, die noch keine Technik in ihren Autos installiert haben, damit die Mautgebühren kontrolliert und abgerechnet werden können. Sie müssen dann wegen Mautprellerei mit einem saftigen Bußgeld rechnen – 240  Euro hat der Fahrer laut dem Bußgeldkatalog des Bundesamtes für Güterverkehr zu zahlen, zusätzlich muss die Spedition 480 Euro zahlen.

Die Zahl der mautpflichtigen Straßen potenziert sich

Das Geschäft mit der Maut wird sich für den Bund wohl lohnen, sagt Eberhard Tief, der Geschäftsführer des Landesverbandes des Berliner und Brandenburger Verkehrsgewerbes (LBBV). Wächst doch die Zahl der mautpflichtigen Straßen in Deutschland immens – von derzeit etwa 12 000 Kilometern auf dann 150 000 Kilometer. „Das größte Flächennetz in der Bundesrepublik sind nun mal die Bundesstraßen“, sagt Tief. Die Folge wären laut Informationen der Süddeutschen Zeitung zusätzliche Einnahmen von bis zu 2,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Alle Speditionen stehen nun vor der Aufgabe, wie sie die neuen Kosten am besten so verteilen, dass sie mit ihren Fuhren keine Miesen machen. „Wir haben jedem empfohlen, die Kosten schon vorher einmal durchzurechnen“, so Geschäftsführer Tief. Der LBBV hat etwa 350 Mitglieder.

Irritationen über die Säulen

Tief weiß, dass viele Autofahrer glauben, dass die Kontrollsäulen auch als Blitzer dienen. Das sei technisch vielleicht sogar möglich, aber gesetzlich verboten, betont der Geschäftsführer. „Die Säulen werden nur für die Mautkontrolle genutzt.“, und zwar ähnlich wie die sogenannten Kontrollbrücken auf den Autobahnen. Passiert ein mautpflichtiges Fahrzeug eine Kontrollstelle, werden ein Übersichts-, ein Seitenansichts- und ein Kennzeichenbild gemacht. Das im Fahrzeug befindliche Gerät („On-board-unit“, auch Obu genannt) sendet die vom Fahrer eingestellten Daten, wie die Zahl der Achsen, an die Kontrollsäule. Hat alles seine Richtigkeit, werden die Bilddaten noch in der Kontrollsäule gelöscht, heißt es von Toll Collect.

Besteht der Verdacht auf einen Mautverstoß, werden die Daten an ein Kontrollzentrum weitergeleitet und müssen dann nach Abschluss des Verfahrens gelöscht werden. So schreibt es das Bundesfernstraßenmautgesetz vor.

Pkw-Maut verschoben

LBBV-Chef Tief geht davon aus, dass das neue Maut-System ab Juli funktionieren und keine Probleme bereiten wird. „Auch die polnischen Nachbarn kennen unser System.“

Der Neuruppiner Olaf Dau wundert sich allerdings, warum jetzt die Maut für Lkw auf Bundesstraßen eingeführt wird, während von der Pkw-Maut derzeit kaum noch die Rede sei. Dabei wurde die Pkw-Maut formell bereits 2016 eingeführt. Aber die Lobby dagegen war bisher stärker. Nun heißt es, dass die Pkw-Maut vielleicht 2020 kommt.

Von Andreas Vogel