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Ostprignitz-Ruppin Das Schulstart-Projekt wird international
Lokales Ostprignitz-Ruppin Das Schulstart-Projekt wird international
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19:40 09.08.2017
In Budapest haben Ivo Haase (l.) und seine Mitstreiter der Wirtschaftsjunioren am Dienstag die ersten Spenden übergeben.
In Budapest haben Ivo Haase (l.) und seine Mitstreiter der Wirtschaftsjunioren am Dienstag die ersten Spenden übergeben. Quelle: Gunda-Alexandra Detmers
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Neuruppin

Dass es einmal so erfolgreich laufen würde, das hatte Ivo Haase nicht erwartet, als er das Projekt Schulstart vor einigen Jahren mit anderen ins Leben rief. Jedes Jahr sammeln die jungen Unternehmer der Wirtschaftsjunioren zusammen mit dem Lions Club, den Leos und der Arbeiterwohlfahrt Spenden, um Familien mit wenig Geld beim Start ihrer Kinder in die Schule zu unterstützen. Die Kinder bekommen ganze Schulranzensets, mit Heften, Stiften, Malfarben und Spielen. Jedes Jahr erhalten dutzende Familien, die auf die Hilfe der Neuruppiner Tafel angewiesen sind, außerdem zum Beginn des Schuljahres Gutscheine für eine Grundausstattung, die die Jugendlichen fürs nächste Schuljahr brauchen. Auch viele Flüchtlingsfamilien sind darunter.

Das Projekt läuft so erfolgreich, dass immer mehr Firmen und Bürger mithelfen wollen. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 30 000 Euro zusammen. Jetzt wird Schulstart erstmals international. Die Helfer aus Neuruppin unterstützen in diesem Jahr auch Projekte für arme Menschen in der ungarischen Hauptstadt Budapest, in Zagreb in Kroatien und in Slowenien. Der Neuruppiner Wirtschaftsjunior Ivo Haase koordiniert das Schulstart-Vorhaben. Gerade ist er unterwegs, um die Schulsachen nach Ungarn, Kroatien und Slowenien zu bringen. Im Gepäck hat er 50 Schulranzensets und Schulmaterial für zusammen rund 10 000 Euro.

Erst Budapest, dann Zagreb und Ljubljana

In Budapest war er am Dienstag. Dort unterstützen die Helfer aus Ostprignitz-Ruppin einen Kindergarten der evangelisch-methodistischen Kirche. Er liegt im achten Bezirk von Budapest, einem sozialen Brennpunkt. Die Kita betreut viele Kinder aus Familien mit wenig Geld – oft Kinder aus Sinti- und Roma-Familien, die in Ungarn ein besonders hartes Leben haben. Für viele Mädchen und Jungen ist der Kindergarten der einzige Ort, an dem sie Fürsorge bekommen, ausreichend Essen und Hygiene. Die Wirtschaftsjunioren Ungarn unterstützen die Kita seit zwei Jahren. Bisher gab es aus Brandenburg 44 Kindergartenstühle und einen Wäschetrockner als Hilfe für die Arbeit. Jetzt kommt das Schulmetarial dazu.

Gestern ist Ivo Haase weiter gefahren nach Zagreb. In Kroatien wollen die Wirtschaftsjunioren aus Neuruppin „AsyLove“ unterstützen, ein langjähriges Projekt, das Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, der Türkei und anderen Ländern helfen will, fern ihrer Heimat wieder Fuß zu fassen. Viele der Geflüchteten, die in Kroatien leben, sind Muslime – 80 Prozent der Kroaten sind dagegen katholisch. Das Projekt der Hilfsorganisation „Are you syrious“ will helfen, zwischen den Kulturen Brücken zu bauen.

In Sloweniens Hauptstadt Ljubljana arbeiten die Ostprignitz-Ruppiner mit der Vereinigung der Freunde der Jugend Ljubljana Moste-Polje zusammen. Sie setzt sich seit 60 Jahren für gleiche Lebensbedingungen aller Kinder und Jugendlichen ein, organisiert Sport- und Kulturveranstaltungen und zahlt Zuschüsse, damit sich arme Familien Essen und medizinische Hilfe leisten können.

Im September besucht Matthias Platzeck das Projekt in Neuruppin

„Gerade, wenn es um den Umgang mit Flüchtlingen geht, haben diese Länder bei uns nicht gerade den besten Ruf“, sagt Ivo Haase. Die Helfer aus Neuruppin haben sich deshalb gezielt für Ungarn, Kroatien und auch Slowenien entschieden – auch, um ein Zeichen in Deutschland zu setzen. „Ich finde es wichtig zu zeigen, dass es auch in diesen Ländern ein großes bürgerschaftliches Engagement für Flüchtlinge gibt“, sagt Haase. „Die Menschen in Europa sind überall gleich, wenn es um das Engagement füreinander geht.“

Mitte September feiern die Schulstart-Organisatoren in Neuruppin mit allen Sponsoren, Spendern und Unterstützern offiziell den Abschluss für dieses Jahr. Zu dem Treffen bei der Neuruppiner Tafel hat sich diesmal auch Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck angesagt.

Von Reyk Grunow