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Ostprignitz-Ruppin Drohende Schließung von Bahnhöfen sorgt für Unruhe
Lokales Ostprignitz-Ruppin Drohende Schließung von Bahnhöfen sorgt für Unruhe
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08:01 12.07.2014
Nicht immer hält die Bahn in Netzeband. Der Sonderzug zum Brandenburgtag in Neuruppin raste am 8. September 2002 ohne Halt durch den Bahnhof. Quelle: Christian Schmettow
Netzeband

Den Bahnhof in Netzeband schließen? Das will sich Martina Untersteiner vom Hotel Märkische Höfe nicht vorstellen. Am Freitag beriet die Verkehrsministerkonferenz indirekt auch darüber: Brandenburg will mehr Geld für den Regionalverkehr. Sonst drohe Bahnhöfen mit weniger als 50 Fahrgästen am Tag das Aus. 60 Bahnhöfe im Land stehen auf dem Prüfstand - darunter Walsleben, Netzeband, Dossow, Fretzdorf, Herzberg (Mark) und Liebenthal (Prignitz). Der Deutsche Bahnkundenverband fürchtet eine Schließung schon zum Fahrplanwechsel im Dezember. Das Verkehrsministerium spricht lieber von "Optimierungsbedarf" - von einer besseren Abstimmung der Zug- und Busfahrpläne, zum Beispiel.

Besucher aus Berlin könnten wegbleiben

Die Hotelbesitzerin aus Netzeband kennt viele Gäste, die in Berlin wohnen und kein Auto besitzen, weil man das in der Stadt nicht braucht. Sie kämen jedes Wochenende mit der Bahn nach Netzeband. Einige wohnen im Hotel, andere haben sich Wohnungen gekauft. "Die Gäste haben sich Netzeband explizit ausgesucht, weil das auch am Wochenende ohne Auto zu erreichen ist", sagt Martina Untersteiner. Die Märkischen Höfe sind außerdem Gastgeber für Seminare und Schulungen. Dafür sei es wichtig, dass das Hotel mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Junge Schauspieler, die beim Theatersommer mitmachen, sind ebenfalls auf den Zug angewiesen. Ganze Horden zögen in der Saison zum Bahnhof.

Auch Elke Wolter, die in Netzeband eine Pension betreibt, fürchtet, dass einige ihrer Gäste ohne Bahnhof nicht mehr zum Theatersommer kommen.

Die Sprecherin des Netzebander Theatersommers, Ute Schindler, fürchtet, dass vor allem Kinder- und Familienvorstellungen am Nachmittag weniger besucht würden: "Leuten, die nicht motorisiert sind, wird verwehrt, mit ihren Kindern Theater zu erleben." Für Besucher der Abendvorstellungen ist der Zug dagegen irrelevant: Der letzte in Richtung Neuruppin und Berlin verlässt Netzeband um 20.11 Uhr.

Bahndurchsagen im heimischen Garten

Auch für den Bürgermeister von Walsleben ist klar: "Wir wollen, dass unser Bahnhof erhalten bleibt." Burghard Gammelin wohnt nah am Gleis und hört in seinem Garten oft die Durchsagen, warum der Zug heute mal wieder nicht fährt - zum Beispiel, weil die erste Schneeflocke gefallen sei. "Die Bahn sollte erst einmal etwas dafür tun, dass die Leute die Chance haben, den Bahnhof zu nutzen", findet er. Dazu gehöre, dass der Prignitz-Express in Walsleben wieder stündlich hält statt alle zwei Stunden durchzurauschen; und dass man abends noch aus Berlin mit der Bahn zurück nach Walsleben kommt. Wer heute in Hennigsdorf den Anschluss an den RE 6 verpasst, weil die S-Bahn Verspätung hat, erreicht Walsleben, Netzeband, Fretzdorf oder Dossow erst zwei Stunden später - oder gar nicht mehr. Das sei vielen potenziellen Fahrgästen zu unsicher - sie nehmen lieber gleich das Auto.

Noch schwerer ist es in Herzberg, aufs Auto zu verzichten. Die Strecke Rheinsberg - Berlin wird nur noch von April bis Oktober bedient. Vor acht Jahren wurde außerdem der Verkehr nach Neuruppin eingestellt. Nun könnte in Herzberg bald gar kein Zug mehr halten. Die Bürgermeisterin Michaela Wolff findet das nicht in Ordnung. Sie kennt einen Herrn aus Berlin, der ein Haus in Herzberg hat und nur noch im Sommer herkommt, weil die Fahrt mit dem Bus "ewig" dauere.

Mögliche Lösung: Stopps jede Stunde statt alle zwei Stunden

Schon 2013 hatte es die Diskussion gegeben, ob Bahnhöfe geschlossen werden sollen. Die Temnitz-Amtsdirektorin Susanne Dorn hatte damals einen Brief an Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) geschrieben: "Bei der Frage darf es nicht allein um finanzielle Gründe gehen." Schließlich sei die Bahn im ländlichen Raum ein wichtiges öffentliches Verkehrsmittel - gerade für Ältere ohne Auto, die zum Arzt müssen, oder für Schüler. "Diese Leute brauchen die Regionalbahn", betont Susanne Dorn. Die Antwort aus dem Ministerium beruhigte die Amtsdirektorin. Es gebe "derzeit" keine Absichten, die Bahnhöfe in Netzeband und Walsleben stillzulegen. Da diese in einem relativ guten Zustand seien und dort in nächster Zeit nicht investiert werden müsse, habe das Land sogar ein "großes Interesse" am Weiterbestand dieser Haltepunkte, habe in dem Brief gestanden, sagt Dorn. "Ich hab' mir deshalb überhaupt keine Sorgen mehr gemacht." Die Amtsdirektorin hat eine Idee, wie sich die Zahl der Ein- und Ausstiege erhöhen ließe: Dazu müsste der Zug jede Stunde dort halten - und nicht nur alle zwei Stunden. "Dann würden viel mehr Leute den Zug nutzen", sagt Susanne Dorn.

"Verkehrspolitik nicht zukunftsgewandt"

Der stellvertretende Landrat Werner Nüse (SPD) warnt die Landesregierung davor, den ländlichen Raum weiter zu schwächen: "Statt den schon lange geforderten Stundentakt in Walsleben und Netzeband einzuführen, werden die Bahnstrecken durch noch weniger Zwischenhalte unattraktiv gemacht. Und das, nachdem viel Geld investiert wurde, die Strecken herzurichten." Diese Verkehrspolitik sei nicht zukunftsgewandt, sagt Werner Nüse.

Von Christian Schmettow und Andreas Vogel

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