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Fehrbellin Edle Tropfen aus alten Sorten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Edle Tropfen aus alten Sorten
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09:29 01.09.2018
Apfelernte auf der Streuobstwiese – die Äpfel in Linum sind in diesem Jahr klein aber besonders süß. Quelle: Cornelia Felsch
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Linum

Ein wahrer Apfelregen fällt auf die ausgebreiteten Planen. Ungewöhnlich klein sind die Renetten, die auf den Boden prasseln, in diesem Jahr. Dennoch erwartet Regine Scholz-Berg eine gute Ernte. Seit 2011 betreibt sie im Luch den Linumer Landhof mit Mosterei und Hofladen. Viele Früchte von ihrer Streuobstwiese sind seitdem durch die Saftpresse gegangen – Goldparmänen, Gravensteiner, Boskoop und Glockenäpfel. Sie alle wachsen auf der alten Streuobstwiese der Familie, die bereits 1962 angelegt wurde.

„In diesem Jahr ist allerdings alles anders als sonst“, sagt die Hofbetreiberin. „Die Dürre und die Sonne haben dafür gesorgt, dass die Früchte viel kleiner sind und sie drei bis vier Wochen früher reifen, als gewöhnlich. Kaiser Wilhelm und Boskoop sind normalerweise erst im September reif. Nur der Ontario verhält sich, wie er soll.“ Mussten sich die Hofbetreiber in früheren Jahren darum sorgen, dass den Früchten die Süße fehlt, so ist auch das in diesem Jahr anders.

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Durch die lange Trockenheit musste so mancher Ast dran glauben. Quelle: Cornelia Felsch

Die Früchte sind durch die viele Sonne in diesem Jahr so süß, dass die Safthersteller bei der Streuobstwiesenmischung Fingerspitzengefühl aufbringen müssen, um ein gutes, ausgeglichenes Aroma zu bekommen. Das ist ihnen auch gut gelungen; die Streuobstwiesensäfte aus den ersten beiden Pressungen gingen schnell über den Ladentisch.

Für den Linumer Landhof äußerst erfreulich, denn das vergangene Jahr war alles andere als ersprießlich. Die Frostnächte während der Apfelblüte sorgten für extreme Ernteausfälle, der Sommer war geprägt von Starkregenfällen. „Hatten wir sonst in der Saison 1400 Kunden, die ihre Äpfel zum Mosten brachten, so waren es im vergangenen Jahr nur 80. Familie Berg zog die Konsequenzen und musste sich von mehreren Mitarbeitern trennen. Die Kunden können in diesem Jahr zwar ihre Äpfel abgeben, die eigentliche Lohnmosterei findet aber nicht mehr statt.

Die Äpfel sind in diesem Jahr kleiner als sonst geraten. Quelle: Cornelia Felsch

„Der Aufwand kleine Mengen für jeden Kunden separat zu pressen und abzufüllen ist einfach zu groß“, sagt Sabine Scholz-Berg, die aber schon wieder neue Ideen verwirklicht. „Wir haben die Streuobstwiese erweitert und auch Maulbeeren angepflanzt. Daraus wollen wir Marmelade herstellen.“ An Fantasie mangelt es ihr nicht, ständig entstehen neue Kreationen, die dafür sorgen, dass der Hofladen immer prall gefüllt ist. So gibt es neuerdings einen Apfel-Tomatenaufstrich und bald soll auch hauseigener Obstwein im Angebot sein.

Sohn, Jan Berg, der in diesem Jahr sein Abitur abgelegt hat, hilft an diesem Vormittag bei der Ernte. Mit dem Rollblitz kann er die Äpfel besonders schnell und mühelos aufsammeln. Der kugelförmige Apfelsammler, der aus vielen Drähten besteht, erspart ihm das Bücken, wenn er mit der Auflesemaschine über die Wiese rollt. gelangen die Früchte ruckzuck in den Sammelbehälter. Ein Metallbügel am Korb spreizt die Drähte, so dass die Äpfel augenblicklich in die Kiste rollen. Ivonne Merting und Manuela Hartlep – beide festangestellte Mitarbeiterinnen des Betriebes – schütteln derweil die Planen aus. Schnell füllt sich der Hänger, rund 600 Kilogramm Äpfel werden verladen. Zwei Kilogramm Früchte ergeben etwa einen Liter Saft.

Effektiv und rückenschonend: Ernte mit dem Rollblitz Quelle: Cornelia Felsch

„Alte Apfelsorten sind wieder im Trend“, sagt Regine Scholz-Berg und zitiert einen ihrer Kunden: „Die Äpfel im Supermarkt sind mir viel zu schön; ich will olle Äpfel.“ Alte Apfelsorten werden von Experten auch als gesünder eingestuft. Zum einen, weil sie meist nicht gespritzt werden, zum anderen enthalten sie Polyphenole, sekundäre Pflanzenstoffe, die die Sorten saurer machen und sie schneller braun werden lassen. Zudem schützen sie den Apfel vor Schimmelpilzen.

„Alkmene und Berlepsch gehören zu den Äpfeln, die besonders gut verträglich sind, auch für apfelempfindliche Menschen.“ Bei den neuen Sorten wurden diese Bestandteile herausgezüchtet, so dass sie oftmals alle recht lieblich schmecken. Die Wiese unter den Bäumen gleicht zurzeit einer Steppe, so dass sich die Schafe buchstäblich auf Futtersuche begeben müssen. Zum Glück gibt es ja ausreichend Äpfel. Doch in diesem Sommer mussten die Bergs aus Mangel an frischem Grün bereits zufüttern.

„Apfel-Chefin“ vom Dienst: Regine Scholz-Berg vom Linumer Landhof Quelle: Cornelia Felsch

Eigentlich hatten sie die Schafe angeschafft, um das Gras auf der Streuobstwiese, die jetzt rund 2 Hektar groß ist, kurz zu halten. Beim Schütteln der Äste ist allerdings Vorsicht angeraten. „Durch die Trockenheit haben die Bäume an Elastizität verloren und einige Äste sind abgebrochen.“, sagt Regine Scholz-Berg.

Der Hofladen in der Nauener Straße läuft gut, Kunden, die nach unbehandelten Produkten suchen, ordern Säfte aus Linum. Die Früchte gehen ohne Zusätze und ungeklärt durch die Presse. „Um die Säfte zu klären, müssten wir Gelatine zusetzen und dann wären sie nicht mehr vegan“, sagt die Linumerin. Pur oder im Mix mit Möhren, Rote Bete, Himbeeren oder Erdbeeren kommt der Saft in die Flaschen.

Wer Früchte abgeben möchte, sollte sich unter der Nummer 033922/90 09 39 anmelden.

Von Cornelia Felsch