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Ostprignitz-Ruppin Flüchtlinge in Neustadt nicht willkommen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Flüchtlinge in Neustadt nicht willkommen
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00:58 26.09.2014
Einige Asylbewerber und Flüchtlinge sollen im Neustädter Wohngebiet Vogelsang untergebracht werden.
Einige Asylbewerber und Flüchtlinge sollen im Neustädter Wohngebiet Vogelsang untergebracht werden. Quelle: Peter Geisler
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Neustadt

Waltraud Lorenz, Dezernatsleiterin für Gesundheit und Soziales beim Landkreis, sowie Sabine Schmidt als Leiterin des Amtes für soziale Leistungen informierten die Stadtverordneten über die Situation und die Pläne zur Unterbringung von Flüchtlingen in der Stadt.

Demnach ist der Landkreis verpflichtet, 4,9 Prozent der dem Land Brandenburg zugewiesenen Flüchtlinge vorübergehend aufzunehmen. Aktuell handle es sich dabei um 235 Männer, Frauen und Kinder, die in Deutschland Asyl beantragt haben. Hinzu kämen 35 Flüchtlinge aus Syrien, denen grundsätzlich ein zweijähriges Bleiberecht zugestanden wird.

Das Übergangswohnheim im Neuruppiner Stadtteil Treskow mit seiner Kapazität von 208 Plätzen sei bereits jetzt überbelegt, berichtete Waltraud Lorenz am Montag. "Wir sind auf der Suche nach Wohnungen, die sich zur Unterbringung von Flüchtlingen eignen." Dabei sei unter anderem auch das Neustädter Wohngebiet Vogelsang in den Blick gerückt.

Die Kyritzer Wohnungsbaugesellschaft habe bereits drei leerstehende Wohnungen in Aussicht gestellt. Mit weiteren Vermietern werde verhandelt. Die Wohnungen würden hergerichtet und ausgestattet. Angestrebt werde die Unterbringung von 30 bis 40 Menschen - vorwiegend Familien - in möglichst überschaubarem Umkreis, so Waltraud Lorenz weiter. Erst damit werde auch die Einrichtung eines ständig besetzten Betreuungsbüros als Anlaufstelle praktikabel.

Die Diskussion unter den Stadtverordneten war vor allem von Sorge und Vorbehalten geprägt. Karl Tedsen (CDU) befürchtet Konflikte. Das Wohngebiet Vogelsang gelte schließlich schon jetzt als sozialer Brennpunkt. "Was wir nicht gebrauchen können, sind 30 Personen, die die sich nicht integrieren lassen wollen." Alexander Bleick (CDU) verwies auf das einstige Neustädter Asylbewerberheim und die schlechten Erfahrungen, die die Neustädter damit gemacht hätten. "Das ist ein großes Benzinfass, da reicht der kleinste Funke, dann geht es hoch." Christian Mäthlau (CDU) fragte an: "Wäre es möglich, nur Christen aus Syrien hier unterzubringen?" Da falle die Integration bestimmt leichter.

Eine derartige Zusage mochte Dezernentin Waltraud Lorenz nicht geben: Der Landkreis könne sich nicht aussuchen, wen er vorübergehend aufnimmt und wen nicht.

Bürgermeisterin Sabine Ehrlich (SPD) versuchte einzulenken: "Man kann die Unterbringung von 40 Leuten in Wohnungen nicht mit dem Asylantenheim vergleichen." Sie erinnerte an die Aufnahme von Russlanddeutschen, die schließlich auch kaum Konflikte verursacht habe. Und nicht zuletzt sei der Wohnungsleerstand ja ebenfalls ein Problem für die Kommune.

Die Stadtverordneten, die sich zum Thema äußerten, sahen das fast durchweg anders. Karl Tedsen (CDU) befürchtet Tumulte. Und dann könnten weder der angekündigte Wachschutz noch die Polizei Hilfe leisten. Franziska Ball (Die Linke) schloss sich an. Der angekündigte Sozialarbeiter für die Flüchtlinge sei sowieso nur Alibi und der Wachschutz nicht mehr als ein Abrechnungsposten, so ihre Vermutung. 40 Flüchtlinge seien da eindeutig zuviel. Neustadt werde von einer solchen Anzahl "überschwemmt".

Sobald sich klarer abzeichnet, wie die Unterbringung in Neustadt nun abläuft, soll es auch eine Einwohnerversammlung dazu geben. In Kyritz, Wusterhausen und Breddin sollen leerstehende Wohnungen nach Möglichkeit ebenfalls für Flüchtlinge genutzt werden. Entsprechende Gespräche laufen.

Von Alexander Beckmann

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