Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Fontanestadt ist zum Wohnen begehrt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fontanestadt ist zum Wohnen begehrt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:51 25.01.2018
Blick über die Altstadt von Neuruppin. Dort haben sich die durchschnittlichen Quadratmeterpreise von Mietwohnungen in fünf Jahren fast verdoppelt.
Blick über die Altstadt von Neuruppin. Dort haben sich die durchschnittlichen Quadratmeterpreise von Mietwohnungen in fünf Jahren fast verdoppelt. Quelle: Peter Geisler
Anzeige
Neuruppin

Preise für Wohnraum sind in den letzten Jahren in Großstädten explodiert, der Platz knapp geworden. Nun verlagert sich der Hype weiter raus aufs Land. Im Falle von Berlin bis nach Prignitz-Ruppin. Insbesondere Neuruppin sei betroffen, erklärt Michael Mießner von der Universität Göttingen. Zusammen mit einer Gruppe von Geografie-Studenten hat er in einer Studie die „Entwicklung auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt im ostdeutschen Mittelzentrum Neuruppin“ untersucht. Ähnliches hatte er bereits für Göttingen gemacht.

„Mich interessiert, wie sich der Immobilien-Boom verlagern wird, weg von der Großstadt, sprich A-Städten, hin zu B- und C-Städten?“ In diese Kategorien unterteilt der Wissenschaftler. Berlin ist für ihn A-, Göttingen oder Potsdam sind B-Lagen. Neuruppin ist Klasse C: 30 000 Einwohner, strukturschwach, aber in Pendlerdistanz zu Berlin. Michael Mießner ist die Fontanestadt bestens bekannt. Er kommt von hier.

Mieten steigen, Bodenwerte auch

Eine Woche lang befragten er und seine Forschungsgruppe Stadtplaner und -sanierer, Passanten, Makler und Bauträger und werteten statistische Daten aus. Mießners Thesen bestätigten sich. „Die Mieten sind gestiegen, die Bodenwerte auch“, resümiert der Geograf. „Bestimmte Stadtteile sind besonders gefragt. Die Rheinsberger Vorstadt bis zur Altstadt.“

In Neuruppin wird investiert in Bausubstanz. Vereinzelt tauchten überregionale Investoren auf, die meisten aber hätten einen Bezug zur Stadt, in die es leichten Zuzug gäbe, sagt Mießner: „Das liegt an der Nähe zu Berlin und weil Neuruppin interessant ist wegen Klinikum, Hochschule und Seenplatte. Bevor ich eine teure Wohnung in Berlin miete, nehme ich lieber etwas bezahlbares, attraktives und pendele.“ Demzufolge steigen auch bei uns die Mieten. „In Großstädten ging das schon 2011 los. In Neuruppin merken wir seit 2015 eine verstärkte Preissteigerung.“

Bis zu elf Euro pro Qadratmeter Grundmiete in Neuruppin

Dirk Pospiech, der seit der Wende in Neuruppin als Makler arbeitet, kann das bestätigen: „Vor fünf Jahren lag die Kaltmiete bei neuvermietetem Wohnraum im Zentrum bei fünf Euro pro Quadratmeter. Mittlerweile bezahlt man je nach Lage bis zu elf Euro.“ Im Vergleich: In Wittstock würde man laut Mietspiegel um die 4,50 Euro pro Quadratmeter zahlen, in Kyritz um die fünf Euro.

„In Pritzwalk konnte man vor zwei bis drei Jahren 4,50 Euro netto pro Quadratmeter bei Neuvermietung verlangen, jetzt sind es schon fünf Euro“, sagt Silke Boldt von Immobilien W. Wittstock in Pritz-walk, die es seit 1991 gibt und die von Meyenburg bis Kyritz agieren. Die Nachfrage sei größer als der Bestand, meint die Maklerin, die für Kunden stets auf der Suche nach neuen Objekten ist: „Der Kreis um Berlin herum ist größer geworden.

