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Fehrbellin Für die Kanzlerin ein Podest gezimmert
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00:24 06.06.2019
Tischlermeister Burkhard Flemming (M.) erhielt am Montag von Ralph Bührig, Chef der Handwerkskammer Potsdam, den Goldenen Meisterbrief. Gunhild Brandenburg, Geschäftsführerin der Handwerkskammer OPR, gratulierte mit Blumen. Quelle: Andreas Vogel
Fehrbellin

Särge hat er gern gezimmert und dreiteilige Kastenfenster. Burkhard Flemming liebt Handarbeit. Wohl auch deshalb kann er sich noch gut erinnern, dass er sogar mal ein kleines Podest für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gebaut hat.

Die Kanzlerin eröffnete im November 2009 in der Villa Schöningen eine Ausstellung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls – und Flemmings Tischlerei hatte in der Villa im Potsdamer Stadtteil Berliner Vorstadt eh gerade einen Auftrag. „Wir haben dort Kellerfenster aus Eiche eingebaut.“ Flemming schmunzelt. Denn das Podest wurde vorher getestet, ob es nicht zusammenbricht, wenn die Kanzlerin es betritt.

Tischlermeister in fünfter Generation

Inzwischen hat der Fehrbelliner etwas zurückgesteckt. Statt zwölf ist er nur noch fünf, sechs Stunden am Tag in der Werkstatt im Gewerbegebiet anzutreffen. Schließlich ist er 75, sein Sohn Lutz hat die Firma übernommen, in der auch zwei Enkel und der Schwiegersohn arbeiten. Eben ein richtiger Familienbetrieb, der Fenster und Türen, aber auch Küchen, Möbel und Treppen baut.

Weil Flemming vor 50 Jahren seine Meisterprüfung ablegte, erhielt er am Montag besonderen Besuch: Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, überreichte ihm den Goldenen Meisterbrief, von Gunhild Brandenburg, der Chefin der Kreishandwerkerschaft, gab es einen Blumenstrauß.

Am Wochenenden zum Lehrgang

Flemming war gerührt. Er ist Tischlermeister in fünfter Generation und hat sein Handwerk 1958 bei seinem Vater in der Berliner Straße in Fehrbellin gelernt. Wie in der 35 Quadratmeter kleinen Werkstatt seinerzeit vier Leute arbeiten konnten, das weiß Flemming heute selbst nicht mehr so genau – nur dass es damals auch noch einen Bretterschuppen gab, in dem Holz lagerte und in dem gearbeitet werden konnte. Im ersten Lehrlingsjahr gab es seinerzeit 70 DDR-Mark im Monat, im dritten 90 Mark.

1966 machte sich Flemming selbstständig, drei Jahre später legte er in Potsdam seine Meisterprüfung ab. „Das war eine schöne Zeit.“ Aber auch eine schwere. Der Meisterlehrgang ging über eineinhalb Jahre, den Unterricht gab es an den Wochenenden: Stets acht Stunden an den Samstagen und vier Stunden an den Sonntagen.

Zehn Jahre ohne Urlaub

Im Mai 1990 machte sich Flemming selbstständig. „Dann ging es bergauf“ – aber nur, weil Frau Edith, die in der Verwaltung arbeitete, und die Familie mitzogen. Zehn Jahre gab es keinen Urlaub. Erst 2000 gönnte sich die Familie mit den Enkeln eine kleine Erholung im Harz.

Da stand schon das neue Firmengebäude im Fehrbelliner Gewerbegebiet, wofür das Unternehmen, das sieben Leute beschäftigt, einen Kredit über mehr als 500.000 Euro bei der Sparkasse aufgenommen hatte.

„Der Druck war damals groß“, erinnert sich Flemming. Zwar gab es reichlich Aufträge, vor allem um Altbauten zu sanieren, doch machten der Firma anfangs Zahlungsausfälle zu schaffen. Zumeist hatten sich Westdeutsche übernommen, sagt Flemming, der sich durch viel Fahrradfahren – im Schnitt 200 Kilometer pro Monat – und regelmäßige Fitnesseinheiten bei Leistung hält.

Die Fenster werden immer schwerer

Verärgert ist der Fehrbelliner darüber, weil die Politik seiner Meinung nach die kleinen Betriebe zu wenig unterstützt. „Wie sollen die denn ein monatliches Lehrlingsgeld von 800 Euro aufbringen?“ Zudem wünschte sich Flemming mehr Hilfe, weil die Arbeit für Tischler durch die Mehrfachverglasung von Fenstern immer schwerer wird. Erst vor Kurzem hat er einen Mitarbeiter verloren, weil dieser durch die körperlich schwere Arbeit Probleme mit seinem Rücken bekam und sich eine andere Arbeit gesucht hat.

Trotzdem will Burkhard Flemming nicht klagen. Zum einen habe die Firma, die auch im Gutshaus in Garz gebaut hat, in den vergangenen Jahren keine Zahlungsausfälle von Kunden mehr gegeben. Zum anderen sei es den Deutschen „noch nie so gut gegangen wie jetzt“.

Und dann gibt es ja auch noch seinen viereinhalbjährigen Urenkel. Der könnte die Fehrbelliner Tischlerei vielleicht einmal in der achten Generation fortsetzen, hofft Flemming.

 

Von Andreas Vogel

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