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Ostprignitz-Ruppin Fettreiche Diät für kleine Epileptiker
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fettreiche Diät für kleine Epileptiker
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17:43 05.10.2018
Leevi Jakobi (3) aus Dreetz gestern mit der Ärztin Karen Müller-Schlüter, seinen Eltern Janin Jakobi und Mathias Braun, seinem Brüderchen Taavi und der Ernährungswissenschaftlerin Katharina Schramm. Quelle: foto: Andreas Vogel
Neuruppin

Der erste große Anfall war schlimm. Leevi hatte seine Augen total verdreht, sein ganzer Körper zitterte. Mutter Janin, zu der Zeit hochschwanger mit ihrem zweiten Sohn Taavi, und Vater Mathias Braun aus Dreetz wurden mit ihrem Kind sofort ins Neuruppiner Krankenhaus gebracht. Die Diagnose: Leevi leidet unter einer besonderen Form der Epilepsie, dem Doose-Syndrom. Die Anfälle kommen plötzlich, ohne Vorwarnung. „Er fällt auf die Knie und dann auf seinen Kopf, ohne dass er diesen mit den Händen schützen kann“, sagt Janin Jakobi.

Erst Medikamente, seit März auf Diät

So plötzlich wie die Anfälle bei dem dreijährigen Leevi kommen, verschwinden sie auch wieder. „Das ist wie bei einem Lichtschalter, an, aus, an, aus“, sagt Mathias Braun. Man könne nur abwarten, bis der Anfall vorbei ist und Leevi nicht stürzt.

Darauf allein wollen sich aber weder die Eltern noch Karen Müller-Schlüter verlassen. Müller-Schlüter ist die leitende Ärztin des Sozialpädiatrischen Zentrums und des Zentrums für Neuropädiatrie und Epileptologie an den Ruppiner Kliniken, das seit 2017 als Epilepsiezentrum zertifiziert ist. Zunächst bekam Leevi verschiedene Medikamente, seit März macht er zudem eine spezielle Diät. Ziel sei, die Zahl der Anfälle zu reduzieren und eine normale Entwicklung von Leevi zu ermöglichen, sagt Müller-Schlüter.

Deutlich weniger Anfälle

Das scheint zu klappen. „Es gibt deutlich weniger Anfälle als im Februar“, sagt Mutter Janin, die Krankenschwester ist. Auch die ursprüngliche Skepsis von Vater Mathias Braun hat sich längst gelegt. Denn bei der „ketogenen Diät“ wird weitgehend auf Kohlenhydrate verzichtet. Stattdessen gibt es fettreiche Kost. Darauf muss sich der Körper natürlich erst einmal einstellen. „Das Gehirn arbeitet normalerweise mit Glykose, also Zucker“, sagt Müller-Schlüter. Nun muss der Körper mit der ketogenen Diät klar kommen. Durch die Diät reagiert der Körper wie beim Fasten und holt sich die Energie aus Fetten, den sogenannten Ketonen.

Gänzlich tabu sind Kohlenhydrate aber nicht bei der Diät, es kommt aber auf die Dosierung an. „Fünf Gramm Banane entspricht einem Gramm Kohlenhydrat, ebenso wie acht Gramm Apfel oder sieben Gramm Birne“, sagt Mathias Braun. Der Polier auf dem Hochbau hat sich auf die Diät weitgehend eingestellt, obwohl das zunächst nicht ganz einfach war. „Wir sind eine Kartoffel-Esser-Familie.“ Aber das ist Vergangenheit. „Wir wollen, dass es unserem Kind gut geht. Dafür machen wir alles“, betont Braun, während Leevi den Bagger auf dem Spielplatz des Sozialpädiatrischen Zentrums testet.

Die Diät soll weiter erforscht werden

Auch Karen Müller-Schlüter ist froh, dass die Diät so gut bei Leevi angeschlagen hat und der Dreijährige deshalb nicht nur auf Medikamente angewiesen ist, um seine Epilepsie in den Griff zu bekommen. Die Ärztin will die ketogene Diät, die erst seit Jahresbeginn in Neuruppin angeboten wird und bei der auch die Ernährungswissenschaftlerin Katharina Schramm mit im Boot ist, ausbauen. Immerhin werden in Neuruppin knapp 300 Kinder betreut, die an Epilepsie leiden. Die Mädchen und Jungen kommen nicht allein aus Ostprignitz-Ruppin, sondern auch aus der Prignitz, dem Havelland, aus der Uckermark und sogar aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Wirkweise der fettreichen Diät soll übrigens bald ein Forschungsschwerpunkt der Medizinischen Hochschule (MHB) werden. Denn diese hilft wohl auch bei Multipler Sklerose (MS) und wird in der Krebsbehandlung eingesetzt.

Der Tag der Epilepsie

Seit 1996 wird in Deutschland am 5. Oktober der Tag der Epilepsie begangen. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet Angriff oder Überfall.

Epilepsie bezeichnet eine Erkrankung mit mindestens einem spontan aufgetretenen epileptischen Anfall, der nicht durch eine erkennbare Ursache wie etwa Schlaganfall, Gehirnentzündung oder Kopfverletzung oder durch massiven Schlafmangel – sowie bei Alkoholikern durch Entzug des Alkohols – hervorgerufen wurde.

Bei einem epileptischen Anfall entladen sich plötzlich synchron eine Unmenge von Nervenzellen und führen zu Verhaltensstörungen.

Laut Experten erleiden etwa zehn Prozent der Menschen einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Hinzu kommen etwa knapp ein Prozent, die unter aktiver Epilepsie leiden – das heißt, sie bekommen regel- oder unregelmäßig epileptische Anfälle. av

Von Andreas Vogel

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