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Ostprignitz-Ruppin "Er nimmt, was er kriegen kann"
Lokales Ostprignitz-Ruppin "Er nimmt, was er kriegen kann"
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00:55 18.10.2014
Seit 2008 streift ein Wolf durch die Kyritz-Ruppiner Heide. Quelle: David Ebener

Im September sind zwei Schafe auf einer umzäunten Weide in Katerbow gerissen und zwei weitere so schwer verletzt worden, dass sie vom Tierarzt eingeschläfert werden mussten. Kann man inzwischen sicher sagen, dass ein Wolf die Tiere gerissen hat?

Robert Franck: Die gezielten, kraftvollen Bisse in die Kehle, der Zahnabstand und die Fraßspuren lassen vermuten, dass es ein Wolf gewesen sein könnte. Sichere Erkenntnisse haben wir jedoch erst, wenn das Genmaterial auswertbar war und auch ausgewertet wurde. Wann diese Auswertung vorliegt, kann ich allerdings nicht sagen.

Hat möglicherweise der Wolf, der seit einigen Jahren die Kyritz-Ruppiner Heide durchstreift, in Katerbow zugeschlagen?

Franck: Das kann möglich sein.

Isegrim auf der Spur: Wolfsexperte Robert Franck. Quelle: Peter Geisler

Ist der Wolf in der Kyritz-Ruppiner Heide noch immer allein oder ist er vielleicht inzwischen in einem Rudel unterwegs?

Franck: Alle Spuren, alle Fotos aus den Fotofallen deuten darauf hin, dass er noch immer ein Einzelgänger ist. Die Auswertung des genetischen Materials ergab, dass er ein Rüde ist, der wahrscheinlich nicht aus Sachsen stammt. Möglicherweise kam das Tier aus Polen zu uns nach Brandenburg.

Wie können Schafbesitzer ihre Tiere schützen?

Franck: Ich würde empfehlen, die Tiere nachts einzusperren und den Zaun so zu sichern, dass er einen Wolf abschreckt. Natürlich gibt es keine absolute Sicherheit. Doch ein Untergrabeschutz und ein oder zwei Stromlitzen machen einen Zaun schon erheblich sicherer. Ein Jagdhund, der einmal einen Stromschlag bekommen hat, wird nie wieder mit einem stromgesicherten Zaun in Berührung kommen wollen. Und auch ein Wolf wird einen solchen Zaun meiden. Das lernt er sehr schnell.

Schafbesitzer beklagen, dass solche Zäune sehr teuer sind.

Franck: Jeder Nutztierhalter hat eine Verantwortung gegenüber seinen Tieren, der er auch nachkommen sollte. Es lässt sich schwer sagen, wie teuer ein guter Zaun tatsächlich ist - der Ausstattungsgrad und auch die Länge des Zaunes sind entscheidend. Grundsätzlich aber unterstützt das Land Schafbesitzer, die ihre Zäune sichern wollen. Man kann einen entsprechenden Antrag stellen.

In Netzeband, Rägelin und Katerbow wurden in den vergangenen Jahren schon mehrmals Schafe gerissen. Wie groß ist die Gefahr, dass ein Wolf in der Region zuschlägt?

Franck: Hier ist es momentan eher ruhig. Natürlich kann es passieren, dass ein Wolf, der durch Zufall in die Nähe einer Schafherde kommt, Hunger hat und auch Tiere reißt. Er nimmt, was er kriegen kann. Anders als etwa im Süden Brandenburgs gibt es hier allerdings noch kein Rudel und auch noch keine Welpen. Bedenklich ist allein, dass es im Norden viele kleine Nutztierhalter gibt. In der Regel sind deren Tiere nicht so gut gesichert wie die großen Schafherden im Süden. Wenn es einem Wolf gelang, ein Schaf zu reißen, so passierte das erfahrungsgemäß meist bei einem Hobbyhalter.

Was macht ein Wolfsbeauftragter?

Franck: Ein Wolfsbeauftragter sollte Mittler zwischen Menschen und Problemen sein, die sich durch einen Wolf ergeben können. Wir wollen die Menschen in den ländlichen Regionen nicht allein lassen. Ich will informieren - auf Augenhöhe, nicht wie jemand, der mit erhobenem Zeigefinger ermahnt. Ich höre mir die Geschichten an, gebe Tipps. Manchmal besuche ich Menschen, deren Tiere von einem Wolf gerissen wurden, auch nach Jahren noch mal. Ich versuche, den Wolf nicht zu dämonisieren, aber eben auch nicht zu verharmlosen.

Wie oft ist Ihr Rat gefragt?

Franck: Das ist ganz unterschiedlich. Mal wochenlang gar nicht, dann wieder täglich. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es einen enormen Gesprächsbedarf gibt. Es melden sich Angler, Jogger, Jäger oder Tierhalter. Bei entsprechenden Anfragen halte ich auch Vorträge.

Wird der Wolf dämonisiert?

Franck: Das ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. Brandenburg ist da auf einem sehr guten Weg, hier wurde schon sehr früh angefangen zu informieren.

Was fasziniert Sie so am Wolf?

Franck: Das Faszinierende ist für mich nicht der Wolf, sondern die Natur - da bin ich stolzer Brandenburger. Und natürlich ist auch alles das, was heimlich ist, interessant. Der Wolf ist ein sehr scheues Tier, das natürlich nicht gern beobachtet wird. Ich mache Jagd auf ihn mit der Fotofalle.

Wie oft haben Sie schon einen Wolf gesehen?

Franck: Zwei Mal, einmal an der Grenze zur Kyritz-Ruppiner Heide.

Was haben Sie dabei empfunden?

Franck: Es waren ja nur wenige Sekunden. Offensichtlich hatte ich den Wolf gerade aufgeschreckt. Es war ein ganz großer Zufall, dass ich ihn überhaupt gesehen habe. Als ich gemerkt habe, dass ich tatsächlich einen Wolf gesehen habe, war er eigentlich auch schon wieder weg.

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