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Ostprignitz-Ruppin Der Macher hinter den Kulissen geht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der Macher hinter den Kulissen geht
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00:18 22.12.2016
Schlange stehen war angesagt, um Hans Schaefer (r.) persönlich in den Ruhestand verabschieden zu können. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Etwas komisch war ihm am Montag schon. Zwar ist Hans Schaefer ein gestandener Mann, der sich seit mehr als 25 Jahren für die Entwicklung von Neuruppin stark macht, aber meist knüpfte der gelernte Fernmeldebaumonteur dabei im Hintergrund die Fäden. Am Montag jedoch stand der langjährige Wirtschaftsförderer Schaefer im Mittelpunkt: Der 67-Jährige wurde bei einem Empfang im „Seegarten“ von mehr als 60 Vertretern aus Politik, Verwaltung, Handwerk und Wirtschaft in den Ruhestand verabschiedet.

Hans Schaefer redet nicht nur über Wirtschaft, er versteht auch etwas davon“, sagte Ralf Christoffers. Der Landtagsabgeordnete (Linke) und einstige Wirtschaftsminister (von 2009 bis 2014) erinnerte daran, dass Schaefer ihn seinerzeit beharrlich davon überzeugt hatte, 40 000 Euro für eine Studie zur Kyritz-Ruppiner Heide zur Verfügung zu stellen. Christoffers gewährte den Zuschuss – obwohl sein Ministerium für den einstigen Truppenübungsplatz überhaupt nicht zuständig gewesen wäre. Der Einsatz hat sich gelohnt. Inzwischen erkunden Jahr für Jahr hunderte Touristen auf ersten Wanderwegen die Schönheiten der Kyritz-Ruppiner Heide. „Das ist ein Erfolg. Erst Recht, wenn man weiß, was sich in der Heide noch alles an Munition im Boden befindet“, betonte Schaefer.

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Chef der Gesellschaft für Konversion

Mit dem Umgang einstiger Militärflächen ist der gebürtige Neuruppiner, der in Gildenhall und in Alt Ruppin zur Schule ging und später in Leipzig und Dresden studierte, bestens vertraut. 1994 wurde Schaefer, der zuvor vier Jahre Stadtverordneter war, Chef der Gesellschaft für Konversion. Diese kümmerte sich erst um die Schadstoffe auf dem ehemaligen Flugplatz in der Fontanestadt, dann ebenfalls um die Hinterlassenschaften auf ehemaligen Militärflächen in Fürstenberg, Perleberg, Prenzlau und Wittstock. Stets ging es darum, die Gebiete wieder für eine zivile Nutzung herzurichten.

Ein paar Jahre später durfte sich Schaefer zusätzlich um die Wirtschaftsförderung von Neuruppin kümmern sowie darum, dass aus der Pfarrkirche ein erfolgreiches Kultur- und Veranstaltungszentrum der Stadt wird. Dass dies gemeinsam mit der evangelischen Kirche gelungen ist, sei vor allem dem Veranstaltungsmanager Andreas Vockrodt und seinem Händchen für sehr gut nachgefragte Veranstaltungen zu verdanken. „Das ist ein großer Glücksfall“, sagte Schaefer. Er verheimlichte auch nicht, dass die Sanierung der einstigen Flächen des Gaswerkes in Neuruppin weitaus weniger glücklich verlief. „Die Kosten sind uns da aus dem Ruder gelaufen“, bekannte Schaefer. Denn statt der geplanten 700 000 Euro mussten fast zwei Millionen Euro investiert werden. Gelohnt hat sich die Investition dennoch. Heute steht auf dem Areal das 4-Sterne-Hotel Resort Mark Brandenburg mit seiner Therme.

Großes Lob von Bürgermeister Golde

Hans Schaefer hat die Stadt von der Pike an mitgestaltet. Er war dabei stets loyal und sachlich“, lobte Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin). Die Ruhe, die Schaefer dabei meist ausstrahlte, dürfte ihm allerdings bei dem Projekt Sonnenufer am Ruppiner See nicht immer leicht gefallen sein. Immerhin war eher zufällig bekannt geworden, dass unter dem benachbarten Wohngebiet Schadstoffe in der Erde und im Grundwasser schlummern. „In der Zeit war die Vermarktung der Grundstücke schwierig“, so Schaefer. Doch das ist Vergangenheit. Die Grundstücke auf dem einstigen Kollwitzplatz sind längst alle vergeben und bebaut.

Schaefer, der seit 2006 im Vorstand des Unternehmervereins Pro Heide und seit 2008 ebenfalls im Stadtvorstand der Partei der Linken ist, glaubt nicht, dass er in seinem Ruhestand nun in ein Loch fallen wird. „Ich muss jetzt nicht mehr nach den Terminen in meinem Kalender leben. Darauf freue ich mich“, sagte er. Schließlich kann der Strippenzieher nun endlich mehr Zeit mit seiner Familie verbringen – und seinem Hobby als Angler kann der Neuruppiner künftig auch wieder mehr frönen.

Von Andreas Vogel