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Ostprignitz-Ruppin Für Frank Jüttner schließt sich der Kreis
Lokales Ostprignitz-Ruppin Für Frank Jüttner schließt sich der Kreis
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17:33 07.12.2016
Frank Jüttner (r.) bekam zahlreiche Glückwünsche, unter anderem von Brandenburgs Justizminister Stefan Ludwig.
Frank Jüttner (r.) bekam zahlreiche Glückwünsche, unter anderem von Brandenburgs Justizminister Stefan Ludwig. Quelle: Foto: Peter Geisler
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Neuruppin

Für einen Vormittag ist die Gewaltenteilung in Neuruppin aufgehoben worden – zumindest symbolisch. Zur offiziellen Amtseinführung des neuen Direktors am Amtsgericht, Frank Jüttner, versammelten sich Justiziare, Politiker und Polizeibeamte am Mittwoch in Saal 317 des Gerichtes. Mehr als 100 Gäste füllten den Raum bis auf den letzten Platz. Im Dienst ist Jüttner bereits seit 1. Oktober.

Stefan Ludwig, Justizminister des Landes Brandenburg, würdigte am Mittwochvormittag das bisherige Schaffen Jüttners und blickte auf einige Stationen zurück. So strich der Minister heraus, dass Jüttner seine Justizlaufbahn einst am Landgericht in Neuruppin begann. An einen späteren Abstecher des gebürtigen Münsteraners als Trainee beim Justizministerium in Potsdam würden sich die Kollegen noch heute „gut und gerne“ erinnern, so Ludwig. Er attestierte Jüttner sowohl „Pflichtbewusstsein“ als auch „Gespür für den Umgang mit Menschen“ und lobte die mehrjährige Arbeit Jüttners als Direktor der deutschen Richterakademie. „Sie haben dem Land Brandenburg über die Grenzen hinweg alle Ehre gemacht“, so Ludwig weiter. Er wünschte Jüttner ferner, das Amtsgericht mit seinen 15 Richterinnen und Richtern sowie 98 nicht-richterlichern Mitarbeitern „sicher und ruhig zu leiten“. Der Amtsgerichtsbezirk Neuruppin zeichne sich einerseits durch den Sitz am Landgerichtsstandort aus, andererseits durch die Größe. 2500 Quadratkilometer entsprächen der Fläche des Saarlandes und bildeten den größten Amtsgerichtsbezirk des Landes.. Einen ausdrücklichen Dank richtete Ludwig zudem an Jüttners Vorgänger Andreas Rose, der bereits Ende April verabschiedet worden war.

„Liebenswürdig und charismatisch“

Gisela Thaeren-Daig, Vize-Präsidenten des Oberlandesgerichtes, sagte mit Blick auf die Rückkehr Jüttners an den Gerichtsstandort Neuruppin: „Der Kreis hat sich geschlossen und das ist eine wunderbare Sache.“ Jüttner gehöre zu einer Generation von Richtern, die nach der Wende in die neuen Bundesländer kamen, „um die einmalige Chance zu ergreifen, hier ihre beruflichen Ideale zu verwirklichen“. Mittlerweile sei diese Generation im Alter von 45 bis 50 Jahren sehr erfahren. Die Eloquenz, Zuverlässigkeit, Empathie und das Verantwortungsbewusstsein machten Jüttner zu einer „liebenswürdigen und charismatischen Persönlichkeit“, so Thaeren-Daig.

Nachdenklich zeigte sich Egbert Simons, Präsident des Landgerichtes. Er hob auf die schwerwiegenden gesellschaftlichen Vorgänge wie das Erstarken von Pegida ab. „Das ist nicht Sorge, das ist nicht Angst, das ist der blanke Frust“, so Simons. Frust aber „weder Ziele noch Werte“. Es sei daher wichtig, die eigene Arbeit weiterhin in der Mitte der Gesellschaft zu verorten. Nur so ließe sich die öffentliche Ordnung sicherstellen. Für diese „schwierige Aufgabe wünsche ich Ihnen alles Glück“, betonte Simons.

Kritik an langer Vakanz

Ulrike Steineke, Richterin am Amtsgericht, nutzte den Anlass, um Kritik an der langwierigen Suche nach einem Nachfolger von Rose und der mehrmonatigen Vakanz zu äußern. „Für uns ist es nicht ganz zu verstehen, warum eine solch wichtige Stelle wie die des Direktors nicht zeitnah besetzt wird. Dem Land Brandenburg sollte eine Justiz, die zeitnah die Belange der Bürger behandelt, ein hohes Gut sein.“

Von Mischa Karth