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Ostprignitz-Ruppin Das Wohngebiet West wird wiederbelebt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Das Wohngebiet West wird wiederbelebt
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18:27 04.04.2017
Die Konzentration der Stadtverwaltung richtet sich ab jetzt auf das Wohngebiet westlich der Bahnlinie.
Die Konzentration der Stadtverwaltung richtet sich ab jetzt auf das Wohngebiet westlich der Bahnlinie. Quelle: Matthias Anke
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Kyritz

Das Gebiet westlich der Kyritzer Bahnlinie hat ab jetzt einen eigenen Manager. Jörg Mose heißt der Mann, der es richten soll. Das Viertel, in dem sich viele seit Jahren von der Stadt vernachlässigt fühlen, soll schließlich wieder aufgewertet werden, nicht nur baulich, auch menschlich. Das Nachbarschaftsleben soll wieder aktiviert werden. Dabei rückt Kyritz-West jetzt auch in den Mittelpunkt allen Verwaltungshandelns. Nicht zuletzt ist das Gebiet seit Herbst vorigen Jahres in das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ aufgenommen worden.

Als sich Jörg Mose jetzt einigen – vorwiegend älteren – Einwohnern als die neue Schnittstelle zwischen Stadt, Sanierungsträgern, Akteuren wie Vereinen und eben allen Bürgern vorstellte, fehlte auch die Rathausspitze nicht: Neben Bauamtsleiterin und Vize-Bürgermeisterin Katharina Iredi, Kämmerer Michael Köhn, Veronika Lausch als Amtsleiterin für Bildung und Soziales kam Bürgermeisterin Nora Görke: „Hier lebt ein Drittel der Kyritzer Stadtbevölkerung, und in den 1950er und 60er Jahren waren das alles vorwiegend junge Menschen. Heute gehören sie zu den Älteren hier“, sagte sie mit Blick auf die Gäste und definierte das Ziel: „Die Wohnqualität soll sich wieder verbessern.“

Die Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke kam mit sämtlichen Amtsleitern zur Vorstellung des neuen Quartiermanagers Jörg Mose (r.). Quelle: Matthias Anke

Nachbarschaftliche Verhältnisse im Fokus

Sie alle hatten sich im sogenannten „Weltraum“ eingefunden, dem Stadtteilbüro im Prignitz-Center, in dem neben den beiden Mitarbeitern der Berlin-Brandenburgischen Landjugend und der Kyritzer Seniorenbeauftragten Bärbel Kleybrink nun eben auch Jörg Mose anzutreffen ist. Der 42-Jährige ist von Beruf Geograf mit dem Schwerpunkthema Raumplanung. Er arbeitet bei der Schweriner Gesellschaft für Dienstleistungen, Infrastruktur und Bauten – und ist nun im Auftrag der Stadt Kyritz tätig. „Das Gesicht des Viertels wird sich zum Positiven verändern. Die nachbarschaftlichen Verhältnisse können sich verbessern“, sagte Mose: „Dazu aber muss ich wissen, was fehlt. Was muss gemacht werden?“ Mose sei dabei auf die Hilfe der Einwohner angewiesen. Er verwies auf seine Sprechzeiten im Büro: montags 15 bis 21 Uhr, mittwochs 17.30  bis 20 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr. Oberstes Ziel soll es sein, die Einwohnerschaft einzubeziehen, wenn demnächst Planungen und bauliche Maßnahmen im Viertel anstehen. Es geht um Fragen, Anregungen, Beschwerden.

Ein gutes Dutzend – vor allem älterer – Einwohner nahm die erste Einladung von Jörg Mose zum Kaffeenachmittag an. Quelle: Matthias Anke

Um die Leute zu erreichen, lädt Mose zum ersten Montag im Monat ab 15 Uhr für einen Kaffeeklatsch zu sich ein. Am jeweils dritten Montag gibt es ein „Nachbarschaftsgrillen“, und zwar an wechselnden Orten. Der Aufgang einer Bürgerin, die sich zu Wort meldete, könnte dafür in Frage kommen: „Ich bin gebürtige Rostockerin, lebte aber die letzten 25 Jahre in Hessen und kam nun nach Kyritz. Ich dachte ja, anonymes Wohnen gibt es nur im Westen. Hier ist es aber auch nicht mehr wie früher, sondern genauso geworden.“ Fritz Neye, der einst aus Großderschau nach Kyritz kam, sagte: „Wer Kontakte knüpfen möchte, findet sie.“ Neye ist dagegen vielmehr an Sitzgelegenheiten und vernünftigen Straßenzuständen interessiert. Ansonsten aber sei das Leben im Westteil der Stadt „ruhig und angenehm“. Er wohne gerne dort.

Dass es baulich auch seitens der Wohnungsbaugesellschaft Verbesserungen geben wird, versprach Gabriele Schuster als deren Chefin: „2019 haben wir die richtig großen Darlehen abbezahlt. Von da an können wir wieder in Dinge investieren, die auch von außen sichtbar sind.“ Schuster appellierte allerdings auch an die weiteren Vermieter in dem Gebiet, sich ebenso einzubringen und meinte damit vor allem die Wohnungsbaugenossenschaft.

Von Matthias Anke