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Ostprignitz-Ruppin Der Hitler von Zehdenick
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00:21 22.01.2018
Die Autorin Manja Präkels aus Zehdenick liest in der Rheinsberger Remise aus ihrem Buch „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß". Quelle: Jonas Nayda
Rheinsberg

„Vielleicht hat Hitler mir das Leben gerettet, damals“, sagt Manja Präkels. Früher, als gewalttätige Banden durch ihre Stadt gezogen waren. Die Autorin erzählt in ihrem autobiografischen Roman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ von ihrer Jugend in Zehdenick in den 1990er Jahren. Am Donnerstag Abend las sie in der Rheinsberger Remise aus ihrem Buch vor.

„Hitler“ war der Kampfname eines berüchtigten Bandenführers. Manja Präkels kannte Hitler, der mit richtigem Namen eigentlich Oliver hieß, noch aus unbeschwerten Kindertagen in der DDR. Doch später, nach dem Mauerfall, zu Beginn der 90er Jahre verwandelte sich die idyllische Kleinstadt am Havelufer für Manja Präkels in eine braune Hölle, in der sie von glatzköpfigen Jugendlichen durch dunkle Straßen gejagt wurde und immer wieder Freunde von ihr brutal zusammengeschlagen wurden. Manja Präkels ist von der Gewalt selbst meistens verschont geblieben. Möglicherweise schützte sie die Kindheitsbeziehung zu Hitler.

Einem Freund gewidmet, der totgeprügelt wurde

In ihrem Buch hat die 42-jährige Autorin, die inzwischen in Berlin lebt, die Erinnerungen an diese Zeit festgehalten. Sie hat das Werk einem Freund gewidmet, der 1992 bei einem Nazi-Angriff auf eine Diskothek in Zehdenick totgeprügelt wurde.

„Es war eine atemlose Zeit. Viele Menschen erinnern sich erst heute wieder daran. Lange hat es in Brandenburg keine gesellschaftliche Debatte über rechte Gewalt gegeben“, sagt Präkels nach der Lesung. Ihr sei es wichtig, dass ein sachlicher Diskurs entsteht und vor allem, dass Behörden und öffentliche Institutionen sich klar gegen Rassismus und Homophobie aussprechen.

Debatte erhielt durch „Deutschboden“ neuen Gesprächsstoff

Die gesellschaftliche Debatte über Rechtsradikalismus in Brandenburg hatte zuletzt 2010 neuen Gesprächsstoff bekommen, als der Journalist und Autor Moritz von Uslar sein Buch „Deutschboden“ herausgebracht hatte. Das Werk beruhte auf einer mehrmonatigen „teilnehmenden Beobachtung“ des Lebens in Zehdenick im Jahr 2009.

Manja Präkels hatte das Buch, vor allem aber die Art und Weise, wie Moritz von Uslar bis zuletzt die Protagonisten aus Zehdenick zu Wort kommen ließ, scharf kritisiert. Präkels kannte eben jene Protagonisten aus „Deutschboden“ selbst noch von früher. Ihrer Meinung nach verharmloste von Uslar die ehemaligen Nazis.

Manja Präkels kommt aus Zehdenick

Die Veröffentlichung von Präkels autobiografischem Roman war allerdings nicht als direkte Antwort auf „Deutschboden“ gedacht gewesen. Bereits seit 2005 arbeitete Präkels an einer Anthologie über ihre Heimatstadt Zehdenick. Dass nun eine große öffentliche Diskussion zwischen von Uslar und Präkels entstanden ist – das Spiegel-Magazin und die Wochenzeitung „Die Zeit“ hatten lange Artikel veröffentlicht – versteht Präkels als Chance für die Gesellschaft: „Ich wünsche mir nur, dass die Debatte weniger an uns Autoren und viel mehr am eigentlichen Thema aufgehängt wird“, sagt Präkels. Bis heute sei die Vergangenheit oftmals nicht vollständig aufgearbeitet worden.

„Die Protagonisten von damals sind heute Pegida oder AfD“, so Präkels. Gute Bildung und Aufklärung in der Schule seien der beste Weg, rechte Gewalt zu bekämpfen. Jeder müsse bei sich selbst anfangen.

„Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“, von Manja Präkels. 2017 erschienen im Verbrecher Verlag, 232 Seiten, Preis: 20 Euro.

Von Jonas Nayda

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