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Fehrbellin Die Kranichsaison im Rhinluch hat begonnen
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21:39 28.09.2019
So deutlich sind Kraniche nur zu sehen, wenn sich der Morgennebel gelegt hat. Quelle: Peter Geisler
Linum

Nebelschwaden hängen in der Luft. Die Sonne lässt an diesem frühen Morgen noch auf sich warten. Doch aus der Ferne ertönen sie bereits, die typischen Trompetenrufe der Graukraniche. Elegant schweben die Vögel des Glücks, so werden die Kraniche in Schweden genannt, über das Brandenburger Rhinluch. Jedes Jahr im Herbst machen die Tiere hier Rast, bevor sie sich auf den Weg in den Süden machen.

Am Dienstagmorgen um sechs Uhr begann die erste Kranichzählung in diesem Jahr. Die ungefähr 20 freiwilligen Helfer, die nicht nur aus der Region, sondern sogar aus Berlin kommen, schwirrten zu elf verschiedenen Zählstationen aus, um die Zahl der Graukraniche zu ermitteln, die bis jetzt Rast in der Linumer Umgebung gemacht haben. In der Luft sowie auf dem Boden waren die Tiere im melancholischen Nebel anzuschauen. Für zweieinhalb Stunden legten sich die Zähler in und um Linum auf die Lauer, um das Schauspiel der Natur zu beobachten.

Erste Zählung: Fast 12.000 Kraniche

Bei der Auswertung der Zählung ergab sich eine Zahl von 11.814 Kranichen in diesem etwa zehn Quadratkilometer großen Gebiet. Die Wetterverhältnisse machten das Zählen allerdings nicht gerade einfach. Konnte man in einem Moment noch einen der Vögel erblicken, war er im anderen bereits im Hochnebel verschwunden.

Auch wenn sich am Dienstag nicht ganz so viele Tiere wie im Vorjahr zeigten, dort waren es zu dieser Zeit 16.340 Kraniche, versteckten sich wohl noch einige in ihren Sammelplätzen, sagt Helga Müller- Wensky (67), Kranich- Beauftragte vom Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch. Sie vermutet, dass die restlichen Kraniche wohl noch auf den Durchbruch der Sonne warten, bis sie aus einem der großen Nachtquartiere im Rhinluch kommen. Dazu gehören die Linumer Teiche.

Lebenslange Gemeinschaft

Plötzlich verirrt sich ein einsames Jungtier, erkennbar am hilfesuchenden Piepsen, in der Luft. Es hat wohl seine Eltern während des großen Durcheinanders verloren, als die Vögel zur allmorgendlichen Nahrungssuche starteten. „Ich finde es faszinierend, dass die Eltern ihre Jungen immer wiedererkennen. Dabei hört sich das Piepsen für uns doch immer gleich an“, sagt Müller-Wensky.

Kranichzählen im Nebel. Quelle: Anna Jette Kuhn

Für Kraniche gilt das nicht. Generell merke man, dass die bis zu 1,20 Meter großen Vögel eine lebenslange Gemeinschaft bilden, auch daran, dass Altvögel ihr noch zu schwaches Junges nicht zurücklassen würden, bevor sie in den Süden ziehen, so Müller-Wensky, die ein Kinderbuch über Kraniche verfasst hat.

Ins Rhinluch finden die sogenannten Westzieher

Im Rhinluch bei Linum finden sich die sogenannten Westzieher. Diese Kraniche kommen aus Polen, dem Baltikum und später auch aus Skandinavien. Sie sind von Ende September bis Ende Oktober, Anfang November zu beobachten. Nachdem die Graukraniche eine Rast eingelegt haben, ziehen sie bis nach Südfrankreich oder Spanien, wo sie schließlich überwintern. Der Weg von wenigen Westziehern führt sogar bis nach Nordafrika.

Im Gegensatz dazu ziehen die Ostzieher über Israel, Ungarn und die Türkei bis nach Äthiopien. „Wenn die Vögel auf ihrer Route über Frankfurt am Main ziehen, wird am Flughafen der Flugbetrieb eingestellt“, sagt Müller- Wensky, die durch die Fotografie ihre Faszination für Kraniche entdeckt hat und seit 2011 Organisatorin der Kranichzählungen in Linum ist. Wie die Kraniche die Orientierung behalten?

Route immer dieselbe

An der Spitze eines Zuges fliegt ein besonders erfahrenes Tier, da die Route immer dieselbe bleibt. Kraniche orientieren sich am Tag an den Silhouetten einer Stadt, an Flüssen und der Sonne. Fliegen sie in der Nacht, nutzen sie die Sterne, den Mond und zusätzlich die Magnetfelder der Erde als Orientierung. Nach längerer Zeit lässt sich der Leitvogel zurückfallen. Dann übernimmt ein anderer Kranich.

Helga Müller-Wensky, Kranich-Beauftragte vom Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch. Quelle: Privat

Sobald die Vögel ihre Reise in den Süden antreten, lässt sich ein weiteres Wunder der Natur beobachten. Müller-Wensky berichtet, dass die Graukraniche dann wirr und laut durcheinander fliegen. Die Vögel schrauben sich wie ein Kreisel auf bis zu 1000 Meter in die Luft und ziehen anschließend gemeinsam los. An die großen Gruppen schließen sich dann zumeist noch kleinere an.

„Grus grus“ ist lateinischer Name für Kranich

Wie lange die Grus grus (lateinisch für Kranich) dieses Jahr in der Linumer Umgebung bleiben, das sei jetzt noch schwer abzuschätzen, so Helga Müller-Wensky. Es komme darauf an, wie die Nahrungsbeschaffenheit auf den Feldern sei. Bei der nächsten Zählung am Dienstag, 1. Oktober, wird sich zeigen, wie viele Kraniche dazu gekommen sind.

Bereits am Freitag, 27. September, war der offizielle Start für die Kranichsaison in Linum. Seitdem können Besucher dort Vorträge über die Vögel sowie Exkursionen zum morgendlichen Aus- oder abendlichen Einflug unternehmen. Dazu sollte man sich einfach melden bei Lisa Hörig im Nabu-Naturschutzzentrum Storchenschmiede, Telefon: 033922/50 500 oder per Mail: storchenschmiede@nabu-berlin.de.

Von Anna Jette Kuhn

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