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Fehrbellin Geheimnisse edler Steine
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00:21 28.11.2018
Die Fehrbellinerin Ellen Nimtz bewundert den tiefblauen Lapislazuli-Halbedelstein, aus dem Rima Chammaa Schmuckstücke fertigt.
Die Fehrbellinerin Ellen Nimtz bewundert den tiefblauen Lapislazuli-Halbedelstein, aus dem Rima Chammaa Schmuckstücke fertigt. Quelle: Cornelia Felsch
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Brunne

Behutsam stellt Rima Chammaa die kleine Schale mit dem blauen Pulver auf den Tisch, um es den Besuchern zu zeigen. Wie in früheren Zeiten hat sie kleine Stücke des Halbedelsteins Lapislazuli im Mörser zerrieben. Übrig geblieben sind die feinen Pigmente, die der Grundstoff für die einst teuerste Farbe der Welt waren – das Ultramarin.

Am Wochenende hatte die Goldschmiedin ihre Türen für Besucher geöffnet. Diesmal zum Thema Schmuck und Bücher. In ihrer gemütlichen Werkstatt konnten die Gäste die Schmuckstücke bewundern, in Büchern stöbern und bei Kaffee und Kuchen den Geschichten lauschen, die die gebürtige Libanesin zu erzählen weiß.

Bereits am Freitag herrschte in der Werkstatt hinter ihrem Wohnhaus großer Andrang. Obwohl der kleine Ort Brunne etwas versteckt im Luch liegt, wissen Insider mittlerweile recht genau, wo sie die Goldschmiedin finden. Nur ab und zu irren Berliner Kunden etwas länger durch die Landschaft auf der Suche nach ihrem Atelier.

Blauer Stein aus Afghanistan

Es sind die interessanten Rohstoffe, aus denen Rima Chammaa ihre Schmuckstücke fertigt, die sie immer wieder in den Bann ziehen. Aus einer Schublade holt sie einen großen Brocken Lapislazuli und reicht ihn Ellen Nimtz, die mit ihrem Mann aus Fehrbellin gekommen ist und zu den Stammgästen in der Werkstatt gehört. Erstaunt über die tiefblaue Farbe des Gesteins, betrachtet sie den kostbaren Rohstoff, der aus einem Berg in Afghanistan stammt.

Zarte Perlen auf Büchern. Quelle: Cornelia Felsch

Rima Chammaa zeigt ihr die kleinen, hellen, glitzernden Adern, die den Stein durchziehen. „Das ist Pyrit“, erklärt sie. „Die Einschlüsse, die als Katzengold bezeichnet werden, findet man auch oft auch in Feldsteinen.“ In einer Vitrine liegt eine Kette, die sie aus Lapislazuli-Plättchen gefertigt hat. An drei Seiten sind die Plättchen in Gold gefasst, die vierte Seite ist roh und unbearbeitet.

Bernstein aufgepeppt

Aber nicht alle Kunden, die zu Rima Chammaa kommen, wollen gleich ein neues Schmuckstück erwerben. Oftmals bringen sie ein Erbstück mit, das umgearbeitet oder repariert werden soll. Die Kette, die Ellen Nimtz an diesem Tag trägt, ist ein Erbstück aus den 1980er Jahren und besteht zum großen Teil aus geschliffenem Bernstein. „So recht gefallen hat sie mir nie“, sagt die Fehrbellinerin, die dann gemeinsam mit der Goldschmiedin überlegt hat, wie man das Schmuckstück etwas interessanter gestalten könnte.

Schwarze Lava-Kugeln bilden jetzt einen spannenden Kontrast zu den honiggelben Bernsteinperlen. „Ich trage die Kette jetzt sehr gern“, sagt Ellen Nimtz. Rima Chammaa holt eine Kette herbei, die sie ebenfalls aus schwarzen Lavaperlen gearbeitet hat. Die mattschwarzen Perlen wurden durch kleine glänzende Hämatit-Perlen ergänzt. „Hämatit wurde im Mittelalter auch als Blutstein bezeichnet, sagt die Goldschmiedin und erklärt, woher dieser Name für den eigentlich recht dunklen Stein kommt. „Die Bezeichnung Hämatit leitet sich aus dem griechischen Wort haima für Blut ab. Wenn man den Stein bearbeitet, dann färbt sich das Schleifwasser blutrot.“

Überraschende Suche nach Kreativität

Oftmals sind die Probleme der Kunden für die Schmuck-Künstlerin ein Anreiz, wieder einmal zu experimentieren und kreative Lösungen zu suchen. „Die Aufträge bringen manchmal Ideen hervor, die für mich selbst überraschend sind“ sagt Rima Chammaa. „Manchmal weiß ich selbst nicht so recht, wo es endet.“

Auf der Suche nach kreativen Ideen ist sie nun wieder in Berlin gelandet. Montags und dienstags ist sie in einer Charlottenburger Schmuckgalerie in der Suarezstraße 8 anzutreffen, die sie mit zwei anderen Goldschmieden betreibt.

Von Cornelia Felsch

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