Menschen kaufen sich ihren Altersruhesitz. Viele Leute kommen auch zurück in die Heimat.“ Dabei seien Käufer rigoros: „Wenn etwas gefällt, geben sie lieber 10 000 Euro mehr aus, bevor ihnen jemand das Haus wegschnappt.“

Makler sagt: Markt wurde angeheizt durch geringe Zinsen

Für Dirk Pospiech, der Objekte von Zechlinerhütte über Neuruppin bis Neustadt vermarktet, ist es ganz klar: „Der Markt wurde angeheizt durch die geringen Zinsen. Es gab eine große Nachfrage, und die Kaufpreise stiegen. Ich weiß nicht, wohin die Reise geht. Aber wenn jemand ein Haus verkaufen möchte, dann jetzt. Wir bewegen uns im oberen Bereich.“ Baugrundstücke in Neuruppin seien rar geworden.

„Einfamilienhäuser in guter Stadtlage sind kaum noch zu bekommen. Erst zehn bis 15 Kilometer weiter draußen wird es erschwinglich.“ Ein guter Kompromiss sind Rheinsberg, Radensleben, Wustrau, Walsleben, Lindow, Wildberg oder auch Neustadt. „Das sind Orte, die Infrastruktur haben“, sagt der Experte. „Einfamilienhäuser weiter draußen sind vor allem bei zugezogenen, stadtmüden Menschen gefragt.“

In Neuruppin werden Immobilien knapp

Der Immobilienbestand in der beliebten C-Stadt Neuruppin wird rarer werden, die Kaufpreise aber weiter steigen, insbesondere für Stadthäuser und Einfamilienhäuser, versichert Dirk Pospiech. Diesen Trend bestätigt Maklerin Silke Boldt ebenso für Pritzwalk und Umgebung. „Vor allem Preise von bebauten Grundstücken gehen nach oben.“ Ein Ende ist wohl nicht in Sicht, auch was Mietwohnraum betrifft.

Zu leiden haben in Neuruppin darunter vor allem sozial schwache Bürger, erklärt Michael Mießner von der Universität Göttingen: „Sozialleistungsempfänger wurden aus den sanierten Altstadt-Gebieten an den Rand Neuruppins gedrängt.“ Eine Entwicklung wie in Großstädten. Immer mehr Jüngere, „Yuppies“, wie Mießner sie nennt, zögen ins Zentrum und auch Familien. Das Projekt in Neuruppin ist für Michael Mießner abgeschlossen und zugleich ein Anfang gewesen. Er möchte nun ganz Berlin-Brandenburg unter die Lupe nehmen.

Kommentar: Zweischneidig

Eigentlich ist es ja eine gute Nachricht, wenn die Immobilienpreise in Neuruppin steigen. Das heißt nämlich, dass Neuruppin sich gut entwickelt, dass die Menschen hier gern leben wollen, weil es Arbeit, Kultur, Lebensqualität gibt.

Aber für Mieter, die händeringend bezahlbaren Wohnraum suchen, ist es furchtbar, wenn Nettokaltmieten von zehn Euro pro Quadratmeter als „normal“ gelten. Das kann man sich mit „normalen“ Ruppiner Einkommen kaum leisten.

Gerade in der Politik ist es sehr populär, in diesem Zusammenhang auf Hausbesitzer zu schimpfen, die den Hals nicht voll bekommen. Das tun mitunter dieselben Politiker, die ständig neue, kostspielige Bau-Vorschriften beschließen.

Laut einer Studie der Kieler Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen verteuern allein die Energiesparverordnungen Neubauten um 20 Prozent. Dazu kommen Schallschutz, Brandschutz und Co. Super für die Umwelt, schön zum Wohnen. Aber umsonst gibt’s das nicht.

Von Kathrin Gottwald

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

Ostprignitz-Ruppin Kita Bienenkorb in Wittstock - Baulärm statt Bauklötze
25.01.2018
Ostprignitz-Ruppin Landratskandidat in Wusterhausen präsentiert - Linke schicken Arzt ins Rennen
25.01.2018