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Ostprignitz-Ruppin Der Landkreis braucht mehr Ärzte
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der Landkreis braucht mehr Ärzte
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00:19 29.01.2018
Wer einen Termin beim Facharzt braucht, muss mitunter lange warten – oder weit fahren.
Wer einen Termin beim Facharzt braucht, muss mitunter lange warten – oder weit fahren. Quelle: DPA
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Neuruppin

Laut den Zahlen ist die Lage zwar besser als gedacht, doch wirklich gut ist die medizinische Versorgung im Landkreis auch nicht. Zum einen fehlt es derzeit sowohl in Neuruppin als auch in Kyritz an je einem Hausarzt, zum anderen sind die niedergelassenen Ärzte in der Region nicht mehr die Jüngsten. „Das Durchschnittsalter liegt bei 54 Jahren“, sagte Landrat Ralf Reinhardt (SPD) am Donnerstag nach einem Gespräch, zu dem der Kreisseniorenbeirat Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Brandenburg nach Neuruppin eingeladen hatte.

Überall lange Wartezeiten in den Praxen

„Es gibt überall lange Wartezeiten in den Arztpraxen und viele Diskussionen“, betonte Sigrid Schumacher, die Vorsitzende des Beirates. Misslich sei zudem, dass sich die meisten Facharztpraxen in Neuruppin befänden. „Die auf dem Lande lebenden Senioren müssen dorthin fahren, das macht den ländlichen Raum nicht eben attraktiv“, so Schumacher. Diese Kritik versteht Christian Wehry, der Sprecher der KV Brandenburg, wohl. Doch eine Änderung ist nicht zu erwarten. „Wir können nicht für jedes Dorf einen Chirurgen vorhalten.“ Zudem wohnten in Kreisstädten nun mal die meisten Leute, so Wehry. Aus Sicht der KV ist deshalb vor allem wichtig, dass es bei der Versorgung mit Hausärzten keine Engpässe gibt. Engpässe gibt es zwar nicht, gleichwohl räumte Wehry Probleme ein. Denn die Grundlage für die „sogenannte Bedarfsplanung“ von Ärzten für die Regionen stammt aus einer Zeit, als Horst Seehofer (CSU) noch Bundesgesundheitsminister war – und Angst vor einer Arztschwemme in der Bundesrepublik hatte.

Verlässliche Planung nicht möglich

Das ist 30 Jahre her. Trotzdem hat sich an den Grundlagen für die Ärzteplanung kaum etwas geändert, obwohl seitdem sowohl einen enormen medizinischen Fortschritt gegeben hat als auch immer mehr ältere Menschen mit immer mehr Erkrankungen in Deutschland leben. Hinzu kommt, dass Ärzte nicht sagen müssen, wie lange sie noch praktizieren wollen. „Das macht eine verlässliche Planung nicht möglich“, so Reinhardt. Manche Ärzte praktizieren noch mit 70 oder 80 Jahren – und blockieren damit den Platz für einen jüngeren Mediziner. Der Landrat hofft, dass Absolventen der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) Theodor Fontane mal einige der frei werdenden Praxen in Ostprignitz-Ruppin übernehmen werden. Zwar seien die meisten Studenten zunächst skeptisch, weil sie von einer Arbeit in einer größeren Stadt oder in einem Krankenhaus träumen. Doch wandele sich dieses Bild bei einigen mit dem Studium, so Reinhardt. Der Landrat glaubt, auch den Grund dafür zu kennen – weil die Studenten jede Woche für einen Tag in einer Hausarzt- oder Facharztpraxis arbeiten.

Froh, dass es die Hochschule in Neuruppin gibt

Auch KV-Sprecher Wehry ist „froh und glücklich“, dass es die MHB gibt. Das sei ein „ganz, ganz wichtiger Partner“. Die KV fördert Ansiedlungen von jungen Ärzten mit bis zu 55 000 Euro. Damit sich aber wirklich junge Mediziner in der Region niederlassen, müssten auch die Kommunen etwas dafür tun, sagte Seniorenbeiratschefin Sigrid Schumacher. Denn ausreichend Kitaplätze gehörten ebenso dazu wie attraktive Freizeitmöglichkeiten.

Aktuell gibt es im Altkreis Neuruppin 37 Hausärzte, im Altkreis Kyritz 19 und im Bereich Pritzwalk-Wittstock 28.

Ein Hausarzt für 1544 Einwohner

In Brandenburg betreut ein Arzt im Schnitt 662 Menschen, ein Hausarzt ist laut den Daten der Kassenärztlichen Vereinigung für 1544 Einwohner zuständig.

Die Grundstruktur der Ärzteversorgung gliedert sich in vier Stufen: Hausärzte im sogenannten Mittelbereich (den Altkreisen); allgemeine Fachärzte wie Augen-, Frauen-, HNO- und Kinderärzte sowie Urologen, Chirurgen, Orthopäden und Psychotherapeuten auf Landkreisebene; spezialisierte Fachärzte wie Anästhesisten, Radiologen sowie Kinder- und Jugendpsychiater im Bereich der fünf Planungsgemeinschaften im Land und gesonderte Ärzte wie Nuklearmediziner und Neurochirurgen auf Landesebene.

Von Andreas Vogel