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Ostprignitz-Ruppin Dem Tode entronnen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Dem Tode entronnen
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14:18 14.03.2014
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Genrefoto Quelle: dpa
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Neuruppin

Adriana F. sitzt da, einen Schal vor den Mund gezogen. Als Rechtsmediziner Johannes Neumann ihre Verletzungen aufzählt, verbirgt sie ihr Gesicht in den Händen. Kaum einen heilen Gesichtsknochen hatte die 44-Jährige, nachdem sie am 16.August vergangenen Jahres in Wusterhausen brutal zusammengeschlagen worden war.

Der 26-jährige Pawel J. soll sie so zugerichtet haben, dass sie auf Dauer entstellt sein wird. Der gebürtige Küstriner steht wegen versuchten Mordes seit Dienstag vor dem Landgericht Neuruppin. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er ein sexuelles Interesse an seiner Landsmännin und Arbeitskollegin hatte. Als sie ihn zurückwies, aus ihrer Wohnung floh, um bei Bekannten in der Nachbarschaft Hilfe zu holen, soll er sie verfolgt, eingeholt und massiv aufden Kopf geschlagen haben.

Dass er etwas von Adriana F. wollte, hatte Pawel J. am ersten Verhandlungstag abgestritten. Das wird jedoch widerlegt durch Handy-Nachrichten, in denen er sie mit "Schatz" anredet und die eindeutig sexuelle Absichten offenbaren. Er hatte zugegeben, sie mit Fäusten mehrfach bearbeitet zu haben, nachdem sie ihn geschlagen habe. Eine genaue Erinnerung habe er aber nicht mehr.

Adriana F. war bewusstlos, als der Notarzt in jener Nacht eintraf. "Ohne Beatmung wäre sie erstickt", sagte Rechtsmediziner Neumann. Ihre Verletzungen seien lebensgefährlich gewesen. "Ohne fremde Hilfe wäre sie auf der Straße gestorben." Oberkiefer, Unterkiefer, Augenhöhlen, Jochbeine waren gebrochen. Das spreche für gezielte, mit Wucht ausgeführte Faustschläge, so Neumann. Die Fotos von Adriana F. zwei Tage nach der Tat wollte sich der Angeklagte, der sonst großen Anteil an der Verhandlung nimmt, nicht ansehen. Zur Frage der Schuldfähigkeit stand der psychiatrische Gutachter Alexander Böhle gestern Rede und Antwort. Er kam zu dem Schluss, dass Pawel J. an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet, die aber keinen Krankheitswert hat. Pawel J. habe ein gestörtes Verhältnis zu Frauen. "Sein Frauenverständnis halte ich für hoch problematisch", so Böhle. Ab seinem neunten Lebensjahr lebte der Angeklagte bei seinem Vater, nachdem die Mutter die Familie verlassen hatte. Zudem sei der Angeklagte extrem schnell gekränkt. Böhle ging davon aus, dass PawelJ. zur Tatzeit alkoholbedingt enthemmt war. Eine Blutalkoholuntersuchung ergab einen Wert von 1,45Promille. Für eine erhebliche Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit, die eine Strafminderung zur Folge hätte, gab es jedoch aus Sicht des Gutachters keine Anhaltspunkte. Anders läge der Fall, wenn Adriana F. ihn noch auf der Straße geschlagen oder sonst so gekränkt hätte, dass Pawel J. ausgerastet wäre, antwortete Böhle auf Nachfrage des Gerichts.

Das Landgericht in Neuruppin will am kommenden Dienstag entscheiden.

Von Dagmar Simons

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