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Fehrbellin Stolpersteine für Fehrbelliner Familie
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Stolpersteine für Fehrbelliner Familie
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00:37 28.04.2018
Petra Hennig recherchierte mit ihren Mitstreitern vom Aktionsbündnis „Fehrbellin bleibt bunt" das Schicksal der Familie Nathan. Quelle: Frauke Herweg
Fehrbellin

Die Nathans sind eine in Fehrbellin bekannte Familie. Fast jeder kennt ihr Modegeschäft im Zentrum der Stadt. Die wohlhabenden Ladenbesitzer gelten als engagiert – sie unterstützen arme Familien mit Kleidung. Dennoch beginnt der Rückhalt der Nathans nach der Machtergreifung der Nazis zu schwinden. 1938 geben sie ihr Geschäft in der heutigen Berliner Straße auf und fliehen in die Reichshauptstadt.

Im September will das Aktionsbündnis „Fehrbellin bleibt bunt“ Stolpersteine für die jüdische Familie verlegen lassen. Vor dem früheren Wohnhaus der Nathans in der Ruppiner Straße sollen in den Boden eingelassene Messingplatten an ihr Schicksal erinnern. Die Geschichte der Nathans dürfe nicht verschwinden, sagt Petra Hennig vom Aktionsbündnis. „Wenn ein Name vergessen ist, ist auch ein Mensch vergessen.“

Recherche mit überraschenden Ergebnissen

Seit zwei Jahren versuchen die Mitglieder des Bündnisses die Flucht der Nathans aus Fehrbellin zu recherchieren. Anfangs hatten sie nur Anhaltspunkte für einen der beiden Söhne – Hans Nathan. Dann fanden sie Hinweise auf Hans’ Frau Erna und seine Eltern Richard und Selma. „Das war ungeheuer spannend“, sagt Hennig. Berührend sowieso. „Wenn man sich mit den speziellen Schicksalen beschäftigt, läuft einem der kalte Schauer runter.“

Die Hoffnung, in Berlin Schutz zu finden, erfüllt sich für die Nathans nicht. Richard und Selma müssen sich in der Großen Hamburger Straße zu melden und werden in das Altersghetto Theresienstadt deportiert. Die Kosten dafür stellen ihnen die Nazis in Rechnung.

Hochbetagt nach Theresienstadt

Richard Nathan ist damals ein hochbetagter Mann von 78 Jahren. Wenige Monate nach seiner Ankunft in Theresienstadt stirbt er. Seine Frau ebenfalls. Die Nazis verhaften auch Hans und Erna Nathan. Sie bringen das Paar 1943 zunächst nach Theresienstadt. Später verschleppen die Nazischergen Hans und Erna nach Auschwitz, wo das Paar ermordet wird.

Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern das Aktionsbündnisses hat Hennig auch versucht, der Geschichte von Hans’ Bruder Kurt nachzuspüren. Sein Name taucht in den Gedenkbüchern der Konzentrationslager nicht auf – es könnte sein, dass ihm die Flucht gelang und er die Nazizeit überlebt hat.

Es gibt Hinweise, dass Kurt Nathan nach Paris flüchtete. Hennig und ihre Mitstreiter wollen herausfinden, ob es Nachfahren von Kurt Nathan gibt. „Natürlich würden wie sie gerne zur Verlegung der Stolpersteine einladen.“

Helene Paschke setzte sich für die Nathans ein

Auch Hennig hat sich gefragt, warum die Besitzer eines Fehrbelliner Traditionsgeschäftes plötzlich geächtet wurden. Eine mögliche Antwort fand sie in einem Brief, den Helene Paschke 1935 direkt an Hitler schrieb.

Die ältere Dame schilderte, dass die Nathans ihr „Geschäft in reellster Weise“ betrieben und gleichwohl Anfeindungen ausgesetzt wären. Zugleich beklagte sie, dass die Fehrbelliner für die Familie in ihrer Mitte nicht einstünden. „Sie hatten nicht den Mut für die Nathans einzutreten“, sagt Hennig.

Spenden sollen die Verlegung der vier Stolpersteine ermöglichen. Hennig und ihre Mitstreiter sprachen Fehrbelliner Unternehmen an und waren überwältigt von dem Engagement. Das benötigte Geld ist längst da. Schüler der Fehrbelliner Oberschule wollen dafür bei einem Spendenlauf im Mai starten.

Von Frauke Herweg

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