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Fehrbellin Weshalb der Brexit die Milchpreise purzeln lässt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Weshalb der Brexit die Milchpreise purzeln lässt
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00:20 01.05.2019
1700 Milchkühe hat Rhinmilch in Fehrbellin. Schon jetzt bekommt der Betrieb weniger Geld pro Milchliter von der Molkerei. Dabei ist der Brexit noch nicht mal eingetroffen. Quelle: Anja Reinbothe
Fehrbellin

Eine Kuh lässt sich nicht beeinflussen, auch nicht vom Brexit und dessen Folgen. An ihr gibt es weder einen An- noch einen Ausschalter. Die Milch fließt. Das sieht man bei Rhinmilch in Fehrbellin. In der Melkstation hängen auf beiden Seiten 50 bis 60 Kühe an Schläuchen. Vier Arbeiter überprüfen das Abpumpen.

„Zweimal am Tag melken wir im Zwölf-Stunden-Rhythmus und das an 365 Tagen im Jahr“, erklärt Hellmuth Riestock. Mit Skepsis verfolgt der Geschäftsführer der Rhinmilch-Gesellschaft in Fehrbellin so wie andere Milchlieferanten in Ostprignitz-Ruppin die Ereignisse in Großbritannien.

Zweimal täglich wird in der Melkstation von Rhinmilch abgepumpt und die Milch von der Molkerei abgeholt. Quelle: Anja Reinbothe

Das Vereinigte Königreich will aus der Europäischen Union aussteigen. Der Zeitpunkt ist noch nicht klar, wird aber Folgen für bestimmte Wirtschaftszweige haben. Die deutsche Landwirtschaft wäre davon betroffen, bestätigt Maria Mundry, insofern keine Abkommen erarbeitet werden.

„Wenn es einen harten Brexit geben wird, ist das spürbar“, erklärt die Chefin des Kreisbauernverbands Ostprignitz-Ruppin. „Dann wird Zoll erhoben. Ein Laster fährt mit seiner Ware nicht mehr unkontrolliert über die Grenze, sondern wird abgefertigt.“

Seit Januar weniger Geld pro Liter

Dieser Mehraufwand schlage sich natürlich auf die Kosten der Hersteller nieder, so Mundry. Hellmuth Riestock stimmt ihr zu: „Die Ware wird durch die Abwicklung teurer. Von zehn Prozent ist die Rede.“

Insgesamt fast 80 Prozent beziehen die Briten an Milchprodukten aus EU-Ländern, vor allem Käse und Butter. „Diesen Markt teilen sich Frankreich, Holland und Deutschland“, weiß Riestock, der die Vorwehen des Brexit schon seit Januar 2019 merkt: „Auf den Abrechnungen mit unserer Molkerei steht, dass wir nur noch 30 Cent pro Liter Milch bekommen.“

2018 waren es noch 33 Cent pro Liter. „Das Jahr zuvor sogar 36 Cent. Es wurde gut bezahlt, da es mehr Nachfrage gab als Angebot da war.“ Allerdings sei der Rhinmilch-Chef der Meinung, dass der mögliche Brexit schon eingepreist sei bei seiner Molkerei, der Netto-Auszahlungspreis nicht weiter sinke.

Hellmuth Riestock ist Geschäftsführer de Rhinmilch GmbH in Fehrbellin. Quelle: Anja Reinbothe

Müller Milch ist der große Abnehmer von Rhinmilch. Zweimal am Tag kommen die Tanklaster und holen das „weiße Gold“ in Fehrbellin ab. In Leppersdorf bei Dresden wird die Qualitätsmilch zu Milchprodukten weiterverarbeitet. 1700 Milchkühe hat Rhinmilch. „50 000 Liter pro Tag pumpen wir ab. 12 000 Liter gibt eine Kuh im Jahr.“

Um die 85 Mitarbeiter sind im Rhinmilch-Verbund beschäftigt. Sie sind in der Milch-, Pflanzen- und Tierproduktion sowie Energiegewinnung tätig. „34 Leute allein beschäftigen sich mit Milch, mit der wir rund die Hälfte unserer Einnahmen erzielen.“ In guten Jahren sind das sechs Millionen Euro Umsatz.

Milchherstellung ist arbeitsintensiv

Die Milchherstellung sei arbeitsintensiv, gibt Riestock zu: „Nur wenige Menschen wollen das machen, daher finden wir kein Personal. Sinken die Milchpreise weiter, kann ich weder die Leute ordentlich bezahlen noch Geld in Technik stecken.“ Mittlerweile gäbe es einen großen Investitionsstau.

„Allein wenn wir ein bis zwei Cent pro Liter weniger Milchpreis bekommen, sind 1,4 Millionen Umsatz weg“, erklärt Hellmuth Riestock. „Ich müsste mehr Milch liefern, wenn ich den Preis wieder drin haben möchte. Aber das bedeutet mehr füttern und somit mehr Ausgaben, denn die Milchmenge steigt ja nicht einfach so an.“

Bei einer Podiumsdiskussion Ende März des Berliner Milchforums wies Karsten Schmal, der Milchpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), darauf hin, dass hierzulande rund die Hälfte der erzeugten Milch exportiert werden muss. Wenn Märkte wie Großbritannien weniger oder nichts mehr abnehmen, müssten Molkereien und Milchbauern sich andere Länder suchen. Oder aber es verbleibt mehr in der Heimat.

Die dritte Milchkrise bei Rhinmilch

„Die Folge wäre dann, dass die Preise für Milch, Käse oder Butter fallen, und die Produkte im Supermarkt werden billiger“, schlussfolgert Riestock. Den Verbraucher wird es freuen, Milchlieferanten wie Rhinmilch nicht.

Allerdings sei das jetzt die dritte Milchkrise, seit es den Rhinmilch Verbund gibt, sagt der Geschäftsführer. 2014, als sich die Russen die Krim geschnappt hatten und die EU scharf reagierte, war die Situation beispielsweise auch angespannt.

Damals verhängte Russland ein Einfuhr-Embargo gegen Lebensmittel aus westlichen Ländern. Viele Molkereien mussten sich rasch andere Abnehmerländer suchen. Weil diese Märkte teils schon gut gesättigt waren, hatte das deutsche Bauern zwei bis vier Cent pro Kilogramm Milch gekostet.

Noch eine andere Sorge

Mehr Kopfzerbrechen als der Brexit bereitet Hellmuth Riestock allerdings im Moment das Wetter: „Eine erneute Dürre bedeutet weniger Milch, da wir weniger Futter auf unseren Ackerflächen produzieren. Wenn es bis Ende nächster Woche nicht regnet, haben wir die nächste schlechte Ernte.“ Natürlich würden Bauern in guten Jahren vorsorgen, was Futter und Finanzen betrifft.

Keine sieben Tage alt ist dieses Fehrbelliner Kälbchen. Quelle: Anja Reinbothe

„Doch irgendwann sind Reserven aufgebraucht. Die Landwirtschaft stirbt nicht von heute auf morgen wie andere Wirtschaftszweige, sondern langsam.“ Riestock ist jedoch zuversichtlich, auch hinsichtlich Brexit. Der Rhinmilch-Betrieb läuft weiter. Täglich kommen Kälbchen zur Welt, sind Mutterkühe wieder trächtig, wird Milch abgepumpt und verkauft.

Von Anja Reinbothe

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