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Fehrbellin Fensterwerk: Fachkräfte sind das größte Problem
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Fensterwerk: Fachkräfte sind das größte Problem
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11:44 16.08.2019
Der Bundesvorsitzende der Partei Die Linke, Bernd Riexinger (2.v.l.), besucht mit Landtagskandidat Ronny Kretschmer (M.) und dem Fehrbelliner Bürgermeisterkandidaten Mathias Trypke (r.) das Fensterwerk in Fehrbellin. Geschäftsführer Gordon Hasse (l.) führt sie durchs Unternehmen. Quelle: Reyk Grunow
Fehrbellin

Über Mangel an Arbeit kann sich Gordon Hasse nicht beklagen. „Wir haben volle Auftragsbücher“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer des Fehrbelliner Fensterwerks. Die Nachrichten von einer drohenden Rezession der deutschen Wirtschaft hat er in den vergangenen Wochen vernommen.

Für seine Firma macht er sich aber erst einmal keine Sorgen. Die Auftragslage ist sehr gut. Gerade in Berlin gibt es jede Menge Bedarf an modernen Wärmedämm- und Schallschutzfenstern. „Das hält sicher noch zwei, drei Jahre an“, ist Gordon Hasse zuversichtlich.

Das Fensterwerk ist einer der größten Arbeitgeber in Fehrbellin. Etwa 75 Mitarbeiter gibt es in dem Unternehmen und den beiden anderen Firmen, die mit ihm verbunden sind.

Moderne Fenster sind sehr schwer

Die Auftragslage ist nicht ihr Problem, sagt auch Inhaber Horst-Uwe Hasse. Er hat das Unternehmen vor einiger Zeit in die Hände seines Sohnes und seines Schwiegersohnes gelegt hat, die jetzt beide Geschäftsführer sind.

Zu tun gibt es genug. Doch es fehlt an Leuten, sagt Horst-Uwe Hasse. Der Fachkräftemangel mache ihm immer mehr Sorgen. Es fehlten vor allem junge, kräftige Leute, die in der Lage sind, mit den immer schwerer werdenden Fenstern umzugehen.

Fensterbau ist körperlich sehr anstrengend. Je nach Größe kann allein eine Fensterscheibe 150 Kilogramm oder mehr wiegen. Deutlich höhere Anforderungen an den Wärme- und Schallschutz machen Fenster immer schwerer. Quelle: Reyk Grunow

Bernd Riexinger hört dem Unternehmer am Donnerstag aufmerksam zu. Der Bundesvorsitzende der Partei Die Linke war nach Fehrbellin gekommen, um sich über die Sorgen und Nöte eines mittelständischen Unternehmens auf dem Land Brandenburg informieren. Mathias Trypke hatte den Termin eingerührt. Auch Ronny Kretschmer aus Neuruppin war dabei.

Wahlkampfhilfe vom Parteichef

Trypke tritt bei der Wahl am 1. September für Die Linke als Bürgermeisterkandidat in Fehrbellin an. Kretschmer ist Direktkandidat bei der Landtagswahl im Altkreis Neuruppin.

Linken-Bundeschef Riexinger war am Dienstag gekommen, um den beiden den Rücken zustärken. Auf dem Programm standen dabei auch ein Besuch in der Medizinischen Hochschule und eine Lesung am Abend in der Kreisgeschäftsstelle der Linken in Neuruppin.

Wahlkampf war das eine, Information das andere Ziel des Besuchs. Bernd Riexinger stammt aus Baden-Württemberg. Geboren in Leonberg lebt der langjährige Gewerkschafter heute in Stuttgart. Seit 2012 ist er einer von zwei Vorsitzenden der Partei. In in Baden-Würtemberg kennt er sich aus, mit den Brandenburger Verhältnissen noch nicht ganz so gut.

Fensterwerk ist auf ausländischen Mitarbeiter angewiesen

Horst-Uwe Hasse war froh, dass sich die Politiker für ein Unternehmen interessieren und wissen wollten, wo der Schuh drückt. Aus seiner Sicht müsste die Politik Bedingungen schaffen, die das Leben auf dem Lande für junge Menschen attraktiv machen.

„Seit einem Jahr sind wir international“, erklärt Geschäftsführer Gordon Hasse. In der Fensterproduktion arbeiten Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, für die körperlich anstrengende Montage der Fenster hat das Unternehmen Arbeiter aus Slowenien und Polen eingestellt.

Einstellen müssen, sagt Gordon Hasse. 20 deutsche Arbeiter hat die Firma dafür auch: „Aber ohne die ausländischen Kräfte geht es nicht.“

Riexinger: „Das sollte man mal der AfD sagen.“

Riexinger war wenig überrascht; Ähnliches kennt er aus Baden-Württemberg, inzwischen seien immer mehr Betriebe in Ostdeutschland auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen: „Das sollte man mal der AfD sagen.“

Was die Politik konkret tun könnte? Horst-Uwe Hasse würde sich wünschen, dass in Brandenburg die Betreuung im Kindergarten und das Essen in der Schule grundsätzlich kostenlos sind. „Dass wir gleiche Bildungschancen für alle haben“, sagt der Unternehmer.

Kostenlose Kitas und Schulessen für alle

Wenn eine junge Familie 300 Euro für einen Kita-Platz zahlen muss, nützt es wenig, dass die Miete billiger ist als in Berlin. Die Gesamtbelastung sei für die Familie dann ähnlich und dann ziehe sie eben in die Hauptstadt.

„Das handwerklich schlecht gemachte Kita-Gesetz ist ein Riesenproblem“, räumt Kretschmer ein. Die Linke wolle sich dafür einsetzen, dass die Kita-Betreuung generell kostenlos wird, sagt er. Sollte die Parte nach der Wahl denn wieder als Koalitionspartner an der Landesregierung beteiligt sein.

Von Reyk Grunow

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