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Fehrbellin Ein Dorf kämpfte um seine Kirche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Ein Dorf kämpfte um seine Kirche
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06:03 19.12.2018
Quadratischer Turm mit spitzen Helm: Die markante Silhouette der Langener Kirche ist schon von weitem zu erkennen. Quelle: Peter Geisler
Langen

Jeden Tag öffnen wir im MAZ-Adventskalender ein Türchen und erzählen die Geschichte eines besonderen Gebäudes aus der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Diesmal: die Langener Kirche.

Ihr quadratischer Turm mit dem spitzen Helm ist schon von weitem zu sehen. Wer auf der A24 durch das Rhinluch rauscht, erkennt die Kirche in Langen bereits aus der Ferne. So markant, so unübersehbar erhebt sich der Kirchturm aus der flachen Landschaft.

Kaum eine Kirche in der Region hat so viel Engagement erfahren wie das Langener Gotteshaus. Die Mitglieder des Fördervereins Stüler-Kirche Langen und ihre Mitstreiter im Dorf bemühen sich seit mehr als 20 Jahren um die Sanierung des Baus. Im Mai dieses Jahres konnten sie endlich den Abschluss der Sanierungsarbeiten im Innenraum feiern.

Hermann-Reemtsma-Stiftung unterstützte die Sanierung

„Es gibt kein Dorf weit und breit, in dem es solch einen Gemeinsinn, solch eine Einstehen für die Kirche gibt“, bekannte der Vereinsvorsitzende Friedrich Weber damals bewegt. In den mehr als 20 Jahren seines Bestehens hat der Verein mehr als 500000 Euro für die Sanierung des Gotteshauses ausgegeben. So ließ der Verein die Eingangstüren reparieren, die Turmuhren originalgetreu wiederherstellen, den Innenraum restaurieren und das Dach sanieren.

Möglich war das nur, weil es dem Verein gelang, Spender wie die Hamburger Hermann-Reemtsma-Stiftung für das Großprojekt zu gewinnen. Mit den aufwändig organisierten Wildschwein-Fest spielte der Verein ebenfalls Geld ein.

Im Jahre 1972 drohte der Kirchenabriss

Schon zu DDR-Zeiten hatten sich die Langener für ihre Kirche engagiert. Sie bewahrten die Kirche vor dem absoluten Verfall, indem sie selbst aufs Dach stiegen und Löcher reparierten. Auch die Löcher in den Fenstern wurden in Eigenregie geschlossen. Mit ihren Arbeitseinsätzen bewahrten sie die Kirche, die 1972 bereits abgerissen werden sollte, vor der Zerstörung.

Nach der aufwändigen Sanierung sieht die Apsis heute wieder so aus wie sie bei der Einweihung der Kirche 1855 ausgesehen haben dürfte. Ein dreifarbiger Putz und ein Rosenmuster sind wieder zu erkennen. Auch ein Spruchband, das lange Zeit von Farbe verdeckt worden war, sollte aufgetragen werden. „Jesus Christus gestern heute und derselbe auch in Ewigkeit.“

Das Gotteshaus sollte weit in die Landschaft wirken

Die Langener Kirche ist eine der größten Dorfkirchen Brandenburgs. Nach dem Vorbild Stülerscher Kirchen im Potsdamer Umland soll auch das Langener Gotteshaus weit in die Landschaft wirken, heißt es in der Brandenburgischen Denkmaltopographie – „eine weithin sichtbare Landmarke der im 19. Jahrhundert durch den Torfabbau reich gewordenen Region“.

Lange bevor die in Langen ansässige Familie von der Hagen dort einen Kirchenneubau in Auftrag gegeben hatte, hatte es an der Stelle der heutigen Kirche Gotteshäuser gegeben. Ein Vorgängerbau war im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt worden. Als der Kirchturm 1639 einstürzte, bekam Langen zunächst eine neue Kirche.

Die Sanierung ist immer noch nicht abgeschlossen

Doch auch der Turm dieser Kirche musste Anfang des 19. Jahrhunderts ersetzt ­werden. Das Einweihungsjahr der heutigen Kirche ist in einer Inschrift in der Turmhalle festgehalten – 1855 ist im Schlussstein eingeschrieben.

Auch wenn der Innenraum wieder in neuem Glanz erstrahlt – abgeschlossen ist die Sanierung der ­Kirche noch nicht. Auch an der Hülle des Gotteshauses ist noch eine Menge zu tun. Das letzte Wildschweinfest, das Geld für die Sanierung einspielen soll, ist noch nicht gefeiert.

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