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Fehrbellin Das Katastrophenjahr im Luch
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Das Katastrophenjahr im Luch
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00:40 13.04.2018
Überflutete Weiden waren im vergangenen Jahr nichts Ungewöhnliches in der Fehrbelliner Region. Auf einigen Wiesen steht das Wasser bis jetzt.
Überflutete Weiden waren im vergangenen Jahr nichts Ungewöhnliches in der Fehrbelliner Region. Auf einigen Wiesen steht das Wasser bis jetzt. Quelle: Peter Geisler
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Fehrbellin

Ihm graue es vor dem nächsten Regen, sagt Giedo Hansen. Denn rund um Zietenhorst, wo sich sein Betrieb „Gutsfleisch Mutterkuhhaltung“ befindet, sei die Landschaft immer noch mit Wasser vollgesogen – und zwar seit den Regenfällen des vergangenen Sommers. Die Aussaat muss deshalb ohnehin warten. Wenn jetzt aber noch mehr Nass dazukommen sollte, dann werde es für das Unternehmen richtig schwierig, berichtet Hansen am Dienstagmorgen bei der jährlichen Schau des Fehrbelliner Wasser- und Bodenverbandes Rhin-/Havelluch (WBV).

Am Anfang viel zu trocken

Das „Katastrophenjahr“ nennt Verbandsvorsteher Jens Winter das Jahr 2017 bei der Versammlung im Fehrbelliner Rathaus, an der rund 20 Landwirte, Behördenvertreter und Verbandsmitarbeiter teilnehmen. Viel zu trocken fing dieses an, ruft WBV-Geschäftsführer René Philipp die ersten Monate in Erinnerung. Der Verband staute frühzeitig Wasser an, um einem Bewässerungsstopp, wie es ihn im Sommer 2016 gab, rechtzeitig vorzubeugen.

Dann kam der Jahrhundertregen

Dann kam der 29. Juni – und mit ihm ein Jahrhundertregen, der die Verbandsregion unter Wasser setzte. Mehrere Starkregentage Ende Juli gaben dem Landstrich den Rest: „Das Wasser lief einfach über die Flächen“. Wochenlang sei der Verband mit den Auswirkungen der Regenfälle beschäftigt gewesen.

„Xavier“ sorgte für monatelange Aufräumarbeiten

Kaum mit dieser Rettungsaktion fertig, kam der nächste herbe Schlag: der Sturm „Xavier“ am 6. Oktober. Monatelang seien die Verbandsmitarbeiter unterwegs gewesen, um die an diesem Tag abgebrochenen Äste einzusammeln, Baumstämme aus Wasserläufen zu bergen, Beschädigungen zu reparieren. Und sie seien immer noch nicht fertig damit, so Philipp. An die gewöhnliche Unterhaltung der Gewässer sei dabei kaum zu denken gewesen.

Biber bleibt ein Problem

Neben dieser Großproblemlage hatte der Verband auch noch mit kleineren Übeln zu kämpfen. Den Jagdkanzeln an den Gräben, die den Mitarbeitern den Weg versperren und so die Grabenpflege erheblich erschweren. Zwar haben sich nach einem Aufruf der Unteren Wasserbehörde dazu im vergangenen Jahr etliche Jagdpächter bei der Behörde gemeldet, berichtet Dirk Geißler vom Landkreis. Die Lage habe sich in diesem Punkt aber insgesamt nicht deutlich verbessert, stellt Philipp fest. Und auch Biber seien weiterhin ein Problem für die Wasserwirtschaftler.

Landwirte denken um

An dieser Stelle mischt sich Anselm Ewert von der Unteren Naturschutzbehörde ein. In den meisten Fällen sei es nun relativ unkompliziert, Teile oder sogar ganze Dämme abzutragen, wenn es notwendig ist. Das funktioniere meist ohne Antrag, obwohl dieser eigentlich vorgeschrieben ist. Nur in Einzelfällen schaue die Behörde, ob die Lage wirklich so akut ist, wie die Landwirte behaupten. Zudem finde auch bei diesen ein Umdenken statt, so Ewert. Sie erkennen, dass die Dämme helfen können, in trockenen Jahren das Wasser zurückzuhalten.

Biber ist für ein träges Wassersystem nicht verantwortlich

„Nach den Erfahrungen des letzten Jahres kann es nicht sein, dass man einen Damm nicht abbauen darf“, protestiert Marcel Alpers, der Geschäftsführer der Milchviehanlage Kremmen und im Verbandsvorstand ist. „Als Landwirt kann ich es nicht verstehen.“ Denn Dämme könne man bei Starkregen nicht wie die Wehre einfach öffnen. Nicht die Tiere seien das Problem, sagt Geißler. „Wir können so viele Biberdämme wie wir wollen rausreißen, eine Lösung ist das nicht für unser träges Wassersystem.“

Verband würde gerne alle Staue bewirtschaften

Philipp und Winter sehen es ähnlich. Aus ihrer Sicht wäre es sinnvoller, das ganze System flotter zu machen. Das könnte man erreichen, wenn der Verband alle Stauanlagen bewirtschaftet, die derzeit zum großen Teil brachliegen. Das müssten allerdings die Landnutzer bezahlen. „Das kriegen wir aber nicht umgesetzt – das Katastrophenjahr ist bald wieder vergessen“, sagt Winter.

Von Celina Aniol