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Ostprignitz-Ruppin Die Weihnachtsfamilie von Wittstock
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00:19 25.12.2017
Norbert und Susanne Schulz aus Wittstock. Er hat am 24., sie am 23. Dezember Geburtstag. Quelle: Björn Wagener
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Wittstock

Weihnachten ist eine ganz besondere Zeit. Das kann wohl niemand so sehr für sich behaupten wie Familie Schulz aus Wittstock. Denn am Heiligabend hat nicht nur Norbert Schulz Geburtstag, sondern auch Sohn Ricardo. Ehefrau Susanne Schulz verpasst das heilige Datum zudem nur um einen Tag und kann bereits heute feiern.

Damit dürfte klar sein: Die Schulzes sind Wittstocks Weihnachtsfamilie. Und genau genommen setzen sie sogar noch eins drauf: „Mein Bruder hat am 26. Dezember Geburtstag“, sagt Susanne Schulz. Mehr Geburtstag zu Weihnachten geht kaum – oder eben Weihnachten zum Geburtstag.

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Bis mittags Geburtstag, danach Weihnachten

Tatsächlich gebe es beim Feiern eine Art Rangfolge – bis zum Mittag etwa ist Zeit für den Geburtstag. Erst danach wird es für den Rest des Tages weihnachtlich. „Das geht nahtlos über“, sagt Norbert Schulz. Mit den Jahren habe sich die Familie darauf eingestellt und empfinde das als gar nicht mehr so außergewöhnlich. Üppige Geburtstagsfeste sind zwar schon deshalb schwierig, weil sich am Heiligabend jeder auf die eigene Familie besinnt. „Aber wir sind keine großen Partygänger“, deshalb sei das nie wirklich ein Problem gewesen. Und bei runden Geburtstagen mussten sich Schulzes eben etwas einfallen lassen. „Zu meinem 60. sind wir nach Teneriffa geflüchtet. Aber Weihnachten zu Hause ist schöner“, erzählt Norbert Schulz. Sein 70. sei auf die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr „ausgelagert“ worden, um ihn etwas größer feiern zu können.

Am Sonntag wird Norbert Schulz 71; seine Frau Susanne am Samstag 70. Am Heiligen Abend geht es nach dem Mittag zu Sohn Torsten (45), der in Wittstock wohnt, um dort gemeinsam Kaffee zu trinken. „Das machen wir jetzt schon viele Jahre so.“ Sohn Ricardo, der Heiligabend 49 Jahre alt wird, lebt in Hameln, kommt aber zu Weihnachten meist nach Hause. Dann werde die Zeit bei der Familie seiner Frau verbracht, die aus Wulfersdorf stammt – und natürlich bei seinen Eltern.

Nicht alles in einen Topf

Familie Schulz vermeidet es, die Feiern terminbedingt alle in den berühmten großen Topf zu werfen. Der Geburtstag von Susanne Schulz werde eigenständig gefeiert, auch wenn er nur einen Tag zuvor stattfindet. Es sei oft so gewesen, dass Gäste einen weiteren Tag blieben, um Norbert Schulzes Geburtstag ebenso zu feiern. Auch Heiligabend habe man dann gemeinsam verbracht. Schließlich stammt Susanne Schulz aus Sachsen-Anhalt. Da dauert die Anreise von Familienangehörigen etwas länger – und die Gäste sollten natürlich nicht zur besten Bescherungszeit im Auto sitzen.

Die Ausgelassenheit eines Geburtstages und die Besinnlichkeit von Weihnachten unter einen Hut zu bekommen ist eine Herausforderung, die nicht ganz ohne Kompromisse abgeht. Diese Erfahrung machen Schulzes jedes Jahr aufs Neue. „Aber wir haben uns damit arrangiert“, sind sie sich einig.

Als Kind hieß es oft: „Das ist aber auch für Weihnachten

Höchstens als Kind sei es manchmal etwas ärgerlich gewesen. Denn dann habe es zum Geburtstag meist geheißen: „Das ist aber auch für Weihnachten.“ Es sei aus der Not heraus so gewesen. „Damals in den 1950ern gab es ja ohnehin keine großen Geschenke. Man hat sich also damit abgefunden“, erzählt Norbert Schulz. Sohn Ricardo sei als Kind an seinem Geburtstag tagsüber meist mit Freunden unterwegs gewesen und habe sich später zur Bescherung wieder zu Hause eingefunden, sagt Susanne Schulz. Auch für ihn habe früher gegolten: vormittags Geburtstag, danach Weihnachten.

Für die Weihnachtsfamilie mag das alles nichts Spektakuläres mehr sein. Für alle anderen jedoch bleiben ihre Geburtstage etwas Besonderes. In Ämtern etwa, wenn der Sachbearbeiter einen Blick auf den Ausweis wirft, hört Norbert Schulz oft immer wieder die gleichen drei Worte: „Ach, ein Christkind“.

Von Björn Wagener

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