Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Fehrbellin Metal-Festival begeistert 1000 Besucher
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Metal-Festival begeistert 1000 Besucher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:41 24.06.2018
Mit Horror-Maske: Die Death-Metal-Formation „Debauchery“ ist bekannt für ihre martialischen Auftritte. Quelle: Frauke Herweg
Anzeige
Protzen

Kunstblut rinnt die Arme des Drummers runter. Es färbt auch die Gesichter der anderen Musiker tiefrot. Die Stuttgarter Death-Metal-Band „Debauchery“ ist bekannt für ihre brachialen Auftritte. Ihre Fans lieben sie dafür. Zu Füßen der Band lassen sie ihre Fäuste fliegen.

1000 Festival-Besucher feierten die 21. Ausgabe des Metal-Festivals am Rande des Rhinluchs. 21 Bands begeisterten mit zum Teil martialischen Auftritten.

Etwa 1000 Festival-Gäste waren am Wochenende auf das Protzen Open Air gekommen – ein Festival, das Metal der härteren Gangart bietet. „Das hier ist für Leute, die auf Musik stehen“, sagt Protzen-Besucher Frank Scherk. „Nicht für die, die Klamauk machen.“

Anzeige

Ein Festival wie ein Familientreffen

Seit mehr als zehn Jahren schon besucht der Endfünfziger des Festival am Rande des Rhinluchs. Genau hat er seine Besuche nicht gezählt. „Das hier ist wie eine Familie“, sagt er. „Du begrüßt dich, als hättest du dich eben erst gesehen.“

Festival-Organisator Mario Grimmer hält das Festival bewusst klein. Er verkauft 1000 Karten – mehr nicht. Scherk und die anderen Besucher wissen das zu schätzen. Sie sind gern unter sich. Großveranstaltungen wie Wacken mit zehntausenden Besuchern „gehen gar nicht“, findet der Templiner.

Scherk mag an härtestem Metal – Musik wie eine Wand aus Lärm – die Aggressivität, aber auch das Komplexe. Er würde nicht davor zurückschrecken, Death Metal und Bach oder Beethoven miteinander zu vergleichen. „Beides ist handgemachte Musik“, sagt er. „Da ist nichts Computergesteuertes.“

Für echte Metal-Fans

Holger Wandmaker gehört erst seit Kurzem zur großen Protzen-Familie. Doch auch der Mann aus Dithmarschen ist von dem kleinen, feinen Festival begeistert. „Du hast hier keine Ballermänner“, sagt er. „Du hast hier keinen Kommerz.“

Dem schlanken Metal-Fan gefällt die Nähe zu den Bands, die ein kleines Festival wie Protzen möglich macht. Die Musiker der malaysischen Band „Humilation“, von der sich Wandmaker am Freitagabend hatte begeistern lassen, zelteten mit den Festivalgästen auf der Wiese. Andere Bands schenkten Wandmaker nach ihrem Auftritt einen Drumstick. Undenkbar auf anderen Festivals. Mit sechs solcher Sticks wird Wandmaker zurück nach Schleswig-Holstein fahren.

Auch Wandmaker mag „diese gewaltige Wucht“ von Hardcore, Trash und Death Metal. Was die Musiker auf der Bühne abliefern, sei Hochleistungssport, sagt er. „Respekt – das ist meine Musik.“

Neuentdeckungen und alt bekannte Bands

Seit 2003 bucht Festivalmacher Mario Grimmer die Bands für das Festival. Der Mann mit dem langen schwarzen Zopf legt Wert auf eine ausgewogene Auswahl an Bands. Jedes Jahr lädt Grimmer, der im wenige Kilometer entfernten Rohrlack Bio-Brote backt, einige Neuentdeckungen ein. Doch auch alt bekannte Bands sind mit dabei.

Im vergangenen Jahr etwa –zum 20-jährigen Bestehen des Festivals – kam die Death-Metal-Formation „Viu Drakh“ aus Halle in ihrer Ursprungsbesetzung auf die Bühne. Einige Gäste verstanden das Respektbekundung vor dem Festival.

Kunstblut verschmiert das Outfit

Auch „Debauchery“ gibt es schon länger. Vor zehn Jahren haben sie bereits in Protzen gespielt. Sie begrüßen einige ihrer treuesten Fans in der ersten Reihe mit Handschlag. Sänger Thomas Gurrath, von dem erzählt wird, er habe sein Referendariat als Ethiklehrer in Stuttgart wegen seiner martialischen Auftritte aufgeben müssen, liefert genau die Show, die „Debauchery“-Anhänger erwarten – mit Monstermaske und Kunstblut verschmiertem Outfit.

Den brachialen Gesten zum Trotz – die Festivalgäste sind sehr zuvorkommend, sagt Ortsvorsteher Dieter Sarnow. Ärger wegen Lärm, zugeparkter Wege oder betrunkener Gäste habe es in der langen Festival-Geschichte eigentlich nicht gegeben. „In der Protzener Turnhalle können die Festivalgäste duschen“, sagt Sarnow. „Als ich dort vorbeikam, wurde ich sehr nett begrüßt – das ist doch schön.“

Von Frauke Herweg