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Fehrbellin Das Constance-Haus gibt es seit 110 Jahren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Das Constance-Haus gibt es seit 110 Jahren
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12:23 25.09.2018
Veranstaltungen im Café Constance sind immer gut besucht. Archivfoto
Veranstaltungen im Café Constance sind immer gut besucht. Archivfoto Quelle: Dagmar Simons
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Wustrau

Gleich drei Gründe hat Ingelore Radke, Inhaberin des Café Constance in Wustrau, in diesem Jahr zu feiern: Das Constance-Haus existiert seit 110 Jahren. Die Gräfin Constance zu Zieten-Schwerin, die das Haus zu ihrem 70. Geburtstag von ihrem Mann geschenkt bekam, würde in diesem Jahr 180 Jahre alt. Und am 3. Oktober vor 20 Jahren eröffnete Ingelore Radke in dem geschichtsträchtigen Haus das Café Constance.

Seit April werden diese Ereignisse gebührend gewürdigt, unter anderem konnten Interessierte auf den Spuren der Gräfin durch Wustrau wandeln und sich anschließend im Café verwöhnen lassen. Es gab Ausstellungen mit Fotos von Wolfgang Glasa, Bildern von Anna Pauly und den Kindern der örtlichen Grundschule und Kita.

Am 30. September ist die Vernissage zur Schau „Wustrau in der Kunst“

Nach einer Sommerpause lädt Ingelore Radke nun wieder ein. Für Sonntag, 30. September, ist eine Vernissage „Wustrau in der Kunst“ geplant. Bis zum 11. November sind Bilder von hiesigen Künstlern wie Robert W. Wagner, Cornelia Felsch, Anna Pauly, Gudrun Becker, Silke Thal, Günter Rieger, Elfi Minke und andere zu sehen. „Es ist eine bunte Mischung“, sagt Ingelore Radke. Aus Platzgründen stellt jeder Künstler nur ein oder zwei seiner Werke aus.

Am Nachmittag laden der Karwer Verleger Günter Rieger und die Wustrauer Architektin Elfi Minke zu einem Spaziergang auf den Spuren der Gräfin ein. Anschließend findet ein Chansonabend im Café statt mit der Berliner Chansonsängerin Jeanette Urzendowsky, genannt „Chanson-Nette“. Sie war bereits 2006 einmal in Wustrau. Gerade mal 1,53 Meter groß ist die Medizinerin, die laut einer Kritik eine der wenigen ist, die ein Berliner Original glaubhaft verkörpern kann.

Lesung mit Alexander Bandilla

„Einzigartig“, schwärmt Ingelore Radke von dem Briefwechsel zwischen Albert-Julius und Constance Gräfin von Zieten-Schwerin mit ihrem Sohn Hans Bone von Schwerin-Spantekow von 1881 bis 1907. „Sie haben sich wöchentlich geschrieben“, sagt Ingelore Radke. Das Buch hat ihr die Urenkelin der Gräfin als Leihgabe gegeben. Es sei so spannend, dass man nicht mehr loslassen könne, so Radke.

So entschuldigt sich die Gräfin einmal, dass ihr Brief nur so kurz sei. Der Grund: Sie habe keine Zeit für ausführliches Schreiben, weil sie mit den Frauen des Ortes die Weihnachtsbescherung für die Dorfkinder vorbereite. Ist alleine schon der Inhalt so faszinierend, zieht den Zuhörer noch dazu die Stimme von Schauspieler Alexander Bandilla, der aus den „Wustrauer Briefen“ lesen wird, in den Bann.

Tischwäsche der Constance kommt zu Ehren

Von der Kultur zur Kulinarik: Im Oktober wird im Café gekocht wie zu Zeiten der Gräfin. „Schlicht und einfach“, sagt Ingelore Radke. Wie damals üblich gibt es einen Aperitif, Suppe, Hauptgang und ein Dessert. Eingedeckt wird mit altem Geschirr und die Tischwäsche der Constance kommt zu Ehren. Die hat eine Urenkelin der Gräfin, die mit ihrem Mann zu der Zeit Wustrau besucht, Ingelore Radke zur Verfügung gestellt.

Auf dem Programm für dieses Jahr stehen noch eine Lesung aus den Tagebüchern von Theodor Fontane über Wustrau, ein weiterer Spaziergang und zum Abschluss noch im November ein Martinsgans-Essen. Das ist der Abschluss eines Jahres zu Ehren eines Hauses und seiner Besitzerin, das vor 20 Jahren wieder zu neuem Leben erweckt wurde.

Von Dagmar Simons

21.09.2018
21.09.2018