Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Grundschüler lernen zu Vermitteln in Konflikten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Grundschüler lernen zu Vermitteln in Konflikten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 14.07.2017
Streit zu schlichten, deeskalieren – das üben die Schüler mit der Sozialarbeiterin.
Streit zu schlichten, deeskalieren – das üben die Schüler mit der Sozialarbeiterin. Quelle: Karoline Waack
Anzeige
Wittstock

„Es geht darum, sich in den anderen hineinzuversetzen und zu verstehen, warum er wie handelt“, so Hille Heinecke, die Sozialarbeiterin des Vereins Estaruppin. Sie arbeitet an der Wittstocker Waldring-Grundschule. Hinter jeder Tat stecke ein konkretes Bedürfnis und das gelte es herauszuarbeiten.

Hille Heinecke koordinierte in dieser Woche eine Streitschlichter-Intensivausbildung im Jugendclub C 60. Daran nahmen 18 Schüler der 4. bis 6. Klassen der Waldring-Grundschule teil. Dazu waren zwei hauptberufliche Mediatoren aus Berlin angereist. Mit ihnen erarbeiteten die Schüler die verschiedenen Phasen einer Streitschlichtung, spielten Mannschaftsspiele und probierten anhand von Übungsfällen das Gelernte aus. „Die Schüler sind sehr motiviert“, resümiert Hille Heinecke. Die meisten Viertklässler haben ein Schuljahr über an einer Mediations-AG der Schule teilgenommen, die Fünft- und Sechstklässler hatten schon Erfahrung im Streitschlichten auf dem Schulhof.

Die Waldring-Grundschule führt diese Art der Gewaltprävention seit 2010 durch, was sich Hille Heinecke zufolge positiv auf das Klima auf dem Schulhof ausgewirkt hat und die Lehrer entlastet. Die Streitschlichter seien sich ihrer Verantwortung bewusst. Viele Schüler hätten inzwischen von ihnen erfahren, besonders, weil sie seit diesem Schuljahr gelbe Westen tragen.

Allerdings profitiere vor allem die eigene Klasse von einem Streitschlichter. Es gehört als Erstklässler immer noch Mut dazu, sich im Konfliktfall an einen viel größeren Viertklässler zu richten.

Das Mediationstraining ist anspruchsvoll. Die Schüler lernen, die Gefühle eines Menschen zu spiegeln und in Ich-Botschaften umzuwandeln. Statt ein „Du gehst mir auf den Geist“ heißt es zum Beispiel: „Ich nehme Wut bei dir wahr. Ist das richtig?“ Statt dem anderen etwas zu unterstellen und (falsche) Annahmen zu treffen, teilt man eigene Empfindungen mit. Zum Beispiel kann man sagen: „Ich war verletzt, als du mich angeschrien hast, obwohl ich nichts dafür konnte.“

Sehr wichtig ist es auch, herauszuarbeiten, was die Streitenden gerade fühlen und was sie in diesem Moment brauchen. Der Mediator stellt Fragen, aus deren Antworten die Parteien etwas über den Zustand des Anderen erfahren. Mit der Unterstützung des Mediators entwickeln die Streitenden dann selbstständig eine Lösung ihres Konflikts. Dabei gibt es Regeln: der Verzicht auf körperliche Gewalt, das Ausredenlassen seines Gegenübers, Vertraulichkeit.

„Streitschlichten war vor einigen Jahren an vielen Schulen der Region beliebt“, sagt Hille Heinecke. „Inzwischen sind wir in Wittstock und Umgebung eine von drei Schulen, die das Training veranstalten.

Wir machen es am Ende vom Schuljahr, damit Lehrer und Eltern keine Bauchschmerzen haben, wenn die Kinder Unterrichtsstoff verpassen“. Natürlich könne man nie wissen, wie viel bis zum nächsten Schuljahr hängenbleibt. Finanziert wird das Projekt aus dem Sozialraumbudget der Stadt Wittstock. Deren Jugendamt stellt dann den Gemeinden das Geld zur Verfügung.

Von Karoline Waack